Beiträge

Lesezeit: 4 Minuten

Unsere Schulen sind voller Sprachen. Diese Vielfalt ist aber dabei, zu verkümmern. Deshalb sollten neben Deutsch dringend auch Türkisch, BKS und Arabisch gefördert werden.

„Ozean – das ist alles, was hier blau ist.“ Ich deute mit einem Finger auf die Weltkarten neben der Tafel. „Ein sehr großes Meer.“ Am Stundenplan steht Geografie in einer ersten NMS-Klasse in Wien. Gerade hat mich der 11-jährige Adin gefragt was denn nun dieses Ozean sei. Ich muss wieder zurückspulen und bei der Wortschatzarbeit ansetzen – nicht nur für Adin, sondern für die meisten seiner Klassenkolleg*innen. Viele sprechen zuhause eine andere Sprache als Deutsch.

Weiterlesen
Lesezeit: 2 Minuten

Ich bin umgezogen. Nun packe ich Kisten aus, schlichte, verstaue, ordne mein Leben neu. Hier die Bücher, dort Büromaterialien, das gehört eigentlich in die Küche. Erschöpft sinke ich aufs Sofa und lasse meinen Blick durch den Raum schweifen. Vor mir steht eine Kiste, ich sehe Stifte, Post-Its, Notizbücher und ein kleines Stück von etwas Blauem, Glänzendem. Ich ziehe daran und halte kurz darauf ein gerahmtes Foto in den Händen. Darauf ein Mädchen, etwa neun Jahre alt, es hält in beiden Händen fest ein buntes Blatt Papier und liest etwas vor. Daneben stehe ich, mit einer Mischung aus Stolz und Rührung in meinem Blick, und halte ihr ein Mikrofon hin. Alle sollen hören können, was sie sagt.

Weiterlesen
Lesezeit: 5 Minuten

Immer wieder ist in den Schlagzeilen zu lesen, dass die Mehrsprachigkeit von Kindern ein großes Problem für unsere Gesellschaft darstellt. Schüler*innen können schlecht Deutsch und bekommen einen Mittelschulabschluss ohne sinnerfassend lesen zu können, die Kinder von heute sprechen nur mehr “Ausländerdeutsch”, also mit vereinfachten Strukturen und fehlender Grammatik, und manche können sich überhaupt in keiner Sprache adäquat ausdrücken.

Weiterlesen
Lesezeit: 3 Minuten

Ich unterrichte an einer Neuen Mittelschule in Wien. Eine Schule, in der Kinder mit den unterschiedlichsten Muttersprachen sitzen. Eine Schule, in der angeblich hauptsächlich unaufmerksame, schwierige und teilweise gewalttätige Kinder sitzen. Eine Schule, in der alle gehört und gesehen werden wollen, und gleichzeitig manche keinen Raum dafür lassen. Dort habe ich vor kurzem eine Unterrichtseinheit komplett auf Gebärdensprache gehalten. Nicht nur habe ich ausschließlich mit Gesten kommuniziert, auch die Kinder gestikulierten und gaben alle ihre Antworten, ohne ein Wort laut auszusprechen. Kinder, die bis vor kurzem nicht mal wussten, dass Gebärdensprache existiert, saßen mit völliger Konzentration und Aufmerksamkeit im Klassenzimmer.

Weiterlesen