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Die Krise zeigt auf, was im Schulsystem schief läuft und was zu lange vernachlässigt wurde. Damit birgt sie große Chancen, eine konstruktive Entwicklung anzustoßen und voranzutreiben.

Ein gerechteres System

Es ging groß durch die Medien, hat Aufsehen erregt und für viele Diskussionen gesorgt. Die Ergebnisse einer Umfrage zeigten, dass 20% der Kinder – so war es zumindest am Beginn des Homeschoolings – nicht erreicht wurden. Das ist eine unheimlich große Zahl an Kindern und zurecht war die öffentliche Empörung darüber enorm. Kennt man aber Schulen, in denen Kinder aus sozioökonomisch schwachen Familien kommen, überrascht diese Zahl kaum noch. Die traurige Tatsache ist nämlich, dass auch im “Normalbetrieb” nicht alle Kinder immer erreicht werden. Fehlende Unterstützungssysteme, Traumatisierungen, zahllose Fehltage oder familiäre Verantwortung, die keinem Kind zugemutet werden sollte, führen auch im Regelbetrieb dazu, dass Kinder zurückbleiben, dass man nicht zu ihnen durchdringt und dass sie den Anschluss verlieren. Auch wenn es vielleicht nicht immer 20 Prozent sind, ist dennoch jedes Kind, dass auf diese Weise zurückgelassen und aufgegeben wird, eines zu viel. Endlich empört sich auch die Öffentlichkeit darüber. Endlich wird der Blick auch in diese unangenehmen Ecken unseres segregierenden Schulsystems gelenkt. Endlich wird sichtbar, was viel zu oft unter den Teppich gekehrt wird. Was einmal an der Oberfläche ist, kann nicht mehr so leicht verdrängt werden. So ist die Sichtbarmachung dieses systemimmanenten Problems hoffentlich der erste Schritt in Richtung einer Lösung. Ein Schritt hin zu einer Schule und einem Schulsystem, das erst dann als erfolgreich gilt, wenn es in der Lage ist Ungleichheiten aufzuzeigen und auszugleichen und in dem kein Kind mehr übersehen oder nicht erreicht werden kann.

Teamarbeit

Der Lehrer*innenberuf ist vielerorts leider immer noch geprägt von Einzelkämpfertum. Die derzeitige Krise hat durch das Social-Distance-Learning viele Lehrkräfte und Pädagog*innen zur Teamarbeit gezwungen. Aufgaben müssen aufeinander abgestimmt, Abgabetermine koordiniert und Kommunikationskanäle vereinheitlicht werden. Natürlich ist hier noch viel Luft nach oben, Eltern und Schüler*innen klagen über Social-Distance-Learning via 5 verschiedener Apps und 3 verschiedener Videotools. Dennoch blitzen immer mehr Phasen des echten Teamworks auf, wo gemeinsame Ziele und Aufgaben für eine Klasse geschaffen werden. Diese Art des Zusammenarbeitens, die Koordination, die Absprache und das Schaffen gemeinsamer Ziele sollten nach Überstehen der Krise zum Arbeitsstandard an jeder Schule zählen. Hoffentlich hilft uns das Virus, das Einzelkämpfertum im Lehrer*innenzimmer hinter uns zu lassen und als Team zusammenzuarbeiten.

Digitaler Unterricht als Normalität 

Schulalltag ist stressig und dicht getaktet. Stunden vorbereiten, Material erstellen, verbessern und natürlich: unterrichten. Meist bleibt wenig Zeit und Raum für “Spielereien”. Man hört immer wieder von neuen Tools, spannenden Websites und Angeboten und nimmt sich vor, sich diese “mal anzuschauen” und auszuprobieren. Im Alltag neigen solche Vorsätze allerdings dazu, in den Hintergrund zu verschwinden. Wenn man Vorbereitungen nach einem langen Unterrichtstag macht, wird in der Regel doch auf Bewährtes und Vertrautes, meist Analoges, zurückgegriffen.

Bis vor ein paar Wochen hätte ein Großteil der Lehrkräfte digitale Planungen, Lernvideos, Arbeitsaufträge, Quizzes oder Share Plattformen wohl kaum zu diesem bewährten und vertrauten Aufgabenkanon gezählt. Nun wurde die Umsetzung dieses lange vor sich hergeschobenen Vorsatzes von der Krise beschleunigt, ja regelrecht erzwungen. Innerhalb weniger Tage und Wochen fand ein Großteil der Lehrkräfte neue Wege, hat teilweise von 0 auf 100 begonnen digital zu arbeiten. Und siehe da, es ist gar nicht so kompliziert wie gedacht, es kann funktionieren und die Arbeit nicht nur für die Kinder ansprechender und zeitgemäßer gestalten, sondern sogar für Lehrkräfte Vorteile und Erleichterungen bringen. Natürlich läuft noch bei weitem nicht alles optimal, es werden zu viele verschiedene Plattformen genutzt und durch das problemlose Erstellen von Aufgaben werden Kinder teilweise mit Aufgaben überflutet. Hier muss also noch nachgebessert werden, aber die Richtung stimmt. Wenn diese Entwicklung auch nach der Krise nicht vergessen, sondern fortgeführt, weiterentwickelt, vereinheitlicht und perfektioniert wird, liegt darin die Chance Schule und Unterricht tatsächlich zu modernisieren und obendrein auch Schüler*innen wirklich digital zu bilden.

Schulautonomie mitnehmen

Viele Vorgaben, wie mit den neuen Herausforderungen umzugehen ist, gab und gibt es in Corona-Zeiten nicht. Schulleiter*innen, Lehrer*innen und Schüler*innen müssen deshalb gemeinsam für ihren Standort Entscheidungen treffen. Welche E-Learning Plattform wollen wir verwenden? Wie kommunizieren wir miteinander? Wie werden Journaldienste eingeteilt? Mit der stufenweisen Öffnung der Schulen ab Mai werden hier noch viele weitere Fragen gestellt und Lösungen gesucht werden müssen. Die Krise zeigt: Jede Schule braucht etwas anderes und die Kolleg*innen und Schüler*innen vor Ort wissen am besten, was für sie der richtige Weg ist. Auch nach Corona sollte die Schulautonomie gestärkt werden, damit jede Schule selbst entscheiden kann, wie der Schulalltag gestaltet sein soll. Nur so ist auch Innovation im Bildungssystem möglich!

Autonomie hat ihre Tücken – auch jetzt

Schulautonomie ist wichtig, kann aber auch dazu führen, dass manche Verantwortlichen ihre Verantwortung nicht wahrnehmen. So zeigt die Krise durchaus auch, dass es Schulleiter*innen gibt, die sich der Suche nach Lösungen entziehen und die Kolleg*innen ohne Vorgaben oder Kontrollen machen lassen was sie möchten. Es gibt Lehrer*innen, die sich kaum Mühe geben, das Homeschooling so zu gestalten, dass es bei den Schüler*innen auch ankommt. Es gibt Schulen, in denen Kommunikation in diesen schwierigen Wochen kaum stattfindet. Schulautonomie soll deshalb nicht Wegschauen bedeuten: Wir brauchen zentrale Vorgaben, wir brauchen Ziele und auch Überprüfung, aber vor allem brauchen wir Angebote und Ressourcen. Wie soll eine Schule innerhalb von 2 Tagen eine E-Learning-Strategie erarbeiten, diese allen Schüler*innen und Lehrer*innen nahebringen und dann auch noch die nötigen Geräte bereitstellen? Dieses Versäumnis gilt Bildungsministerium und Bildungsdirektionen – diese Strategien hätten schon längst eingefordert werden müssen, mit der nötigen Begleitung und (auch finanziellen) Unterstützung. Dann können sie auch je nach Schule autonom gestaltet werden. Hoffentlich lernen wir aus dieser Krise, dass wir uns auf die nächste besser vorbereiten sollten, anstatt erst dann zu handeln, wenn wir schon mittendrin stehen.

Die Krise legt offen, was schon lange schief geht

Die derzeitige Krise schafft neue Probleme, keine Frage. Vor allem aber legt sie jene Probleme schonungslos offen, die schon seit Jahren (mehr oder weniger) latent im System vorhanden sind.  Dass ein gewisser Prozentsatz von Kids an Mittelschulen nur schwer oder gar nicht erreichbar ist, empört zu recht, überrascht aber wenige, die im System arbeiten. Schon vor der Krise gab es dieses Problem, fand aber in der breiten Öffentlichkeit wenig Beachtung.  Dass die Krise besonders jene trifft, die es sowieso schon nicht leicht haben, zeigt, dass unser Bildungssystem auch davor schon ungerecht war. Dass manche Lehrer*innen von digitalen und pädagogischen Neuerungen nichts wissen wollen, war auch vorher schon klar. In der Krise zeigt sich, wer seine Verantwortung wahrnimmt. Fehlende Konzepte und gemeinsame Ziele, fehlende Abstimmung, Koordination und Vereinheitlichung waren schon lange ein Problem (ändert sich gerade, siehe oben) und wird durch die Krise deutlich offenbart.

In vielen dieser Bereiche finden gerade innovative Prozesse und Verbesserungen statt. Wir müssen diesen Schwung mitnehmen um nach der Krise nicht wieder in alte Muster zu fallen.

Felix Stadler, Simone Peschek und Verena Hohengasser

Dieser Beitrag erschien auch auf der Plattform umbruch.at.

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Seit nunmehr 10 Tagen sitzen wir Lehrer*innen, Schüler*innen und Eltern der NMS St. Agatha zu Hause an unseren Computern. Warum? Unser Leben hat sich in jeder Hinsicht von heute auf morgen um 180 Grad gewendet!

Warum 10 Tage?

Der Stundenplan hat sich ausgeweitet. Von einer für jede Schulstufe vorgegebenen Stundentafel, die unterteilt wird in fixe 50-Minuten-Einheiten und dazwischen Pausen, um die Klasse zu wechseln, oder einen Schluck vom kalten Kaffee zu nehmen oder auf die Toilette zu gehen, wenn es sich in den verbleibenden 30 Sekunden noch ausgeht, sind wir zu einer 7-Tage-Woche mit unbegrenzten Arbeitsstunden ohne Fachschwerpunkte mutiert. Jeder teilt sich seine Arbeits- und Pausenzeit selbstständig ein…

Ist das so?

Zwischen die App Teams für alle handlungsfähig zu gestalten, Waben in der Lernwelt ChabaDoo zu erstellen und auszuprobieren, Arbeitsblätter zu erstellen und hochzuladen, Arbeitsaufträge verständlich niederzuschreiben, Bildschirm-Tutorials und PDF-Guides zu erstellen, braucht Roland* um 9:37 Uhr Hilfe in Mathematik. Doch Regina* kommt genau zur gleichen Zeit nicht in die Lernplattform ChabaDoo, weil sie ihre Zugangsdaten vergessen hat. Ach ja, und da waren ja noch Sibille* und Lilly* aus der 1. Klasse, die schon seit 7:22 Uhr im Teams-Chat versuchen mich zu erreichen, weil sie ihre Englisch-Hausübungen nicht hochladen können. Gerade sehe ich, dass Johanna um 8:41 Uhr geschrieben hat, sie braucht ein neues Kennwort für ihr Office365. Um 10:59 Uhr läutet das Telefon zum dritten Mal, weil der Server einer Seite nicht erreichbar ist. Und so wäre diese Liste noch bis spät abends fortsetzbar, aber…

Teamarbeit auf höchstem Niveau

Von zuerst kurz erwähnten 6 Tagen, blieben uns dann 4 Tage – (Gott sei Dank, gibt es Samstag und Sonntag, die genutzt werden konnten) – um an unserer Schule eine Kommunikations-, eine Lern- und eine Datenaustauschplattform zu implementieren. Alle Kolleg*innen sind jetzt im digitalen Boot und die Herangehensweise an Themen, Arbeitsaufträge, Wiederholungen, Erklärungen usw. ist für alle transparent – das heißt, jeder gibt seine Ideen automatisch an alle anderen Kolleg*innen weiter. Es wird tatsächlich fächer- und schulstufenübergreifend Material ausgetauscht… vorher hat eben jeder „seins“ gemacht! Alle Kolleg*innen, Schüler*innen und Eltern arbeiteten in diesen Tagen auf Hochtouren, ohne zu wissen, wie lange dieser Zustand des Homeschoolings andauern würde bzw. könnte. Die Herausforderung bestand bzw. besteht aber nicht nur darin, Plattformen für den digitalen Unterricht von und für zu Hause aufzubauen…

Hilfe von ChabaDoo

An unserer Schule sind wir seit zwei Jahren in einem Feldtest der Firma ChabaDoo, einer innovativen österreichischen Start-up-Firma im Bereich E-Learning. Seit dem Schuljahr 2018/19 haben wir das Glück, dass unsere Schüler*innen der 3. und 4. Klassen von ChabaDoo mit Hardware ausgestattet worden sind. Für unsere „Kleinen“ konnten wir so kurzfristig keine Geräte zur Verfügung stellen und müssen daher auf die Eltern vertrauen, dass sie ihren Kindern Zugang zu den Computern gewähren. Aber was alle unsere Schüler*innen bekommen haben, sind Zugangsdaten für die E-Learning-Plattform der österreichischen Firma. In ständiger Begleitung durch Mitarbeiter von ChabaDoo und kritischer Abwägung der Vor- und Nachteile des Einsatzes der Hardware und der E-Learning-Plattform in den letzten beiden Jahren, fiel uns an der NMS St. Agatha dieser kurzfristige Umstieg auf „Total-Digital“ etwas leichter, wie wahrscheinlich an so manch anderen Schulstandorten.

Chance, Trend, Schule neu denken

Heute, nach 10 Tagen im Homeschooling, Home Office, Distance Learning und Distance Teaching (kein Anspruch auf Vollständigkeit der Begrifflichkeiten!) merke ich, dass der Einzug in das digitale Zeitalter mit voller Wucht eingeschlagen hat – ohne Vorankündigung! Wir sollten diese Zeit der Krise als Chance nutzen, einem neuen Trend entgegenzugehen und gemeinsam „Schule neu denken“!

*Namen frei erfunden.

Die Autorin ist Lehrerin an einer Mittelschule in Oberösterreich.

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Neues Jahr, neue Regierung, neues Programm. Selbstverständlich haben auch wir einen Blick ins Bildungskapitel des neuen Regierungsprogramms riskiert.

Wenngleich man bei vielen Punkten erst dazugehörige Gesetze abwarten muss, ehe man ein wirkliches Urteil fällt, kommen wir nicht umhin in Lehrer*innenmanier schon jetzt die ersten Plus und Minus zu verteilen.

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Dass ich eine Klasse mit nur neun Schüler*innen unterrichte liegt an der besonderen Schulform: ZIS steht für Zentrum für Inklusion und Sonderpädagogik.

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Ein Gastbeitrag aus einer Polytechnischen Schule

Nervösität, Ungewissheit und Aufregung – die Gefühle vor meinem ersten Tag als Lehrkraft an einer Polytechnischen Schule in Wien. Dort, wo angeblich niemand motiviert ist und die Schüler*innen, die es an keine weiterführende Schule geschafft haben, nur ihr letztes Pflichtschuljahr sinnlos absitzen bevor sie in die Arbeitslosigkeit gleiten. Dort, wo niemand etwas lernen will und es nur von gewalttätigen, verhaltensauffälligen Schüler*innen wimmelt. Dort, wo die Schüler*innen kaum Deutsch sprechen, die Eltern sich nicht für Bildung interessieren und man kaum unterrichten kann.

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