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Lesezeit: 3 Minuten

Kinder unter 10 Jahren gelten als nicht besonders ansteckend. Ich bin älter als 10 Jahre und meine Kolleg*innen ebenfalls.

In einer Halbtagsschule ist es bestimmt möglich, dass nur mehr eine Lehrperson in der Klasse ist, in einer GTVS geht sich das nicht aus. Es ist also unumgänglich, dass Lehrpersonen und Freizeitpädagog*innen in verschiedenen Klassen sind.

Kinder unter 10 Jahren gelten auch nicht als K1-Person. Mulmig ist mir dann aber doch, wenn ich weiß, dass Eltern von Schüler*innen auf COVID-19 positiv getestet wurden. Die uns versprochenen FFP2-Masken kamen erst diese Woche, natürlich nur 1 Stück pro Person. Als sonstige Maßnahmen bleiben nur Lüften und Hände waschen mit kaltem Wasser.

Ich persönlich kann dem Online-Unterricht durchaus etwas abgewinnen, schon allein, weil man per Knopfdruck alle Kinder auf „stumm“ schalten kann. In der Klasse würde ich mir diese Funktion manchmal auch wünschen. Fast alle Kinder kommen zu meiner täglichen Online-Stunde. Ein Ritual, das den Kindern schon aus dem ersten Lockdown bekannt ist. Viele meiner Kinder können mittlerweile schon selbstständig herausfinden, welche Aufgaben für den jeweiligen Tag zu erledigen sind, und wissen, wie man mir via Chat Fragen stellen kann. Das klappt jetzt deswegen so gut, weil im März bereits eine Kollegin wissen wollte, ob und wie wir MS Teams verwenden können. Erst Wochen später wurde das Programm allen Wiener Schulen zur Verfügung gestellt und eingerichtet. Wir hätten uns viel Arbeit und Mühe erspart, wenn uns das vorher jemand mitgeteilt hätte. Von „Oben“ hieß es aber nur, es würde etwas kommen, man wisse nur noch nicht was und dürfe darüber keine Auskunft geben.

Nun gut, wie bringt man aber nun eine ganze Schule dazu dieses Programm dann auch zu nutzen? Mit einem Computerraum in der Schule wäre es ja relativ einfach, allen Kindern zu zeigen, wie man sich anmeldet und MS Teams verwendet. Nur den haben Volksschulen nicht!

Wir haben jeweils 2 PCs in den Klassen und nur einen funktionierenden Beamer für die ganze Schule.  Dazu kommen Lehrer*innen, die zu Hause weder PC noch Laptop besitzen, weil sie das bis jetzt ja nie gebraucht haben. Diese Kolleg*innen haben zuvor auch noch nie an einem Online-Meeting teilgenommen und können sich daher nur schwer vorstellen, wie man so unterrichten soll. Einen Dienstlaptop zu haben wäre natürlich hilfreich. Doch den gibt es nicht. Der Kopierer lief daher vor dem Lockdown heiß, weil alle ganz viele Übungsmappen erstellen mussten. In der Aula wurden wieder Kästen aufgestellt, damit die Eltern Arbeitsunterlagen holen und bringen können. Denn viele Haushalte verfügen über keinen Drucker. Um vernünftig am Online-Unterricht teilzunehmen, braucht es viel. Es braucht einen PC oder Laptop mit Kamera und Mikrofon, ein Smartphone – es muss aber das richtige sein, weil MS Teams weder auf einem alten iPhone noch auf Huawei funktioniert –, schnelles Internet, einen Drucker und einen Scanner – diesen braucht man z.B. um Aufsätze verschicken zu können, Kinder unter 10 schreiben üblicherweise noch viel mit der Hand – und einen ruhigen Arbeitsplatz. Im Idealfall braucht es auch noch Personen, die einem helfen können, wenn man nicht weiterweiß oder bei den jüngeren Kindern schauen, was zu tun ist und bei der Technik helfen. Das alles verdeutlicht erneut, dass im Lockdown wiederum privilegierte Haushalte weniger Nachteile haben als andere, die mit erhöhten Hürden zu kämpfen haben.

Eltern, die über diese genannten Ressourcen bzw. Möglichkeiten nicht verfügen, wurde hingegen geraten ihr Kind/ihre Kinder zur Betreuung in die Schule zu schicken, wodurch sie sich wiederum einem erhöhten Ansteckungsrisiko aussetzen.

Meine Schule hat Glück. Sie hat eine hilfreiche und engagierte IT-Kustodin und viele lernwillige Kolleg*innen, die sich sehr viel Mühe geben, dass der Unterricht bestmöglich weitergeht und alle Kinder erreicht werden. Was wir ohne sie gemacht hätten, weiß wohl niemand und ich möchte mir nur ungern vorstellen, wie das eigentlich an anderen Volksschulen läuft.

Die Autorin ist Lehrerin an einer Volksschule in Wien.

Lesezeit: 8 Minuten

In den folgenden Beiträgen teilen Schüler*innen aus der 2AS der BHAK Wien 10 ihre Erfahrungen und Eindrücke zum Distance-Learning, den Unterschieden zum ersten Lockdown und ihre Wünsche an die Regierung.

Eins

Für uns war der zweite Lockdown irgendwie zu erwarten. Hier möchten wir euch einen Einblick in unsere derzeitige Situation geben.

Anders als im ersten Lockdown ist es diesmal viel stressiger und belastender. Es ist anstrengend, jeden Tag von 08:00 – 15:50 Uhr vor dem Laptop zu sitzen und Videokonferenzen zu führen. Nach den Videokonferenzen sitzt man öfters noch mehrere Stunden an den Aufgaben, die wir innerhalb eines Zeitfensters erledigen müssen. Meistens sind es so viele, dass man bis zum Abend dasitzt und sich nicht auskennt. Viele Schüler*innen haben auch Geschwister, was das Ganze noch viel aufwändiger macht, weil es dann schwerer ist, sich zu konzentrieren. Wegen all dem Stress haben wir auch keine Freizeit mehr und keine Zeit für unsere Familie. Unserer Meinung nach war der erste Lockdown viel angenehmer.

Derzeit ist es schwerer geworden, mit dem Stoff voran zu kommen, weil die meisten es nicht so gut über die Videokonferenzen verstehen und schwerer mitkommen. Man kennt sich jetzt zwar besser mit Teams aus, jedoch verlieren manche über all die zu erledigenden Aufgaben die Übersicht.

Die Stimmung in der Klasse ist sehr gereizt und die meisten wirken auf uns nervös und unmotiviert. Viele haben keinen Plan, was gerade Stoff ist, und sind gestresst. Unsere Mitschüler*innen wirken auf uns müde und verloren.

Wenn es zu einem dritten Lockdown kommen würde, würden wir es besser finden, wenn es weniger Videokonferenzen gäbe. Außerdem sollten es nicht so schwierige Aufgaben sein und die Lehrer*innen sollten mehr Verständnis haben. Wir würden uns über mehr Freizeit freuen. Auch wenn wir Wochenende haben, müssen wir uns darüber Sorgen machen, dass wir bis Montag 5 Aufgaben zu erledigen haben. Deswegen können wir uns nicht wirklich ausruhen. Wir hoffen aber, dass es nicht zu einem dritten Lockdown kommt.

Haris, Ayten, Rumeysa und Laura

Zwei

Der zweite Lockdown kam für uns wenig überraschend. Was nun in der Schule anders läuft, möchten wir in dem Text kurz erklären.

Einerseits hatten wir im ersten Lockdown viel Stress, weil für uns die neue Situation fremd war und wir nicht wussten, was auf uns zukommen wird. Anderseits hatten wir mehr Freizeit, weil der Schulunterricht nicht nach Stundenplan abgehalten wurde. Der Lockdown I war für viele Familien eine sehr große Herausforderung, weil alle Familienmitglieder plötzlich zu Hause bleiben mussten. Da wir im Lockdown I nicht so viel zu tun hatten, waren wir schneller fertig und konnten den restlichen Tag frei gestalten. Der Unterschied zu Lockdown I ist, dass wir jetzt keine Zeit mehr für die Familie haben, weil wir den ganzen Tag vor dem Laptop sitzen müssen. Diesmal ist es nicht möglich, gemeinsam mit der Familie zu essen.

Zu Beginn des ersten Lockdowns fiel es schwerer, sich zu organisieren. Doch mit der Zeit wurde es besser. Diesmal kennt sich jede*r besser mit Teams aus, weil man ständig mit der App arbeiten musste. Nun läuft der Unterricht nach Stundeplan ab, was stressiger ist. Da wir Schüler*innen auch noch Aufgaben nach den Stunden bekommen, die wir erfüllen müssen, sitzen wir länger vor dem Laptop als im Präsenzunterricht. Die Meinung der Schüler*innen mit jüngeren Geschwistern ist, dass es im zweiten Lockdown leichter geworden ist, weil die Kindergärten und die Betreuungen offen haben. Dadurch fällt das Aufpassen auf jüngere Geschwister oftmals weg.

Die Motivation der Mitschüler*innen ist unserer Meinung nach gesunken, weil es nun stressiger und aufwändiger geworden ist, weil jetzt jeder*jede Schüler*in vor acht Uhr aufstehen muss, um für den Unterricht vorbereitet zu sein. In dieser Phase werden auch Tests im Online-Unterricht geschrieben. Lehrer*innen vermitteln hier die identen Inhalte, die sie auch im Präsenzunterricht vermitteln würden.

Wir wünschen uns alle von der Regierung, dass wir unsere Arbeitsaufträge während der Videokonferenz im Unterricht erledigen können, um nicht länger vor dem Laptop zu sitzen. Wir denken auch, dass es besser ist, weniger Online-Konferenzen abzuhalten. Die Regierung sollte auch mitteilen, ob es zu einem dritten Lockdown kommen wird, damit wir uns früher vorbereiten können.

Amina, Danyel, Nancy und Selen

Drei

In diesem Bericht schreiben wir darüber, wie es uns im ersten und im zweiten Lockdown ergangen ist. An unserem Alltag hat sich nicht vieles geändert. Wir gehen selten raus und passen auf, dass wir die Maßnahmen einhalten. Der erste Lockdown war viel schlimmer, weil es strengere Regeln gab. Im Gegensatz zum ersten Lockdown gibt es zwar auch Regeln, aber die Menschen halten sich nicht daran. Wir hatten beim ersten Lockdown viel mehr Stress als im zweiten. Wir wussten nicht, in welcher Lage wir uns befinden. Es war schwer raus zu gehen und unsere Freunde zu treffen. Wegen des Lockdowns sind wir viel mehr zu Hause und haben mehr Kontakt zu den Eltern und Geschwistern.

Im ersten Lockdown kamen wir nicht gut im Unterricht mit, weil uns vieles unklar war. Außerdem war es das erste Mal, dass wir unseren Unterricht von zuhause aus mitverfolgten. Im zweiten Lockdown fällt es uns schon leichter, weil wir schon Erfahrungen sammeln konnten und auch lernten, wie alles in Microsoft Teams geht. Im zweiten Lockdown ist es ebenso strenger als im ersten. Das heißt, wenn wir mal nicht auftauchen, wird die Mitarbeit natürlich schlechter. Der Lockdown I war zum Teil besser, aber auch schlechter. Man konnte sich damals genau einteilen, wann und wie man seine Aufgaben verrichten will, dafür gab es keinen Präsenzunterricht. Im Lockdown II ist es umgekehrt, man hat in fast jedem Fach Präsenzunterricht und kann sich nicht immer alle Aufgaben selbst einteilen.

Unserer Meinung nach ist die Motivation der Lehrer*innen diesmal viel höher. Die Lehrer*innen kennen sich viel besser aus und haben Spaß daran, uns gut online zu unterrichten. Unsere Motivation hat sich seit dem ersten Lockdown positiv verändert. Wir haben gemerkt, dass es ernst wird und dass das Homeschooling unsere Noten beeinflusst. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, stärker mitzuarbeiten, weil wir nicht wollen, dass unsere Noten schlechter werden.

Unsere Wünsche für einen zukünftigen Lockdown sind, dass bei einigen Fächern weniger Aufgaben kommen sollten, weil es manchmal zu viel wird. Die Regierung sollte schlau entscheiden und uns so früh wie möglich mitteilen, ob es einen dritten Lockdown geben wird. Es müssten sich auch die Unterrichtszeiten ändern, weil sie viel zu lange sind und unsere Augen dadurch geschädigt werden, dass wir dauerhaft vor unseren Computer sitzen müssen. Man könnte auch versuchen, eine Art „hybriden Unterricht“ einzuführen. Das würde heißen, dass es z.B. drei Tage Unterricht online gibt und die anderen zwei in der Schule.

Cäcilia, Antonio, Ermal und Zehra

Vier

Der Lockdown I unterscheidet sich nicht sonderlich vom zweiten Lockdown, vor allem was die Schule betrifft, weil die Regelungen aus unserer Sicht gleichgeblieben sind. Unsere Eindrücke haben wir in diesem Bericht diskutiert. 

Im Lockdown fällt es uns leichter aufzustehen, weil wir länger schlafen können. Außerdem können wir uns den Arbeitsplatz aussuchen. Beim Distance-Learning fühlt sich der Tag ab 16:00 Uhr nicht mehr so kurz an. Außerdem ist der Kontakt mit der Familie sehr begrenzt. Das liegt daran, dass wir den ganzen Tag im Zimmer verbringen und diesen Ort so gut wie nie verlassen.

Hier haben wir die Vor- und Nachteile aufgelistet, die sich aus unserer Sicht während der Home-Learning-Phase ergeben haben: 

Vorteile sind, dass wir weniger Hausübungen bekommen, dass wir uns den Weg zur Schule sparen und dass wir dem Unterricht gemütlich aus unserem eigenen Zimmer folgen können.

Nachteile sind, dass wir den ganzen Tag vor unseren Bildschirm sitzen müssen und wir ständig unter Kopfschmerzen, Augenschmerzen oder Nackenschmerzen leiden. Außerdem verlieren wir leichter die Übersicht über die Aufgaben. 

In den ersten Stunden sind die Schüler*innen meistens noch sehr verschlafen und unkonzentriert – das ist aber auch in der Schule der Fall. Viele Schüler*innen sind sich einig, dass man neue Skills erlernt hat und sich gut mit neuen Apps auskennt.  Den Lehrer*innen scheint es im zweiten Lockdown etwas besser zu gehen.

Viele Schüler*innen wünschen sich, dass die etwas unnötigeren Stunden beim Home-Learning weggelassen werden sollten und die Schule generell später beginnen sollte. Außerdem sollte die Regierung die ganze COVID-19 Situation nicht auf die leichte Schulter nehmen, weil doch am Ende des Tages Menschenleben gefährdet werden, wenn die Maßnahmen so locker bleiben.

Sara C., Hanin, Murat und Aldin

Fünf

Der erste Lockdown begann am 16. März 2020. Die meisten Menschen stiegen auf Home-Office um und es wurden strenge Maßnahmen gesetzt. Am 2. November begann der zweite Lockdown mit ähnlichen Maßnahmen. 

Der erste Lockdown kam für jeden sehr überraschend und wir wussten nicht, was alles auf uns zukommen wird. Wir hatten Panik und wussten nicht, wie wir zu agieren haben. Es gab eine Ausgangssperre. Menschen durften ihren Haushalt nur aus bestimmten Gründen verlassen. Die Bevölkerung war mit der Lage überfordert und man wusste nicht, wie es weiter gehen würde. Die Schulen wurden geschlossen und Home-Schooling wurde eingeführt. Im ersten Lockdown gab es keine Besprechungen bzw. keinen Live-Unterricht, außer die Lehrkraft bestand darauf. Es wurden viele Arbeitsaufträge ausgegeben, die wir individuell zu erfüllen hatten. Im November kam es zu einem zweiten Lockdown. Im zweiten Lockdown wusste die Bevölkerung bereits, was auf sie zukommen wird. Man hatte bereits Erfahrungen gesammelt und konnte sich gut organisieren.

Die Vorteile des zweiten Lockdowns sind, dass wir uns jetzt besser auskennen. Wir waren auf den zweiten Lockdown vorbereitet und wussten, was auf uns zukommen wird. Im zweiten Lockdown findet der Unterricht laut Stundenplan statt und wir bekommen trotz der Online-Besprechungen viele Aufträge, die wir erfüllen müssen. Nach dem Schultag sitzen wir noch lange an unseren Aufgaben und sind dann sehr erschöpft, weil wir uns kaum ausruhen können.

Ein Unterschied zum ersten Lockdown ist, dass wir keine Motivation mehr haben, weil wir kaum Freizeitaktivitäten ausüben können.

Die Maßnahmen werden ab dem 7. Dezember gelockert. Die Home-Learning-Phase bleibt für die Oberstufe aufrecht. Laut unserem Direktor werden wir nur zwei Schularbeiten in diesem Semester schreiben. Das stellt eine Erleichterung dar.

Unsere Vorschläge für einen dritten Lockdown wären, dass der Unterricht nicht laut Stundenplan stattfinden sollte, damit wir nicht den ganzen Tag vor dem Computer sitzen. Falls es nicht geht, möchten wir nicht so viele Arbeitsaufträge/Hausübungen bekommen.

Berdan, Fatma, Sara S. und Tamara

Sechs

Jetzt haben wir schon den zweiten Lockdown und es lassen sich viele Unterschiede zeigen.

Den ersten Lockdown haben wir als viel schlimmer in Erinnerung. Erstens dauerte er länger und für alle war die Situation neu und ungewiss. Alle Schüler*innen haben sich mit der Online-Phase sehr schwergetan, weil die Erfahrung mit Teams noch nicht vorhanden war. Doch im jetzigen Lockdown sind alle gut darauf vorbereitet, können besser mitmachen und nehmen die Home-Learning-Phase sowie die Maßnahmen ernster.

Die schulischen Veränderungen sind, dass der Online-Unterricht nach Stundenplan abläuft und dass meistens eine Video-Konferenz stattfindet. Das war im ersten Lockdown nicht der Fall. Ein Vorteil davon ist, dass wir jetzt nicht so viele Arbeitsaufträge bekommen und dadurch nach dem Online-Unterricht Zeit haben, mit unserer Familie zu Hause etwas zu unternehmen.

Das große Problem im März-Lockdown war die fehlende Motivation der Schüler*innen. Das lag vor allem daran, dass keine Fehlstunden gezählt wurden. Außerdem rückte das Schulende näher und viele freuten sich, endlich wieder einen „normalen“ Alltag zu haben.

Außerdem waren die Lehrer*innen im März wegen der vielen zu erstellenden Aufgaben genauso überfordert wie wir. Auch sie waren häufig unwissend im Umgang mit Teams. Diese Unwissenheit teilten wir.

Im Gegensatz dazu ist diesmal die Motivation höher, weil sich alle besser mit den Online-Tools auskennen und sie wissen, wie sie in schweren Zeiten zu handeln haben. Diesmal können wir mit dem Lockdown-Stress und Druck besser umgehen.

Im Falle eines 3. Lockdowns wünschen wir uns, dass im Online-Unterricht mehr selbstständiges Arbeiten erlaubt ist und die Konferenzen wegfallen.

Aylin, Melisa, Kimberley und Michelle

Sieben

Der erste Lockdown begann am 16. März 2020. Er kam unerwartet. Wir wussten nicht wirklich, wie es weiter gehen wird. Wegen einer Ausgangssperre durften Menschen nur aus bestimmten Gründen den Haushalt verlassen. Es gab sehr viele Veränderungen in der Familie, aber auch in den Schulen. Das soziale Leben veränderte sich sehr stark, weil man nicht mehr so viele Freiheiten hatte.

Im ersten Lockdown war man nicht an den Online-Unterricht gewöhnt. Er kam plötzlich und für alle überraschend. Wir mussten alle Bücher nach Hause mitnehmen und uns auf vielen Online-Plattformen registrieren. Wir sollten über Internet verfügen, um am Online-Unterricht teilnehmen zu können. Einen Laptop oder Computer sollten wir auch zur Verfügung haben, um dem Unterricht zu folgen und die Arbeitsaufträge zu erledigen…

Beim zweiten Lockdown waren wir besser vorbereitet.

Im zweiten Lockdown hat sich der Tagesplan nicht stark verändert. Wir müssen laut Stundenplan anwesend sein und haben diesmal daher weniger Arbeitsaufträge. Da wir schon in der Früh wach sein müssen, können wir unsere Arbeitsaufträge früher erledigen und haben dadurch mehr Zeit für unser familiäres Leben.

Ein weiterer Vorteil ist, dass wir uns zuhause nicht so schnell ablenken lassen, wie in der Schule. Ein Nachteil ist aber, dass wir den ganzen Tag vor dem Laptop sitzen müssen.

Im zweiten Lockdown sind wir viel selbstsicherer und selbstbewusster. Wir wissen, wie man in Teams arbeitet. Auch die Stimmung war im ersten Lockdown angespannter. Die Motivation der Lehrer*innen ist jetzt viel besser. Wir denken, dass es daran liegt, dass sie viel organisierter sind. Die Motivation der Schüler*innen ist gleichgeblieben und genauso die Atmosphäre in der Klasse.

Wir sind der Meinung, dass es besser wäre, wenn man weniger Online-Konferenzen hat und man die Aufgaben in den Stunden erledigen kann, damit wir nicht so viele Stunden vor dem Computer sitzen müssen.

Im Falle eines dritten Lockdowns sollte die Regierung alles früher mitteilen, sodass sich die Schüler*innen, aber auch die Lehrer*innen besser darauf vorbereiten können. In den ersten zwei Stunden sind die Schüler*innen noch sehr verschlafen und können sich somit nicht so gut konzentrieren. Unserer Ansicht nach sollte daher der Unterricht erst um 10 Uhr beginnen.

Leonora, Din, Gabriel und Hatidza

Lesezeit: 6 Minuten

Wir haben nicht mehr viel Zeit, oder warum ein Virus das Schulsystem zu Fall bringt

Lockdown 2

Lange habe ich gehofft, dass es in Österreich keinen zweiten Lockdown geben würde.  Als dieser unausweichlich schien, habe ich gehofft, dass zumindest der Unterricht an den Schulen stattfinden könne. Diese, meine letzte Hoffnung, wurde vergangenen Samstag brutal zerstört. Schulen nur für Betreuung offen, alle anderen bleiben zuhause. Distance-Learning, wieder einmal.

Nur Betreuung?

Ich habe mich sehr schnell für die Betreuung der Schüler*innen an der Schule entschieden und zwar täglich bis zum Ende des Lockdowns. Zum einen braucht Betreuung gerade in Krisenzeiten Kontinuität. Jeden Tag von unterschiedlichen Lehrer*innen betreut zu werden, schafft keinen sicheren Rahmen. Zum anderen will ich die Schüler*innen nicht jenen überlassen, die der Überzeugung sind, dass sowieso alle Kinder und Jugendlichen zuhause bleiben sollten.

Viele Fragen beschäftigen mich zu Beginn des zweiten Lockdowns. Wie wird es den Schüler*innen gehen? Medial wurde und wird immer noch betont, wer es zuhause nicht schafft, soll kommen. Wer Unterstützung braucht, soll kommen. Wer zuhause nicht gut aufgehoben ist, soll kommen. Die Kinder, deren Eltern unbedingt arbeiten müssen, sollen kommen.  Zusammenfassung: Wer sich oder seine Eltern als defizitär erlebt, der ist in der Schule besser aufgehoben.

Wie würde es also für die Schüler*innen sein, als Verlierer*in einer Klasse zu sitzen, während die Freund*innen zuhause sind?  Innerlich habe ich mich auf viel Frustration und Traurigkeit eingestellt.  Nicht in der Schule anwesend sein zu müssen, ist, in Zeiten wie diesen, allem Anschein nach ein Privileg, fällt mir spontan ein. Wer es sich leisten kann, bleibt zuhause. Wo Eltern unterstützen können, ist Distance-Learning okay. Wenn Eltern das nicht können, Pech gehabt. Letzter kleiner Hoffnungsschimmer: das Kind ist gut selbst organisiert. Doof nur, dass diese Kompetenz im Jahr 2020 noch immer eine Art Fremdkörper in unserem Bildungssystem ist. Seit unendlich vielen Jahrzehnten besteht der Unterricht doch hauptsächlich aus „Lehrer*in sagt, Schüler*in führt aus“.

Einschub 1

Es erschließt sich mir noch immer nicht, warum wir nicht sofort ab Schulbeginn im Unterricht komplett neue Wege gegangen sind. Warum haben wir nicht schon im Herbst alles umgekrempelt und damit begonnen, die Schüler*innen in ihrer Eigenständigkeit zu bestärken? Warum gibt es nicht schon seit Schulbeginn 20/21 Arbeitspläne? Häufigste Antwort der Kolleg*innen, die Kinder können das nicht. Ja, vielleicht die im Gymnasium, aber unsere? Nie im Leben! Ja, es gibt einen tatsächlichen Zusammenhang zwischen „einem Kind etwas zutrauen“ und dem, was sich ein Kind zutraut. Oder anders ausgedrückt, halte ich ein Kind für dumm, wird es sich über diesen, meinen Erwartungshorizont, nicht herausentwickeln.

Einschub Ende

Arbeitspläne

Einzelplätze und Maskenpflicht für alle ist die einzige Grundregel, die ich aufgestellt habe. Im Laufe der Woche werde ich erkennen, dass Einzelplätze viel mehr als eine Vorsichtsmaßnahme sind. Endlich haben alle genug Platz, um in Ruhe arbeiten zu können.

Gut, da sitzen sie nun vor mir. Sehr ruhig, sehr schüchtern. Um ja nichts falsch zu machen, haben die meisten Schüler*innen all ihre Schulsachen mitgenommen. Die Schultaschen wiegen gefühlt eine Tonne. Gleich zu Beginn legen alle ihre Arbeitspläne auf den Tisch. Ich schaue kurz durch. Wow, ziemlich umfangreich, denke mich mir. Als Kind hätte mich bei der Menge an Aufgabenstellungen vermutlich der Mut verlassen.  Ähnlich wie im ersten Lockdown beschleicht mich der Verdacht, dass sich keine*r meiner Kolleg*innen nachsagen lassen möchte, man würde den Kindern und Jugendlichen zu wenig abverlangen, würde etwas schleifen lassen.  Meine Verwunderung wird auch nicht kleiner, als ich die Chance bekomme, die einzelnen Aufträge genauer durchzusehen. In Biologie soll sich Merve zwei Seiten im Biologiebuch durchlesen, das Wichtigste unterstreichen. Danach muss sie eine kurze Zusammenfassung ins Biologie-Heft schreiben. Am Schluss gibt es dann im Arbeitsbuch noch zwei Seiten, die ausgefüllt werden müssen. Überthema: die Säugetiere. Merve arbeitet still vor sich hin. Sie liest die Seiten, blickt hin und wieder verloren zu mir und liest weiter. Dann nimmt sie einen Bleistift und beginnt zu unterstreichen. Wieder sucht sie meinen Blick. Sie kennt mich nicht, hat also auch sichtlich Hemmungen aufzuzeigen. Da wir insgesamt drei Kolleg*innen sind, die an diesem Tag vor Ort sind, setzte ich mich zu ihr. Ich frage nach, ob sie denn verstanden hat, was sie gelesen hat. „Nicht wirklich,“ flüstert sie. Es ist ihr unangenehm, das spüre ich. Ich überfliege die kleinbedruckten Seiten und drifte kurz ab.

Einschub 2

Eine Biologiestunde aus meiner Zeit in der ersten AHS fällt mir ein. Ich glaube es war die sechste Stunde. Ich muss aufstehen und eine Stundenwiederholung machen. Würde ich auch gerne, nur es ist nichts hängengeblieben. Die Ente ist das Thema. Klar, ich kannte schon damals Enten, aber mir fiel nichts ein, gar nichts. „Du wirst ja wissen, wie viele Beine eine Ente hat,“ herrscht mich die Lehrerin an. Klar weiß ich das. Blöd ist nur in diesem Zusammenhang, dass eine Klassenkolleg*in mir von hinten „vier“ einflüstert. In meiner totalen Verunsicherung und Angst, bin ich nicht mehr fähig, in mein Wissen zu vertrauen. Also plappere ich brav nach, dass dieses Tier auf vier Beinen die Welt erkundet.

Einschub Ende

Heute kann ich mir gut vorstellen, welche Katastrophe meine Antwort im Lehrer*innenzimmer ausgelöst hat. Genau deshalb spüre ich Merve so gut. Sie weiß vielleicht ein bisschen etwas über Katzen, aber weil sie sich defizitär fühlt, will sie nicht zugeben, dass sie nicht versteht, was sie liest. Also lesen wir die zwei Seiten noch einmal, ganz genau.

Nach zweieinhalb Stunden sind wir mit den zwei Seiten fertig. Weil die Chance da war, Merve das ganz genau zu erklären, füllt sie selbständig und richtig den Arbeitsteil aus. Sie ist gefühlte zehn Zentimeter gewachsen.

Für Mustafa organisiere ich einen Globus. Mit Hilfe der Taschenlampe finden wir heraus, wie das nun so ist, mit den Jahreszeiten. Mehr als eine Stunde sitze ich bei ihm. Mustafa liebt Geografie und freut sich enorm, dass auch er nach dem Einzelgespräch fehlerfrei arbeiten kann.

Eine Kollegin holt aus dem Physiksaal unterschiedliche Gewichte. Ein Schüler soll die Massenmaße umwandeln. Und anstatt eine Tabelle auszufüllen, darf Elias alle Gewichte angreifen und vergleichen. Zwanzig Dekagramm können ja gar nicht zwanzig Kilo sein, kommen einige andere im Laufe dieser Woche drauf.

Zehn Schüler*innen unterschiedlichen Alters, mit unterschiedlichen Anforderungen und drei Lehrer*innen, die sie begleiten. Das könnte doch die Schule der Zukunft sein.

Einschub 3

Wie wäre das alles im sogenannten normalen Unterricht abgelaufen? Wenn eben nicht genug Zeit für jedes einzelne Kind ist? Wo sich alle, ob sie nun Interesse haben oder nicht, dem gleichen Thema widmen müssen? Wie hätten Merve, Mustafa und die anderen profitiert? Mustafa sagt von sich aus, dass er eben von seinem Sitznachbarn abgeschrieben oder darauf gewartet hätte, dass die Lehrerin die Lösungen an die Tafel schreibt. Und dass er nicht am nächsten Tag zu ihr gegangen wäre, weil er das mit der Sonne und der Erde nochmals erklärt haben wollte.

Einschub Ende

Um halb elf dürfen drei Schüler*innen mit Yogamatten auf den Gang. Ein Kollege bietet eine tägliche Bewegungseinheit via Youtube an.  Sie wollen sich bewegen, haben Lust mitzumachen. 

In der letzten Stunde gibt es die Möglichkeit zu zeichnen, zu lesen, zu spielen oder auch nur zu plaudern. Wir spielen mit den Kindern, sie lieben es.  Elisabeth blendet sich aus. Warum sie nicht mitmacht, frage ich sie. Sie möchte unbedingt noch Deutsch fertigmachen, ist ihre Antwort.

Alle wollen sie am Montag wiederkommen. Unbedingt, und ob das dann wieder so wie diese Woche sein wird? Ob ich eh dabei sein werde? Und, ob sie dann auch wieder am Gang turnen dürfen?

Geile Woche“, ruft mir ein Schüler hinterher, der sonst nicht so gerne in der Schule ist.

Corona fährt das Schulsystem gegen die Wand

Mehr denn je ist mir am Ende der Woche bewusst, dass Corona das Schulsystem zu Fall bringt. Noch nie wurden Schwachstellen so deutlich aufgezeigt. Dieses System, an dem wir seit vielen Jahrzehnten festhalten, ist nicht krisentauglich. Es unterstützt nur jene, die bildungsnahe Eltern, genügend finanzielle Ressourcen haben, und die anpassungsfähig sind. Kein Platz in diesem System ist für Kinder und Jugendliche aus prekären Verhältnissen, für Systemsprenger und solche aus bildungsfernen Elternhäusern. Denen legt das System Schule jede Menge Steine in den Weg. Sie müssen ständig um Dinge bitten, die selbstverständlich sein sollten.

Bitte, ich brauche einen Laptop! Bitte, ich brauche Unterstützung! Bitte, ich brauche Aufmerksamkeit! Bitte, ich brauche Betreuung!

Damit all das auch gewährt wird, muss die Anpassungsfähigkeit noch höher sein. Ein bisschen Demut kann man schon erwarten, wenn man einen gratis Laptop und die Möglichkeit, trotz Lockdowns in der Schule zu sein, bekommt. Man muss fleißig, interessiert und ordentlich sein. Und dann braucht man noch Eltern, die sich ebenso verhalten.  Schlussendlich darf es diesen Kindern und Jugendlichen in Krisenzeiten nicht schlecht gehen. Sie dürfen nicht durchhängen und müssen noch mehr leisten als andere. 

Die gute Nachricht ist, dass Schüler*innen dieser Art immer mehr werden. Damit steigt auch meine Hoffnung, dass sie gemeinsam mit ihren Eltern und Lehrer*innen auf die Barrikaden gehen.  Denn die Krise ist auch dann nicht vorbei, wenn es eine Impfung gegen das Virus geben wird. Denn Gräben, die sich in diesem Jahr aufgetan haben, sind nicht damit zu schließen, dass wir wortlos zum altgewohnten Trott zurückkehren. Die Furchen und Rillen können nur geschlossen werden, wenn wir endlich anfangen, das Bildungssystem zu erneuern. Wir alle können unseren Beitrag leisten.  Abkehr von der Diktatur des Lehrplans, der vermeintlichen Kompetenzraster und der Erwartungshaltung der Wirtschaft. Wir haben nicht mehr viel Zeit, also fangen wir damit an.

Die Autorin ist Lehrerin an einer Mittelschule in Wien.

Lesezeit: 6 Minuten

Alice*: Da die Schüler*innen aus meiner Klasse das System mit dem wir arbeiten bereits gut kannten, war es weniger chaotisch als erwartet. Die meisten Schüler*innen waren trotzdem am Montag sehr aufgeregt und überfordert – vor allem wegen der technischen Herausforderungen bzw. fehlender technischer Unterstützung zuhause. Laptops, gute Internetverbindung bzw. ruhige Arbeitsplätze sind weiterhin oft nicht vorhanden! Nach einem anfänglichen “Frau Lehrerin, warum müssen wir immer so früh aufstehen?”-Jammern, habe ich seit Tag 1 eine Anwesenheit von 90% in den Video-Calls und die meisten Kids sind froh, dass es weiterhin eine Struktur gibt bzw. die gewohnte Routine aufrecht bleibt (früh aufstehen, 1. Videocall, nach Stundenplan die Aufgaben erledigen, Fragestunde,…). Heutiges Feedback von einem Schüler: “Ich habe gedacht dieses ganze Online-Ding wird ur schwierig, aber ist eh ur leicht, Frau Lehrerin.”

Pia: Unsere Schüler*innen wurden bereits in den letzten Wochen auf den heutigen Tag eingestimmt. Sie wissen, wo sie die Aufgaben finden und wie sie am Online-Unterricht teilnehmen. Im Videounterricht heute haben wir einander freudig begrüßt, bis auf ein paar Ausnahmen waren alle online. Ein Teil der Schüler*innen war sogar schon 15 Minuten früher online. Sie waren voller Vorfreude und sagten: „Ich wollte nur sicher gehen, dass es funktioniert.“ Das hat es! Die Hälfte der Klasse hat schon jetzt die Hausübung abgegeben und das obwohl sie bis 16 Uhr Zeit haben. Einige haben vorgearbeitet und die Aufgaben in Mathematik für heute und morgen schon gemacht.

Fabian: Die Stimmung ist entspannt, sowohl bei den Lehrer*innen als auch bei den Schüler*innen. Diesmal hat man sich etwas auf den Lockdown vorbereiten können. So wurden z.B. manche Themen, die sich für das Distance Learning eignen zurückgehalten, damit sie dann jetzt als Thema gegeben werden (z. B. die Freiarbeit, die sich für das Selbststudium hervorragend eignet). Auch bei den Schüler*innen ist eine Routine erkennbar, auch weil zuvor schon im Regelunterricht mit Moodle gearbeitet wurde. Sie arbeiten die einzelnen Punkte auf ihrer Liste ab, die der Klassenvorstand und die Klassenbetreuerin erstellt haben. Wir haben 25 Laptops und 25 Tablets zum Ausborgen gehabt, davon sind noch 2 Laptops und 16 Tablets übrig. Die Endgeräte waren an unserer Schule aber im Frühjahr schon kein großes Problem. 

Laura und Barbara: Die Kinder sind diesmal klarerweise weniger aufgeregt, selbstständiger und routinierter. Sie kennen die Abläufe und es gibt kaum technische Hürden mehr. Gleichzeitig haben wir aber auch den Eindruck, dass sie etwas schwieriger zu motivieren sind als im 1. Lockdown, in dem noch alles irgendwie “aufregend und neu” war. Wir erleben allerdings auch, dass Schüler*innen sich und ihre Arbeitsweise zunehmend besser einschätzen. So haben sich bereits am 2. Lockdown-Tag einige freiwillig für die Betreuung angemeldet. Da sich viele mit mehreren Geschwistern und Familienangehörigen verhältnismäßig wenig Wohnraum teilen, genießen sie in der Schule die ruhige und geordnete Arbeitsatmosphäre und die Möglichkeit, Unterstützung zu erhalten.

Dominik: Nach wie vor haben nicht alle Schüler*innen die notwendigen Geräte, immerhin sind diese Woche einige eingetroffen,die jetzt dort zum Einsatz kommen, wo sie am dringendsten benötigt werden. Eine Herausforderung ist weiterhin, die Motivation der Schüler*innen zu stärken und jene mitzunehmen, die mit beengten Wohnverhältnissen oder fehlender Ruhe zu kämpfen haben.

Lukas: Die Kinder sind großteils gut vorbereitet, einen Online-Unterricht zu überstehen, ja, teilweise sogar davon zu profitieren. So halbwegs. Vermutlich. Immerhin sind sie im Umgang mit dem bereits erwähnten MS Teams in den letzten Monaten von einem Teil der Kolleg*innenschaft vertraut gemacht worden. Nur unsere Erstklässler kommunizieren über zwischengeschaltete Erziehungsberechtigte via Schoolfox. Aber auch das geht so halbwegs. Die Motivation der Kinder ist – noch – gut, vor allem deswegen, da drei Wochen ein absehbarer Zeitraum sind. Das Motto bei Klein und Groß lautet momentan „Des biag ma scho ummi„. Waldviertlerisch sollte man in Wien ja auch verstehen. Ich übersetze es also nicht.

Johannes: Ich habe auch das Gefühl, dass die Schüler*innen diesmal insgesamt besser mit der Situation umgehen. Schon alleine das (hoffentlich haltbare) klar vorbestimmte Ende des Lockdowns macht die Sache für die Schüler*innen, aber auch für Lehrer*innen deutlich leichter. Auch haben die Kinder den ganzen Herbst über selbst mit der Möglichkeit eines zweiten Lockdowns gerechnet, immer wieder gefragt, ob es jetzt soweit ist. Manche Kinder haben sich sogar darüber gefreut, jetzt wieder knappe drei Wochen von zu Hause aus arbeiten zu können, manche waren eher traurig darüber und haben sich eher davor gefürchtet. Als erstes Fazit nach einer Woche erlebe ich vor allem die täglichen Online-Unterrichtseinheiten als sehr angenehm und ich habe auch das Gefühl, dass es den Kindern hilft und ihnen guttut, diesen täglichen Austausch zu haben. Die technische Ausstattung und der Umgang damit ist diesmal (fast) gar kein Thema mehr. Manko bleibt aber trotz der deutlich besseren Voraussetzungen die Probleme mancher Schüler*innen mit dem selbstständigen Arbeiten zu Hause, oft ohne Unterstützung von Eltern oder älteren Geschwistern. Viele scheitern teilweise immer noch daran. Diese Schüler*innen und deren Eltern fordern wir dieses Mal jedoch sehr aktiv dazu auf, die Betreuungsmöglichkeit in der Schule wahrzunehmen. 

Susanne: Am Dienstag war ich noch ein bisschen in Sorge, wie denn die Betreuung klappen sollte. Unterschiedliche Altersgruppen und Schulstufen, und die damit verbundenen unterschiedlich Aufgabenstellungen. Sicher eine besondere Herausforderung. Heute, nach fast einer Woche, stelle ich zu meiner großen Freude fest, dass meine Befürchtungen unbegründet waren. Alle waren die ganze Woche gerne in der Schule, hatten nicht das Gefühl, dass sie deshalb in irgendeiner Form defizitär wären. Im Gegenteil, sie freuen sich auf Montag. Den Lockdown selbst empfinden die meisten als einen groben Einschnitt. Freund*innen treffen, draußen Fußball spielen, ins Kino gehen, das fehlt ihnen am meisten. Und sie machen sich Sorgen, ziemlich erwachsene Sorgen. Sie haben Angst vor dem Virus, und dass ihre Eltern ihre Jobs verlieren könnten. Eine Schülerin hat mir erzählt, dass der Frisörsalon ihrer Mutter jetzt pleite ist. Dass sie richtig sparen müssen. Auch deshalb ist sie in der Schule, alles besser als zuhause zu sein. „Aber,“ hat sie mir versichert, „ich spare jetzt richtig. Ich brauche keine neuen Sachen. Ich glaube ich wachse eh nicht mehr.“  Das Schlimmste war, ich konnte sie nicht einmal in den Arm nehmen. Mein Fazit: Lernen und Lehren braucht Nähe zu den Schüler*innen. Schüler*innen und Lehrer*innen brauchen sich gegenseitig, und zwar am selben Ort.

Reza: Nachdem unser Distance Learning mit dem Terroranschlag zusammenfiel, drehten sich die ersten Tage vor allem um die Aufarbeitung des Attentats und der persönlichen und kollektiven Care-Arbeit. In den darauffolgenden Tagen spielte sich der Online-Unterricht überraschend schnell ein. Das liegt daran, dass wir an unserer Schule das große Privileg einer guten EDV-Infrastruktur genießen. Zumindest im Vergleich zu vielen anderen Schulen. Daher verfügen die Schüler*innen über ein gutes technisches Know-how und es blieben nennenswerte technische Schwierigkeiten aus. Vielmehr galt es zu Beginn des Lockdowns, einige Schüler*innen an den Online-Unterricht nach Stundenplan zu erinnern. Hier tendierten einige zum Fernbleiben bzw. dachten, dass es wie im Frühjahr gestaltet werden würde (Arbeitsaufträge gemäß den Wochenstunden). Insgesamt zeigten die Rückmeldungen der Schüler*innen eine große Akzeptanz des Home-Schoolings. Auch gegenüber den neuen Formaten. Dieses führe, so viele Schüler*innen, dazu, dass die meisten Lehrer*innen eher zu angemessenen Aufgabenstellungen betreffend die Zeit und den Umfang neigen. Ansonsten schwanken die Gemüter zwischen Humor und Resignation. Je nach Wochentag oder Tageszeit. Ein Schüler meinte unlängst, die Schulleistung würde besser, das soziale Leben schlechter. Zu den größten Hürden des Lockdowns dürften daher die Einschränkungen im sozialen Nahbereich sowie die unterbundene Kontaktpflege gehören. Wenig überraschend.

Lena: Die Reaktionen der Schüler*innen letzten Montag vor dem Lockdown waren sehr unterschiedlich. Einige waren sehr froh, sich dem Risiko, Corona zu bekommen, nicht mehr aussetzen zu müssen und andere hatten Angst, zuhause wieder nicht arbeiten zu können. Bis auf die ersten Klassen, bei denen es teilweise noch Probleme gab, waren aber alle Schüler*innen mit Teams ausgerüstet und wussten durch viel Üben und etliche „geprobte“ Online-Stunden, wie’s funktionieren wird. Dass der Stundenplan so weitergeführt wird und sie trotzdem einen geregelten Tagesablauf haben, beruhigt sie denke ich auch sehr. Vor allem die 3. und 4.-Klässler, die größtenteils auch den letzten Lockdown bravourös gemeistert haben, gingen am Montag sehr „gechillt“ nach Hause. Ein Schüler aus der 4. Klasse hat sich sogar mit „Happy Lockdown, bis in 3 Wochen!“ verabschiedet. Die ersten Klassen waren eher verunsichert, je öfter wir uns aber online treffen und sie merken, dass sie nicht alleine gelassen werden, umso erleichterter und glücklicher wirken sie. 

Sophia: „Juhuu, Coronaferien!“ Eine Aussage, die ich beim ersten Lockdown doch öfter gehört habe. Bei der zweiten Schließung hörte ich diesen Satz jedoch nicht ein einziges Mal. Die Schüler*innen hatten schon eine Ahnung, was auf sie zukommen wird und wussten bereits, dass das nichts mit Ferien zu tun hatte. In unseren Reflexionen nach der ersten Lockdownwoche schrieben sie Aussagen auf wie:

Lockdown ist? Doof. Es ist besser in der Schule.

In der Schule lernen wir mehr.

Ich hasse es, meine Freunde nicht zu sehen.

Wir haben zwar viel dazugelernt, aber ich fühle mich so eingeschränkt, ich möchte wieder raus und in die Schule gehen.

Aber, sie freuen sich durchwegs, endlich ein wenig länger schlafen zu können, die ersten Live Sessions beginnen erst um 8 :)

*Alle Namen von der Redaktion geändert.

Alice unterrichtet an einer Mittelschule in Wien.

Pia unterrichtet an einer Mittelschule in Wien.

Fabian unterrichtet an einer AHS-Unterstufe in Wien.

Laura und Barbara unterrichten an einer Mittelschule in Wien.

Dominik unterrichtet an einer Mittelschule in Niederösterreich.

Lukas unterrichtet an einer Mittelschule in Niederösterreich.

Johannes unterrichtet an einer Mittelschule in Wien.

Susanne unterrichtet an einer Mittelschule in Wien.

Reza unterrichtet an einer BHAK in Wien.

Lena unterrichtet an einer Mittelschule in Wien.

Sophia unterrichtet an einer Mittelschule in Wien.

Lesezeit: 7 Minuten

Ein knappes halbes Jahr ist seit Ende des ersten Lockdowns vergangen. Damals im März wurden wir in allen Lebensbereichen überrumpelt. Auch in der Schule fehlte es an vielem: Vorbereitungszeit, technischer Ausstattung und Know-How. Es war für alle Beteiligten ein Sprung ins kalte Wasser. Anders als damals, kam der zweite Lockdown und die damit einhergehenden Schulschließungen für die meisten nicht wirklich überraschend. Doch was haben Schulen und Lehrkräfte wirklich dazugelernt, wie wurden Kinder auf das Homeschooling vorbereitet, welche Baustellen bestehen nach wie vor und wie steht es um die Arbeitsmotivation im 2. Lockdown? Wir haben uns unter Lehrkräften umgehört. So viel können wir schon verraten: Wieder ist das Gelingen vor allem dem Einsatz einzelner Lehrkräfte und Schulleitungen zu verdanken, strukturelle Unterstützung “von oben” gibt es nach wie vor kaum. 

Was unterscheidet für dich den zweiten vom ersten Lockdown? Was hat deine Schule aus dem ersten Lockdown gelernt?

Alice*: Seit dem 1. Lockdown wurde bei uns an der Schule viel umgestellt. Wir hatten dank des letzten Lockdowns endlich einen Digitalisierungsschub an der Schule und jede Klasse hat jeweils drei Laptops und einen Beamer erhalten. Zusätzlich haben wir uns auf eine E-Learning-Plattform einheitlich geeinigt – alle (sollten) Google Classroom verwenden. Jede*r Schüler*in  hat zu Schulanfang auch eine eigene Schul-Emailadresse erhalten. Während einige Lehrer*innen ab Schulanfang die meisten Hausübungen, Aufgaben und Benotungen nur noch über Google Classroom gemacht haben, wurden andere von diesem 2. Lockdown komplett überrascht und sind seit Montag gerade erst dabei den Kindern (und sich selbst) beizubringen wie man sich jetzt eigentlich anmeldet. Hier hätte meiner Meinung nach die Direktion mehr dahinter sein müssen! In meiner Klasse haben wir in allen Fächern alle Aufgaben und Benotungen seit Schulanfang nur noch über Classroom gemacht, sowie auch die Abgabe der Hausübungen online ermöglicht. Für meine Kinder ändert sich die Arbeitsweise nicht, sondern nur noch, dass die Input- und Fragestunden online stattfinden. Die meisten andere Routinen, sowie Arbeitsweisen wie Wochenpläne, können weitergeführt werden wie bisher. Es gibt bei uns einen täglichen Login um 9 Uhr in einem Videocall, wo sich alle Schüler*innen einloggen und der Tagesplan besprochen wird. Zusätzlich gibt es Check-in Stunden in allen Fächern, wo die jeweiligen Fachlehrer*innen für Fragen online immer zur Verfügung stehen.

Pia: Der Lockdown 2 war sehr gut vorbereitet an unserer Schule. Bereits zu Schulbeginn haben wir uns für die Lernplattform entschieden, die digitale Kommunikation für die Eltern eingerichtet und etabliert.In den letzten zwei Wochen liefen meine Aufgabenstellungen, Abgaben und Korrekturen online ab. Die Schüler*innen konnten sich an die Form der Zusammenarbeit gewöhnen und Probleme haben wir vorab gelöst.In meinen Klassen richteten wir bereits im ersten Lockdown vor Ostern eine Lernplattform und Videounterricht ein, jedoch war es sehr kompliziert die individuellen technischen Probleme, das Kennenlernen und das Verständnis für die Technik von zu Hause aus zu lösen. Beim ersten Lockdown haben wir für die Schüler*innen ohne Endgerät Handys organisiert. Diesmal sind die Schüler*innen schon besser vorbereitet und nur wenige brauchen ein zusätzliches Endgerät. Die gesamte Schule arbeitet jetzt über eine Plattform, das macht es Kolleg*innen, die in allen Stufen arbeiten, leicht. Unsere Direktorin hat den finanziellen Schritt gewagt, Endgeräte für alle Kolleg*innen, die eines benötigen, zu besorgen und das trotz der geringen finanziellen Mittel.

Fabian: Was auffällt ist, dass alle Schüler*innen nun auf einer Plattform (Moodle) Zugänge haben und eingeschult sind, weil dies schon vorab im Unterricht eingeübt wurde. Es gibt Klassenkurse, von denen die einzelnen Fachkurse zu erreichen sind und zudem die Videostunden koordiniert, sowie Streaminglinks angelegt sind. Zudem haben die Schüler*innen dort einen Überblick, was bis wann in welchem Fach zu erledigen ist. Die Kommunikation läuft auch über Moodle. Da alle auch die App am Handy haben, können die Lehrfilme direkt dort angeschaut werden und die Arbeitszeit am Computer und Laptop somit verringert werden, dies war ja im 1. Lockdown auch eine Engstelle. Auch die Lehrer*innen sind organisierter mit Moodle, zu dem jede*r zuvor eine Einschulung erhalten hatte. Zudem wurde jede zweite Klasse mit WebCams ausgestattet, sodass ein Unterrichts-Live-Streaming möglich ist. Die Hauptgegenstände müssen mindestens einmal pro Woche eine Onlinestunde anbieten, die Nebengegenstände können dies tun. Das aufgestockte vierköpfige IT-Team unterstützt dabei kompetent die anderen Lehrer*innen. 

Laura und Barbara: Nach dem Ende des letzten Lockdowns war bei einigen Lehrer*innen unserer Schule die Motivation den Unterricht generell digitaler zu gestalten groß. Doch sehr schnell hat sich wieder die althergebrachte analoge Routine eingeschlichen. Eine schulinterne Lehrer*innenfortbildung zum Programm MS Teams vor einigen Wochen hat einigen diesen Vorsatz wieder in Erinnerung gerufen. Im Unterschied zum ersten Lockdown sind viele Lehrer*innen-Teams diesmal strukturierter und besser vernetzt. Es wird nun auch darauf geachtet, den Gesamtaufwand der Schüler*innen im Blick zu behalten, indem sich die einzelnen Fachlehrer*innen besser austauschen. Außerdem löst MS Teams schrittweise die Kommunikation via WhatsApp ab. Während wir für unsere Klasse im 1. Lockdown tägliche Zoom-Unterrichtsstunden gehalten haben, haben wir uns dieses Mal dafür entschieden, die Möglichkeit der “Lerngruppen” vor Ort zu nutzen. In Kleinstgruppen kommt nun jedes Kind einmal pro Woche für drei Stunden (Englisch, Mathematik und Deutsch) in die Schule. Einerseits ist das für die Kinder eine willkommene Abwechslung und andererseits stellen wir fest, dass der Lerneffekt und die Nachhaltigkeit  einer Stunde realen Unterrichts wesentlich größer ist als online. Für die übrigen Schultage haben die Kinder einen Arbeitsplan, der Aufgaben für alle Fächer enthält, die innerhalb einer Woche abgegeben werden müssen. 

Dominik: Im Vergleich zum Frühjahr ging unsere Schule fast entspannt in den Lockdown. Einige Lehrer*innen nutzten die Zeit seit Schulbeginn, um die Google Suite for Education (und damit Google Classroom, einheitliche Email-Adressen für die Schüler*innen, Chat-Funktionen, etc.) und SchoolFox für die digitale Kommunikation mit den Eltern zu ermöglichen. Die Kolleg*innen wurden bereits im Vorfeld eingeschult, erstellen nun eigenständig Aufgaben über Google Classroom oder halten ihre Stunden zum Teil mit großer Begeisterung online ab.

Lukas: Der primäre Unterschied zum ersten Lockdown im März besteht an unserer kleinen, feinen Landschule (der nördlichsten Mittelschule Österreichs) darin, dass sich auch die letzten Arbeitsblattfanatiker*innen mittlerweile tränennassen Auges – und sich leise seufzend in Resignation hüllend – mit der ausschließlich digitalen Kommunikation zwischen ihrer (Lehr-)Person und den Schüler*innen abgefunden haben. Als neues Selbstverwirklichungsfeld wurde nun die Videokonferenz via MS Teams entdeckt. Dass diese Vorliebe allerdings zu Spitzenzeiten die Internetverbindung unserer Schule (in der allerdings ohnehin nur etwa 15 Prozent der Kinder anwesend sind) zum Schwächeln oder kompletten Erliegen bringt, sei hier lediglich als Randnotiz vermerkt.

Johannes: Im Vergleich zu Lockdown 1 waren wir diesmal einfach viel besser vorbereitet. Im Prinzip haben wir unsere Kinder schon seit September auf diesen Fall vorbereitet. Im September ist unsere ganze Jahrgangsstufe mit Laptops ausgestattet worden und wir sind darauf übergegangen, Hausaufgaben digital zu verschicken und anzunehmen. Auch im Unterricht haben wir die Laptops der Kinder verstärkt eingesetzt. Deshalb waren die ganzen technischen Schwierigkeiten oder unzulängliche Ausstattung (mit Ausnahme WLAN!) diesmal kein Thema. Dazu haben wir mit den Kindern schon sehr früh besprochen, dass, sollte ein zweiter Lockdown kommen, sie nach Stundenplan arbeiten müssen. Wir schauen diesmal sehr genau darauf, dass die Kinder wirklich schon ab 8 Uhr an ihren Geräten arbeiten. Mathe, Deutsch und Englisch unterrichten wir jeweils viermal die Woche/Klasse online, wobei für alle Anwesenheitspflicht gilt. Die Aufgaben in den Nebenfächern sollen sie nach Möglichkeit auch in den nach Stundenplan dafür vorgesehenen Stunden erledigen. 

Susanne: Ich habe mich beim 2. Lockdown bewusst für die Betreuung an der Schule entschieden. Ich verbringe die Zeit mit den Schüler*innen, die spätestens seit dem ersten Lockdown wissen, dass es ihnen vor Ort besser geht. Manche wären den ganzen Tag alleine zuhause, weil ihre Eltern arbeiten müssen. Andere brauchen unsere Unterstützung und ein paar wenige sind auf Empfehlung ihrer Lehrer*innen da. Seit Dienstag waren immer zwischen 20 und 30 Schüler*innen anwesend. Deutlich mehr als im Frühjahr, wo maximal 10 Schüler*innen zur gleichen Zeit in der Schule waren. Wobei damals, zumindest am Anfang des Lockdowns, nur jene Schüler*innen kommen sollten, deren Eltern in sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiten. Im 1. Lockdown habe ich die Schüler*innen nahezu ausschließlich von zuhause betreut. Klar, ich habe viele von ihnen erreicht. Dennoch hatte ich das Gefühl unendlich weit weg von der Schule zu sein. 

Reza: Das Schuljahr startete bei uns schon mit der Vorkehrung für ein erneutes Distance Learning. So wurde geschaut, dass sich alle (neuen) Schüler*innen mit Microsoft Teams vertraut machen und über entsprechende Gerätschaften wie Kameras oder Mikrofone verfügen. Darüber hinaus wurde versucht, Leihgeräte für jene zu organisieren bzw. zu beschaffen, die zu Hause über gar keine bzw. zu wenige verfügten. Und vor den Herbstferien waren alle aufgefordert, ihre Schul- bzw. Arbeitssachen mitzunehmen. Denn die Möglichkeit eines erneuten Lockdowns wurde greifbar. Nach den Herbstferien setzte in allen Oberstufen das Home-Learning ein. Im Vergleich zum ersten Mal mache ich zwei Unterschiede fest. Erstens: Lag im Frühjahr die Wahl der Plattform bei den Lehrer*innen, müssen diesmal alle mit Teams arbeiten. Hier fand somit eine Vereinheitlichung statt. Die, wie alles, Vor- und Nachteile besitzt. Ich persönlich arbeite in weiten Teilen sehr gerne mit Teams und würde allein bei den Telefonkonferenzen gerne auf Zoom ausweichen. Zweitens: Richteten sich im Frühjahr die Aufgaben an die Wochenstunden, aber nicht selbst an den Stundenplan, müssen wir diesmal minutiös nach diesem unseren online Unterricht halten. Der Vorteil: Es wird ein enger Kontakt mit den Schüler*innen gepflegt und sie erhalten eine Tagesstruktur. Mich persönlich beschäftigt am meisten die Raumsituation vieler meiner Schüler*innen. Gerade in den Telefonkonferenzen höre ich alltäglich, dass viele keinen Rückzugsort haben, wo sie in Ruhe und im Privaten arbeiten können. Umso perfider klingt die Anmerkung des Bildungsministers, mensch solle Spiel- und Arbeitsbereich trennen, in meinen Ohren. Zu guter Letzt ist im Austausch mit den Kolleg*innen zu bemerken, dass vor allem die mangelnde Information der Regierung sowie der nicht vorhandene Mut seitens des Bildungsministeriums, innovative und neue Ideen/Projekte/Unterrichtsformen/Räume etc. auszuprobieren, zur Weißglut treibt! Eine Pressekonferenz reiht die nächste, doch die Informationen und Lösungsansätze gehen über reinen Populismus nicht hinaus. Dabei gäbe es so viele kluge und gute Alternativen! Dazu müsste mensch aber zuhören wollen.

Lena: Man hat durchaus gemerkt, dass wir auf diesen Lockdown besser vorbereitet waren, als auf den letzten. Obwohl es für Landesschulen in Wien noch immer nicht flächendeckend Endgeräte für die Schüler*innen gibt und das in unserer Brennpunktschule ein relativ großes Problem ist, konnten wir zumindest am Sonntag noch Laptops für die Schüler*innen bestellen, die gar keinen anderen Zugang zu Internet haben. Diese wurden dann gleich am Montag geliefert und konnten von den betroffenen Schüler*innen mit nach Hause genommen werden. Dadurch, dass diesmal oft betont – und so auch von den Medien kommuniziert wurde -, dass die Schulen diesmal „wirklich offen“ hätten, herrscht auch weniger Druck auf den Schüler*innen und uns, weil wir wissen, wenn es ihnen zuhause schwer fällt zu arbeiten, können sie jederzeit problemlos in die Schule kommen und werden dort unterstützt. Die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen der Betreuung in der Schule und den Lehrer*innen, die von zuhause via Videokonferenz unterrichten, ist dieses Mal auf jeden Fall besser. 

Sophia: Der erste Lockdown kam sehr überraschend und ohne jegliche Vorbereitung. Wir starteten in unserem Jahrgang mit Google Classroom, was wir während der Osterferien auf unsere gesamte Schule ausweiteten. Bereits seit des Schulstarts im September führt jede Klasse alle Aufgaben auch auf Google Classroom, die Schüler*innen mussten somit täglich damit arbeiten und brauchten keine Einführung/Erklärung mehr. Nächste Woche holen wir jene Schüler*innen in die Schule, die zu Hause die Aufgaben nicht (gut) bewältigen können, um sie zusätzlich zu unterstützen. Eine wichtige Maßnahme, die den zweiten Lockdown erheblich erleichtert. Dennoch stellt dieser uns vor neue Herausforderungen, die Müdigkeit ist deutlich zu spüren – und Fragen tauchen bei uns und v.a. bei den Kids auf: „Wie lange wird uns das noch begleiten?“ „Wird es nach dem Lockdown Sicherheitsvorkehrungen geben und wie werden diese kommuniziert?“ „Wann werden wir wieder normal Unterricht haben?

*Alle Namen von der Redaktion geändert.

Alice unterrichtet an einer Mittelschule in Wien.

Pia unterrichtet an einer Mittelschule in Wien.

Fabian unterrichtet an einer AHS-Unterstufe in Wien.

Laura und Barbara unterrichten an einer Mittelschule in Wien.

Dominik unterrichtet an einer Mittelschule in Niederösterreich.

Lukas unterrichtet an einer Mittelschule in Niederösterreich.

Johannes unterrichtet an einer Mittelschule in Wien.

Susanne unterrichtet an einer Mittelschule in Wien.

Reza unterrichtet an einer BHAK in Wien.

Lena unterrichtet an einer Mittelschule in Wien.

Sophia unterrichtet an einer Mittelschule in Wien.