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Respekt

Das Wort „Respekt“ ist vieldeutig. Respekt kann Wertschätzung, Höflichkeit, Toleranz oder Fairness bedeuten.

Viele Jugendliche bezeichnen Respekt als altmodisch und unnötig, wobei Respekt meiner Meinung nach immer eine große Bedeutung auf der Welt hat und haben wird. Man soll sich immer denken, dass wenn man selbst nicht bereit ist, anderen Respekt zu schenken, man keinen von seinen Mitmenschen erhaltet.

Wir sollen alle Personen in unserer Gesellschaft so akzeptieren, wie sie sind und sie nicht verurteilen oder uns respektlos verhalten. Es ist völlig egal welche Hautfarbe, Sprache, Herkunft oder Religion ein Mensch besitzt, alle haben dieselben Werte und keiner sollte als besser oder schlechter angesehen werden.

Natürlich kommt es auch nicht auf den Beruf eines Menschen an, denn sie haben es verdient von den anderen respektiert zu werden, es hat nichts mit ihrem Rang in der Bevölkerung zu tun.

Nicht zu vergessen, dass wir die Meinungen anderer Menschen bzw. ihre Denkweise zu einem Thema ebenso akzeptieren und respektieren sollen. Außerdem finde ich, dass Respekt kein Alter und Geschlecht kennt, daher spielt es keine Rolle ob du ein Mann oder Frau, Kind oder ein*e Erwachsene*r bist, du solltest Respekt geben, um Respekt zu bekommen.

Hilfsbereitschaft gegenüber einem anderen Menschen zähle ich auch zu Respekt hinzu, weil du einer Person in einer schwierigen Situation behilflich sein kannst und somit zeigen kannst, wie respektvoll du bist. Beispielsweise du hilfst einer alten Dame die Straße zu überqueren oder du hilfst deinem Freund oder deiner Freundin bei einem Umzug.

Ich möchte noch beifügen, dass man seine Mitmenschen respektiert, egal wer es auch sein mag, dass man nicht gewisse Grenzen überschreiten soll, das bedeutet, dass man nicht verletzende Wörter, Beleidigungen oder Schimpfwörter benutzen sollte, denn somit macht man den Respekt zwischen demjenigen und sich selbst kaputt. Anstatt dessen sollte man höflichere und respektvollere Formulierungen benutzen.

Respekt heißt noch für mich, einen sogenannten Selbstrespekt zu besitzen, das heißt sich selbst zu respektieren und wertzuschätzen, denn nur so kannst du deinen Mitmenschen zeigen, dass du diesen Respekt verdienst.

Abgesehen davon sollte man sich selbst die Frage stellen, wie sollen mich andere respektieren, wenn ich es selbst nicht kann? Du bist genauso wichtig und wertvoll wie alle anderen Menschen.

Hasti Alim ist Schülerin am Gymnasium Brigittenau

Dieser Text entstand im Rahmen des Gschichtnwettbewerbs „Respekt“, einer Kooperation zwischen Schulgschichtn und dem Projekt Respekt – gemeinsam stärker der Stadt Wien.

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Dieses Jahr hat man öfters von der „geschenkten Matura 2020“ gehört. Aber wie viel hat man den Schüler*innen dieses unglücklichen Jahrgangs wirklich geschenkt?

Schauen wir uns die Fakten an: Die Mehrheit der Vorwissenschaftlichen Arbeits-Präsentationen wurde gestrichen, die mündliche Matura wurde auf eine Anzahl von Freiwilligen beschränkt und ein 50/50 System, das erstmals in Österreich Jahres- und Klausurnote kombinierte, wurde ausprobiert. Da kann man meinen, dass den Maturant*innen Vieles erspart blieb…

Doch diese „geschenkte“ oder „kleine“ Matura hat auch ein anderes Gesicht. Durch Covid-19 bekamen die 8. Klassen ihre letzten Vorbereitungen (oder eventuell noch letzte Stoffgebiete) auf elektronischem Weg ins virtuelle Klassenzimmer geschickt, was nicht die gleiche Lernqualität bietet wie eine reale Schulstunde. Nach Monaten kamen sie dann in ihre tatsächlichen Räumlichkeiten zurück und erhielten dieselbe schriftliche Matura, die sie ohnehin bekommen hätten (was man unter anderem daran erkannte, dass selbst das alte Datum auf den Drucken nicht ausgebessert war). Teil der schriftlichen Klausuren war noch dazu eine der schwersten Mathematik-Maturen seit Beginn der Zentralmatura, wie auch die Zeitungen berichtet haben.

Und das 50/50 System? In meiner Klasse hat es wenig verändert und nur einen einzigen Kopf gerettet. Die Leerabgeber? Einzelfälle, die man mit der Hand abzählen kann. Geschenkte Matura? Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber das Frühjahr 2020 hat uns wenig geschenkt.

Die Autorin ist Schülerin an einem Gymnasium in Wien.

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Die schriftliche Matura ist nun knapp 3 Wochen her und ich kann mich seither stolz Maturaabsolventin nennen. Das Gefühl des Erfolgs war noch nie so spürbar wie jetzt, da ich 12 Jahre Schulzeit hinter mir lasse und nur noch die Maturafeier ansteht.

Zeugnis erhalten, Hände schütteln (oder auch nicht), Anstoßen und dann ist die Schule endgültig vorbei. Es war eine lange und prägende Zeit, aber am Ende – coronabedingt – zog es sich doch und jetzt liegt mein Empfinden zwischen Erleichterung und Ernüchterung.

Fairness

Die Matura sichert ihren Absolvent*innen, wie jede Abschlussprüfung, Qualifikationen und erworbene Kompetenzen zu. Das gilt bei der Diplomprüfung genauso wie beim Seepferdchen oder dem Fahrradführerschein. Die österreichische Matura hat bereits einige Entwicklungsstadien hinter sich, bis wir nun bei der seit 2015 bestehenden Zentralmatura angekommen sind.

Diese soll Fairness versichern, weil alle Maturant*innen österreichweit ein und dieselbe Prüfung schreiben. Aber genau da sehe ich auch einen großen Nachteil des zentralisierten Systems. Im Gymnasium besteht ein Unterschied zwischen dem naturwissenschaftlichen Zweig und dem sprachlichen Zweig. So unterscheidet sich gerade im Fach Mathematik das Niveau erheblich, weil Schüler*innen des sprachlichen Zweigs über drei Jahre hinweg eine Stunde weniger Mathematik haben als Schüler*innen des naturwissenschaftlichen Zweigs. Das hört sich nicht dramatisch an, es bedeutet aber ganze 25% weniger Unterricht in drei Schuljahren.

Dennoch schreiben alle dieselbe Matura, wodurch Schüler*innen, die weniger Unterricht hatten, offensichtlich einen Nachteil haben. Wo bleibt da die Chancengleichheit?

Ich halte eine Zentralmatura nur für gerecht, wenn sie an die einzelnen Schultypen und Zweige angepasst ist.

Eine Abschlussprüfung am Ende der Schulzeit ist sinnvoll, auch dass die vorwissenschaftliche Arbeit miteinbezogen wird halte ich für fair. Die Miteinbeziehung des Abschlusszeugnisses der 8. Klasse, wie es dieses Jahr stattfindet, ist eine gute Möglichkeit, das bisherige System zu entschärfen. Mit einer 50:50 oder 60:40 Regelung werden keine Noten geschenkt, sondern nur der Druck der singulären Matura-Prüfungen auf die Schüler*innen minimiert. Wird die endgültige Note aus Maturaprüfungen, vorwissenschaftlicher Arbeit und Noten des letzten Jahres zusammengesetzt, ergibt das eine deutlich repräsentativere Note, als nur die Maturaprüfung alleine.

Reife

Für tatsächlich fragwürdig halte ich die die Rolle der Zentralmatura als „Reifeprüfung“. Ich kann nicht sagen, dass ich mich reifer fühle als noch vor einem Monat, mit meinem Abschluss alleine kann ich nämlich nicht viel anfangen. Schüler*innen wird immer suggeriert, dass die Matura der Schlüssel zum Traumstudium an der Hochschule ist, aber in der Praxis ist das nur selten so. Das Bestehen der Matura und die darin erzielten Noten sollen Auskunft über die Kompetenzen ihrer Absolvent*innen geben, trotzdem wird in vielen Studiengängen die Zulassung nur mit dem zusätzlichen Bestehen eines Aufnahmetests ermöglicht. Also spielen die Maturanoten sowieso keine Rolle? Die Aufnahmetests sollen in erster Linie die „Studierfähigkeit“ feststellen, mit dem Ziel, die Studienabbrecherquoten und die Studiendauer zu verringern. Im Gegensatz zu Deutschland, wird hier die Matura nur als Voraussetzung, nicht aber als zusätzliches Auswahlkriterium herangezogen. Das dortige Verfahren stützt sich auf die Erkenntnis, dass Schulnoten, vor allem in den Kernfächern, sehr gute Indikatoren für den Studienerfolg sind. Die Zentralmatura als weiteres Auswahlkriterium wäre ein konsequenter Schritt in diese Richtung. Wieso wird also eine so genannte Reifeprüfung erwartet, wenn die Studiengänge sowieso eigene Aufnahmekriterien haben um sich nur die Besten der Besten herauszusuchen? Ich persönlich hielte es für wesentlich gerechter, wenn die Leistung der Zentralmatura, die nun wirklich zum Vergleichen einlädt, mindestens zu 30 % Einfluss erhalten würde. Sowohl eine lernintensive Matura, als auch teils sehr schwere Aufnahmetests vorauszusetzen, halte ich für ineffektiv.

Enttäuschung

Die Verlierer*innen der Schulschließung sind die Schüler*innen. Die, denen Bildung entzogen wird und die auf sich alleine gestellt sind. Für drei Wochen keine Schule, ja okay – für zweieinhalb Monate keine Schule in der Abschlussklasse – ein No-Go.

Die Matura ist für viele von uns Absolvent*innen ein persönlicher Erfolg, in dem die Noten den Lernaufwand widerspiegeln. Ich selbst habe seit Anfang März beinahe täglich für Mathematik gelernt – saß bei der Matura aber teils ratlos da. Ich war immer eine gute Schülerin, trotzdem empfand ich die Prüfungen als schwer und verließ den Prüfungsraum mit ungutem Gefühl. Die Enttäuschung über die mangelnd betreute Vorbereitung und die dafür recht schwere Matura teilen meine Mitschüler*innen, die so wie ich, viel Zeit und Mühe in das Lernen investiert haben. Die Schüler*innen des Matura-Jahrgangs haben knapp zweieinhalb Monate zuhause in Quarantäne verbracht – wie kann man auf diesen Umstand so wenig Rücksicht nehmen und die Matura nicht minimal anpassen? Eine unter normalen Umständen schon schwere Prüfung, dann noch ohne Unterricht zuvor, zu schreiben, ist ein bisschen viel verlangt. Dass knapp 50 Prozent aller AHS-Schüler*innen und 40% der BHS-Schüler*innen ein „genügend“ oder „nicht genügend“ erhalten haben, bestätigt meinen Eindruck. Die Schuld auf die Schüler*innen zu schieben, nach dem Motto „man ruhe sich auf der 50:50 Regelung aus“ ist schlichtweg falsch. In manchen wenigen Fällen mag dies zutreffen, doch der Großteil der Maturant*innen strebt trotzdem das für ihn oder sie bestmögliche Ergebnis an. Wenn die Noten schon nicht für das Studium relevant sind, wieso muss eine Prüfung dann so gestaltet werden, dass Schüler*innen ihre persönlichen Ansprüche nicht erreichen können? Ich bezweifle, dass unsere Lehrer*innen dafür verantwortlich sind, ist nicht eher der Erwartungshorizont des Bildungsministeriums zu abgehoben?

Unser Jahrgang wird immer der „Corona-Jahrgang“ bleiben, doch sind wir wirklich die mit der geschenkten Matura? Die, die ihren Abschluss ohne Bemühung erhalten haben, weil 30 von knapp 40.000 Schüler*innen einen leeren Zettel abgegeben haben?

Wir sind die erste Generation an Maturant*innen, die ihren Abschluss im Lockdown geschrieben hat, die kaum betreute Vorbereitung hatte und trotzdem erfolgreich maturiert hat. Beweist nicht gerade das wahre Reife? Wir haben etwas für das Leben gelernt, unseren Abschluss hart erarbeitet und darauf können wir stolz sein!

Die Autorin ist Schülerin an einem Gymnasium in Wien.

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Aus meiner Sicht ist die präsenzunterrichtsfreie Zeit gut mit einer unbefriedigenden Achterbahnfahrt vergleichbar – Es gab mehr Tiefen als Höhen. Die Höhen kamen vor allem durch einzelne besonders engagierte Lehrpersonen. In meiner Klasse hat der Fernunterricht in Mathe beispielswiese großartig funktioniert. Wir haben immer genau gewusst, was zu tun ist, unser Lehrer hat uns Fragestunden angeboten und uns sogar gebeten, mittels Umfragen Feedback zu geben. In anderen Fächern sah das jedoch nicht so aus. Der digitale Teil des Unterrichts bestand oft darin, Arbeitsblätter vom Computer aus auszudrucken, die erledigten Arbeitsblätter dann wieder zu fotografieren und zurückzuschicken. Einige Lehrpersonen waren in ihrer Überforderung mehr darauf bedacht, ihre eigene Arbeit so unkompliziert wie möglich zu gestalten, als das Lernsetting für uns Schüler*innen. Mit einer Lehrperson hatten wir Schwierigkeiten, da sie nahezu jedes Wort in ihren E-Mails abgekürzt hat und wir so nicht verstehen konnten, was sie uns vermitteln wollte. Doch solche Probleme konnten wir meistens mit der betreffenden Lehrperson lösen. Die wirklichen Tiefen waren die unlösbaren Probleme, vor die viele Schüler*innen durch das Agieren des Bildungsministeriums gestellt worden sind.

Falscher Fokus

Vor den Schulschließungen hieß es erst, der Inhalt des Distance Learnings solle nicht in die Leistungsbeurteilung einfließen. Das wurde dann noch am allerletzten Schultag geändert. Anschließend gab es immer wieder Pressekonferenzen mit eher geringem Informationsgehalt. Auf Instagram gingen etliche Memes über Minister Faßmann viral, also sich über seine Planlosigkeit lustig machende Postings. So etwas ist für das „Opfer“ nie ein gutes Zeichen. Als dann die Entscheidung über die Matura verkündet wurde, offenbarten sich grundsätzlich falsch gesetzte Prioritäten. Statt nämlich den Fokus darauf zu legen, die Eltern jüngerer Schüler*innen schnellstmöglich in der Betreuung zu entlasten, sollten als allererstes die Abschlussprüfungen abgehalten werden. Dass die Megaprüfung Matura hier wichtiger war als die politische Verantwortung gegenüber den Hunderttausenden Eltern, ist ein Armutszeugnis für das Krisenmanagement des Bildungsministeriums.

Platz und Sicherheit

Zu guter Letzt wurde nun auch der Präsenzunterricht für die Sekundarstufe 2 wieder aufgenommen. Die dafür benötigten Räumlichkeiten der Oberstufenklassen hätten auch verwendet werden können, um mehr Platz und Sicherheit für die Schüler*innen der Unterstufe zu schaffen, oder sie an mehreren Tagen in die Schule zu holen. So wäre auch die Ansteckungsgefahr deutlich geringer, sie könnten mit gutem Gewissen in die Schule gehen. Wir als Oberstufe, die ja keine Betreuung durch Eltern mehr brauchen, hätten dann die letzten Schulwochen wie inzwischen gewohnt von zuhause aus absolvieren können.

Notwendige Anpassungen

Klar ist: Das nächste Schuljahr kann nicht ohne Anpassungen im Bildungssystem stattfinden. Wir brauchen flächendeckende Schulungen zum digitalen Lernen für Lehrpersonen, die Lehrpläne müssen angepasst werden, wir müssen unsere Bundesschüler*innenvertretung endlich selbst wählen können, damit sich in solchen Situationen wirklich jemand für uns einsetzt. Außerdem sollen auch künftig Leistungen der Oberstufe ins Abschlusszeugnis einfließen.

Der Autor ist Schüler an einem Gymnasium in Wien.

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Die Krise zeigt auf, was im Schulsystem schief läuft und was zu lange vernachlässigt wurde. Damit birgt sie große Chancen, eine konstruktive Entwicklung anzustoßen und voranzutreiben.

Ein gerechteres System

Es ging groß durch die Medien, hat Aufsehen erregt und für viele Diskussionen gesorgt. Die Ergebnisse einer Umfrage zeigten, dass 20% der Kinder – so war es zumindest am Beginn des Homeschoolings – nicht erreicht wurden. Das ist eine unheimlich große Zahl an Kindern und zurecht war die öffentliche Empörung darüber enorm. Kennt man aber Schulen, in denen Kinder aus sozioökonomisch schwachen Familien kommen, überrascht diese Zahl kaum noch. Die traurige Tatsache ist nämlich, dass auch im “Normalbetrieb” nicht alle Kinder immer erreicht werden. Fehlende Unterstützungssysteme, Traumatisierungen, zahllose Fehltage oder familiäre Verantwortung, die keinem Kind zugemutet werden sollte, führen auch im Regelbetrieb dazu, dass Kinder zurückbleiben, dass man nicht zu ihnen durchdringt und dass sie den Anschluss verlieren. Auch wenn es vielleicht nicht immer 20 Prozent sind, ist dennoch jedes Kind, das auf diese Weise zurückgelassen und aufgegeben wird, eines zu viel. Endlich empört sich auch die Öffentlichkeit darüber. Endlich wird der Blick auch in diese unangenehmen Ecken unseres segregierenden Schulsystems gelenkt. Endlich wird sichtbar, was viel zu oft unter den Teppich gekehrt wird. Was einmal an der Oberfläche ist, kann nicht mehr so leicht verdrängt werden. So ist die Sichtbarmachung dieses systemimmanenten Problems hoffentlich der erste Schritt in Richtung einer Lösung. Ein Schritt hin zu einer Schule und einem Schulsystem, das erst dann als erfolgreich gilt, wenn es in der Lage ist Ungleichheiten aufzuzeigen und auszugleichen und in dem kein Kind mehr übersehen oder nicht erreicht werden kann.

Teamarbeit

Der Lehrer*innenberuf ist vielerorts leider immer noch geprägt von Einzelkämpfertum. Die derzeitige Krise hat durch das Social-Distance-Learning viele Lehrkräfte und Pädagog*innen zur Teamarbeit gezwungen. Aufgaben müssen aufeinander abgestimmt, Abgabetermine koordiniert und Kommunikationskanäle vereinheitlicht werden. Natürlich ist hier noch viel Luft nach oben, Eltern und Schüler*innen klagen über Social-Distance-Learning via 5 verschiedener Apps und 3 verschiedener Videotools. Dennoch blitzen immer mehr Phasen des echten Teamworks auf, wo gemeinsame Ziele und Aufgaben für eine Klasse geschaffen werden. Diese Art des Zusammenarbeitens, die Koordination, die Absprache und das Schaffen gemeinsamer Ziele sollten nach Überstehen der Krise zum Arbeitsstandard an jeder Schule zählen. Hoffentlich hilft uns das Virus, das Einzelkämpfertum im Lehrer*innenzimmer hinter uns zu lassen und als Team zusammenzuarbeiten.

Digitaler Unterricht als Normalität 

Schulalltag ist stressig und dicht getaktet. Stunden vorbereiten, Material erstellen, verbessern und natürlich: unterrichten. Meist bleibt wenig Zeit und Raum für “Spielereien”. Man hört immer wieder von neuen Tools, spannenden Websites und Angeboten und nimmt sich vor, sich diese “mal anzuschauen” und auszuprobieren. Im Alltag neigen solche Vorsätze allerdings dazu, in den Hintergrund zu verschwinden. Wenn man Vorbereitungen nach einem langen Unterrichtstag macht, wird in der Regel doch auf Bewährtes und Vertrautes, meist Analoges, zurückgegriffen.

Bis vor ein paar Wochen hätte ein Großteil der Lehrkräfte digitale Planungen, Lernvideos, Arbeitsaufträge, Quizzes oder Share Plattformen wohl kaum zu diesem bewährten und vertrauten Aufgabenkanon gezählt. Nun wurde die Umsetzung dieses lange vor sich hergeschobenen Vorsatzes von der Krise beschleunigt, ja regelrecht erzwungen. Innerhalb weniger Tage und Wochen fand ein Großteil der Lehrkräfte neue Wege, hat teilweise von 0 auf 100 begonnen digital zu arbeiten. Und siehe da, es ist gar nicht so kompliziert wie gedacht, es kann funktionieren und die Arbeit nicht nur für die Kinder ansprechender und zeitgemäßer gestalten, sondern sogar für Lehrkräfte Vorteile und Erleichterungen bringen. Natürlich läuft noch bei weitem nicht alles optimal, es werden zu viele verschiedene Plattformen genutzt und durch das problemlose Erstellen von Aufgaben werden Kinder teilweise mit Aufgaben überflutet. Hier muss also noch nachgebessert werden, aber die Richtung stimmt. Wenn diese Entwicklung auch nach der Krise nicht vergessen, sondern fortgeführt, weiterentwickelt, vereinheitlicht und perfektioniert wird, liegt darin die Chance Schule und Unterricht tatsächlich zu modernisieren und obendrein auch Schüler*innen wirklich digital zu bilden.

Schulautonomie mitnehmen

Viele Vorgaben, wie mit den neuen Herausforderungen umzugehen ist, gab und gibt es in Corona-Zeiten nicht. Schulleiter*innen, Lehrer*innen und Schüler*innen müssen deshalb gemeinsam für ihren Standort Entscheidungen treffen. Welche E-Learning Plattform wollen wir verwenden? Wie kommunizieren wir miteinander? Wie werden Journaldienste eingeteilt? Mit der stufenweisen Öffnung der Schulen ab Mai werden hier noch viele weitere Fragen gestellt und Lösungen gesucht werden müssen. Die Krise zeigt: Jede Schule braucht etwas anderes und die Kolleg*innen und Schüler*innen vor Ort wissen am besten, was für sie der richtige Weg ist. Auch nach Corona sollte die Schulautonomie gestärkt werden, damit jede Schule selbst entscheiden kann, wie der Schulalltag gestaltet sein soll. Nur so ist auch Innovation im Bildungssystem möglich!

Autonomie hat ihre Tücken – auch jetzt

Schulautonomie ist wichtig, kann aber auch dazu führen, dass manche Verantwortlichen ihre Verantwortung nicht wahrnehmen. So zeigt die Krise durchaus auch, dass es Schulleiter*innen gibt, die sich der Suche nach Lösungen entziehen und die Kolleg*innen ohne Vorgaben oder Kontrollen machen lassen was sie möchten. Es gibt Lehrer*innen, die sich kaum Mühe geben, das Homeschooling so zu gestalten, dass es bei den Schüler*innen auch ankommt. Es gibt Schulen, in denen Kommunikation in diesen schwierigen Wochen kaum stattfindet. Schulautonomie soll deshalb nicht Wegschauen bedeuten: Wir brauchen zentrale Vorgaben, wir brauchen Ziele und auch Überprüfung, aber vor allem brauchen wir Angebote und Ressourcen. Wie soll eine Schule innerhalb von 2 Tagen eine E-Learning-Strategie erarbeiten, diese allen Schüler*innen und Lehrer*innen nahebringen und dann auch noch die nötigen Geräte bereitstellen? Dieses Versäumnis gilt Bildungsministerium und Bildungsdirektionen – diese Strategien hätten schon längst eingefordert werden müssen, mit der nötigen Begleitung und (auch finanziellen) Unterstützung. Dann können sie auch je nach Schule autonom gestaltet werden. Hoffentlich lernen wir aus dieser Krise, dass wir uns auf die nächste besser vorbereiten sollten, anstatt erst dann zu handeln, wenn wir schon mittendrin stehen.

Die Krise legt offen, was schon lange schief geht

Die derzeitige Krise schafft neue Probleme, keine Frage. Vor allem aber legt sie jene Probleme schonungslos offen, die schon seit Jahren (mehr oder weniger) latent im System vorhanden sind.  Dass ein gewisser Prozentsatz von Kids an Mittelschulen nur schwer oder gar nicht erreichbar ist, empört zu recht, überrascht aber wenige, die im System arbeiten. Schon vor der Krise gab es dieses Problem, fand aber in der breiten Öffentlichkeit wenig Beachtung.  Dass die Krise besonders jene trifft, die es sowieso schon nicht leicht haben, zeigt, dass unser Bildungssystem auch davor schon ungerecht war. Dass manche Lehrer*innen von digitalen und pädagogischen Neuerungen nichts wissen wollen, war auch vorher schon klar. In der Krise zeigt sich, wer seine Verantwortung wahrnimmt. Fehlende Konzepte und gemeinsame Ziele, fehlende Abstimmung, Koordination und Vereinheitlichung waren schon lange ein Problem (ändert sich gerade, siehe oben) und wird durch die Krise deutlich offenbart.

In vielen dieser Bereiche finden gerade innovative Prozesse und Verbesserungen statt. Wir müssen diesen Schwung mitnehmen um nach der Krise nicht wieder in alte Muster zu fallen.

Felix Stadler, Simone Peschek und Verena Hohengasser

Dieser Beitrag erschien auch auf der Plattform umbruch.at.