Lesezeit: 3 Minuten

Als Lehrerin einer berufsbildenden Schule war ich davon überzeugt, dass ein Bildungsabschluss allen Schüler*innen ermöglicht, einen guten Start in ein selbstbestimmtes Leben zu haben. Ich täuschte mich. 

Der Zufall sorgte dafür, dass sich im Herbst 2016 eine ganz besondere Gruppe in einer ersten Klasse zusammengefunden hatte. Die meisten waren erst wenige Monate in Österreich und hatten lange Wege hinter sich gebracht, die sie in unsere ländliche Kleinstadt führten. Die wenigsten konnten ein paar Worte Deutsch. Nach und nach durften wir sie kennenlernen, unsere „Flüchtlingsklasse“. 

Der Unterrichtsalltag war fordernd, laut, chaotisch und so manche*r Lehrer*in brauchte einen Geduldsfaden so dick wie eine Trosse. 

In dieser Klasse befand sich auch Hassan*. Mir fiel der dünne junge Bursche vor allem wegen seines Humors auf. Innerhalb der Klasse war er sehr beliebt, war er doch immer für ein Späßchen zu haben. 

In der gesamten Schulgemeinschaft kannte man Hassan, weil er ein ausgezeichneter Fußballer war. Er hatte durchaus etwas an sich, das ihn für viele unvergesslich macht. 

Seine Erklärungen, warum er die eine oder andere Hausübung nicht machen konnte, waren durchwegs charmant und lange grantig konnte man da nicht bleiben. Ein Strizzi halt, aber blitzgescheit. 

Wenn er auch wie viele Teenager nicht immer der konsequenteste Lerner war, konnte er seine Faulheit durch sein großartiges Sprachentalent ausgleichen. Es war bemerkenswert, wie er in kurzer Zeit seine Englisch- und Deutschkenntnisse verbessern konnte. Eine Freude war das, ihn beim Lernen und Reifen zu beobachten. 

Blickte man in die Gesichter der Jugendlichen, konnte man hinter den Clownsnasen oft eine tiefe Traurigkeit erkennen. Unbegleitet und alleine das Erwachsenwerden zu meistern, war Herausforderung genug. Doch dann waren da ja auch noch Behördengänge und die ständige Sorge um den Aufenthalt. Unverarbeitete Traumata, Unaussprechliches erlebt zu haben, Anfeindungen als Alltagserfahrung und das Gefühl, nicht dazuzugehören. Ich dachte mir oft, dass vor dem Hintergrund derartiger Lebens- und Fluchtgeschichten die richtige Adjektivdeklination auf der Prioritätenliste ganz weit nach unten rutschen musste. Und doch stimmte das nicht. 

Die Schule gab den Jugendlichen eine Struktur, einen normalen Alltag. Wenig Normalität hatten sie sonst in ihrem Leben. Ohne Eltern oder nähere Bezugspersonen wurden sie von einer Unterbringung in die andere geschoben. Hin und her, neue Menschen, Fremde, wenig Privatsphäre, kaum Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Und dann die ständige Sorge. Das war ihr Alltag. Ich hatte mich oft gewundert und bewundert, dass sie ihre Prüfungsvorbereitung und zusätzliches Engagement in der Schulgemeinschaft so gut meisterten. 

Ob die Hausübung nun da war oder nicht, mir war es wichtig, dass Hassan jeden Tag im Unterricht war. Ich versuchte, ihm zu zeigen, dass er für mich als Person wichtig war, nicht nur seine Leistung. Er war willkommen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Das hier war seine Schule, das hier war seine Klasse, hier war sein Platz. 

Das Recht, in Österreich leben zu dürfen, weil in Hassans Herkunftsland Sicherheit nicht garantiert war, durfte für mich nicht an eine Gegenleistung gekoppelt sein. Schutz, Hilfe und Unterstützung steht jedem Menschen zu, egal wo er geboren worden ist. Trotzdem hatte Hassan so viel für diese Gesellschaft zu geben. 

Schulische und private Hochs und Tiefs vergingen schnell. Guter Zuspruch hatte ihn meist wieder konzentriert arbeiten lassen, um seinem Ziel, dem Schulabschluss, näherzukommen. 

Durchbeißen, denn ein Abschluss, so versicherte ich ihm, würde ihm einen guten Job ermöglichen. 

Eine Berufsperspektive bedeutete auch gleichzeitig eine Perspektive, sich in Österreich ein gutes Leben aufzubauen. Ich hatte gelogen. 

Als afghanischer Flüchtling bekam er einen negativen Asylbescheid. 

Engagiere dich, hilf anderen in deinem Umfeld! Verhalte dich respektvoll! Dann bist du ein wichtiger Teil einer Gemeinschaft, in der du dich aufgehoben fühlen darfst, predigte ich. Ich hatte gelogen. 

Als afghanischer Flüchtling bekam er seinen zweiten negativen Asylbescheid. 

Österreich war in der Zwischenzeit zu seinem Zuhause geworden. Und das, obwohl Österreich nicht immer sehr gut zu ihm war. 

Ein Österreich, das junge Menschen, die ihre Zukunft vor sich und so viel zu geben haben, in ein Land abschieben möchte, das nicht sicher ist, ist nicht mein Zuhause. 

Mein Österreich ist bunt, großzügig, solidarisch, bietet Chancen, ermöglicht Bildung, steht zu seinen Leuten. 

Der Gedanke, dass man ihn nun wegschicken möchte, ist unerträglich. 

Hassan gehört zu uns. Hassan muss die Chance gegeben werden, sich hier in unserer Mitte ein gutes Leben in Sicherheit aufbauen zu können. 

*Name von der Redaktion geändert.

Die Autorin ist Lehrerin an einer HAK/HAS in Oberösterreich.

Lesezeit: 5 Minuten

Die Schüler*innensicht

„2020“ war ein heftiges Jahr für uns alle. Wenn ich an alle Vorfälle zurückdenke, die wir in diesem Jahr erlebt haben, denke ich mir: „Wow, was wir nur alles überwunden haben?

Wir haben viele Schmerzen und Rückschläge in jedem Bereich unseres Lebens erlitten – am meisten unsere Psyche. Manchmal hat es Situationen gegeben, wo man einfach gedacht hat: „Es reicht! Wirklich! Es reicht. Was soll das alles?

Aber die Geschehnisse achten leider nicht auf unsere Gedanken und unsere Psyche; sie passieren einfach. Das Jahr 2020 hat vielen Menschen auf unserer Erde Schmerzen abverlangt. Wegen der Corona-Pandemie haben viele Menschen Familienmitglieder, Freund*innen und Bekannte verloren. Am Jahresanfang war alles noch normal. Mitte Februar hat der Fluch des Jahres 2020 seine Wirkungen gezeigt. Begonnen hat es mit den Waldbränden in Australien, wo viele Tiere gestorben sind. Danach folgte eins nach dem anderen. Anfang März ist Corona in Österreich aufgetaucht. Es wirkte zuerst wie ein Scherz. Ich erinnere mich noch an den Tag, wo meine Freund*innen gesagt haben, in Tirol gebe es die erste infizierte Person. Damals hätte ich mir nicht erträumen können, dass es so weit kommen würde. Das Schuljahr 2020 hat meine Mentalität ruiniert; das mit dem Distance Learning, dem Lockdwon, den eingeschränkten Sozialkontakten usw. – das war oftmals einfach alles viel zu viel. Stress, Sorgen und Ängste. Das alles folgte aufeinander und überkreuzte sich. Und wir als Menschen wussten nicht, was wir machen sollten. Was können wir als winzige kleine Wesen auf dieser riesigen Erde in so einer Situation denn auch schon machen? Es kam mir manchmal auch vor, als hätten sich all die schlechten Sachen abgesprochen und ausgemacht, dass sie alle gemeinsam im Jahr 2020 auftauchen.

Während des Lockdowns im April bin ich eines Tages auf ein Gedicht auf Instagram gestoßen:

Und die leute blieben zuhause
und sie lasen bücher und hörten zu
und sie ruhten sich aus und übten
und sie schufen kunst und spielten
und sie lernten neue formen des seins
und sie lauschten tiefer
jemand meditierte
jemand betete
jemand tanzte
jemand begegnete seinem schatten
und die menschen begannen unterschiedlich zu denken
und die menschen heilten
und in abwesenheit der menschen die unwissend lebten
gefährlich meinungslos und herzlos
begann sogar die erde zu heilen
und als die gefahr endete
und die menschen sich einander fanden
trauernd für die toten
und sie trafen neue entscheidungen
und träumten von neuen visionen
und sie schufen neue lebensweisen
und sie heilten die erde
ganz genau so wie sie selbst geheilt wurden

Als ich dieses Gedicht gelesen hatte, dachte ich mir: „Wow, schon vor ca. 140 Jahren konnte die Schriftstellerin Kathleen O’Meara vorhersehen, was in den kommenden Zeiten passieren würde.“ Das Gedicht beschreibt für mich genau das, was viele von uns im Lockdown gemacht haben: lesen, zuhören, meditieren, Zeit mit sich selbst und der Familie verbringen und alles weitere. Ein zum Denken anregendes Gedicht.

Ein Satz meiner Großmutter kommt mir dabei ins Gedächtnis. Sie sagte zu mir, dass es immer noch das Schlimmste vom Schlimmsten gebe. Deshalb hoffe ich mir nur, dass wir nicht schlimmere Vorfälle in den kommenden Jahren erleben werden. Ich drücke mir und uns die Daumen für das Jahr 2021. Hoffentlich werden wir ein erholsames, schönes 2021 haben!

Zeynep Kocak, Schülerin an einer BHAK in Wien

Die Lehrer*innensicht

Jänner und Februar 2020

In China gibt es ein Virus, Corona heißt es. Wahnsinn, in kürzester Zeit werden Krankenhäuser errichtet. Lockdown. Keiner darf vor die Tür, außer in Notfällen. Viele Menschen sterben.

Während der Gangaufsicht stellt sich Nenad zu mir. „Corona wird noch ein richtiges Problem für die ganze Welt werden,“ sagt er. „Wieso? China, ist ja richtig weit weg. Kann ich mir nicht vorstellen,“ antworte ich. „Glauben Sie mir, Sie werden noch an mich denken.“ Er geht zurück in die Klasse.

März bis Mitte Mai 2020

Ich denke oft an Nenad und seine Worte. Wir arbeiten von zuhause aus, versuchen die Schüler*innen so gut wie möglich zu erreichen. Kein Mensch hat damit gerechnet. Viele unserer Schüler*innen haben keine Laptops.  Wir alle haben wenig Ahnung, wie Distance Learning funktionieren soll. Wir sind nicht digitalisiert, lernen mit den Schüler*innen gleichzeitig.  Draußen scheint die Welt still zu stehen.  Aber es gibt Lichtblicke. 30 Laptops werden gespendet, 60 werden von der Gemeinde Wien zur Verfügung gestellt, dazu Handy- und Internetguthaben.  Und der Lockdown zeigt Wirkung, die Zahlen gehen nach unten. Wir dürfen wieder in die Schule.

Mitte Mai bis Ende Juni 2020

Wir unterrichten wieder, wenn auch in kleinen Gruppen, aber wir sind wieder da. Vielen Schüler*innen ist die Freude anzusehen. Sie kommen gerne, sie wollen lernen.  Zeugnis und Noten spielen für sie nicht so eine große Rolle, und wir dürfen Milde walten lassen, sieht man von den Deutschförderklassen ab.  Da muss beinhart geprüft werden. Sieht so aus, als würde diesen Schüler*innen ihr nicht vorhandenes Sprachverständnis zum Verhängnis.  Also trocknen wir Tränen und machen Mut. Irgendwann werden sie die Sprache so weit beherrschen, dass sie sich auch wie andere Schüler*innen fühlen dürfen.

September bis Mitte November 2020

Wir spielen ganz normal Schule. Große Klassen, Tests, Schularbeiten und normaler Unterricht. Die Infektionszahlen gehen in die Höhe. Unruhe macht sich breit. Alle sind nervös. Alle dachten, Corona ist vorbei.  Ab und zu ist eine Klasse in Quarantäne, immer wieder gibt es Verdachtsfälle und die scheinbare Normalität beginnt zu zerbrechen.  Alle ahnen wir, der nächste Lockdown steht vor der Türe.

Mitte November bis Dezember 2020

Das prägendste Bild dieser Wochen? Schüler*innen, die schwere Schultaschen und Einkaufstaschen schleppen. Besser ist es immer alle Sachen zuhause zu haben.  „Scheiß Corona!“, ruft ein Schüler laut und muss prompt vor die Klassentüre. Warum? Das entzieht sich meiner Kenntnis.

Maria Lodjn, Lehrerin an einer Mittelschule in Wien

Die Elternsicht

Ich bin kein Mensch für Neujahrsvorsätze, doch kurz dachte ich Anfang Januar 2020 darüber nach, was ich an meinem Leben verbessern könnte. Das einzige was mir einfiel, war, dass ich gerne einen richtig guten Thailänder in Wien finden möchte. Eine Original Tom Yan Gung, so glaubte ich, würde mein Dasein deutlich bereichern. Das wurde mein Vorsatz. Wenig wusste ich.

Dann kam der März und der erste Lockdown. So saß ich plötzlich da, mit drei Kindern an drei verschiedenen Schulen. Mit drei Laptops und drei iPads, mit zwei Smartphones, einem Laserdrucker, zwei WLAN Netzwerken ohne Datenlimit, die dennoch an ihre Grenzen stießen, und einem Mann, der seine Zeit statt mir bei den Kindern zu helfen, lieber mit seiner 25 jährigen Geliebten und Angestellten auf irgendeinem Hof verbrachte, während ich mir mit der Machete einen Weg durch den Arbeitsplandschungel der Kinder schlug. Dass auch ich Vollzeit arbeite und dies parallel zu meinem Mutteralltag, brauche ich nicht extra zu erwähnen, das ist ja „das neue Normal“.

Kürzlich sagte der Diakon eines kleinen Ortes auf die Aussage eines gestressten Elternteils, dass er für so etwas wirklich keine Zeit habe: „Nun ja, Zeit – haben wir alle gleich viel…!

Und das stimmt. Ich stehe also um 5:00 Uhr auf, beantworte die nächtlichen Anfragen meines Brotjobs, mache mich ab 5:30 Uhr mit meiner 8jährigen Tochter an ihren Arbeitsplan, erst analog, dann auch über Padlet, nähe mit drei Kindern MNS Masken mit Kaffeefiltern, bastle Fledermäuse, lerne, wie die österreichischen Gebirge auf Englisch heißen, da mein Sohn sich ein fancy-bilinguales Gymnasium ausgesucht hat, befasse mich mit Genetik und creative Common Lizenzen, da Sohn Nummer zwei eher naturwissenschaftlich orientiert ist und wir parallel ein Referat zu Ionenverbindungen schreiben müssen. Dann analysieren wir die Welle, fassen Borchert zusammen und schreiben Dialoge auf Spanisch. Ich lerne MS Teams, One Note, Webuntis, Moodle, alles so nebenbei. Abends um 22:35 Uhr beantworte ich die letzte Frage aus meinem Arbeitsumfeld.

Der Sommer brachte eine kurze Verschnaufpause. Ich fuhr in mein Heimatland und tankte neue Energie und dringend benötige Vertrautheit. Ja, auch ich gehörte zu den hochansteckenden Reiserückkehrern. Ich konnte nicht anders.

Zusammengefasst? Es war ein lehrreiches Jahr. Neben allen neuen technischen Kompetenzen, Plattformen, Softwaresystemen und Improvisationskünsten lernte ich vor allem, dass wir uns durch die Corona-Krise wieder im Jahr 1950 befinden, dass die unsichtbaren Dienstleistungen von Frauen tatsächlich ungesehen bleiben. Dass die Welt vermutlich zusammenbrechen würde, wenn es diese im Hintergrund nicht gäbe. Aber ich lernte auch, dass scheinbar aussichtslose Situationen einen Ausweg haben, dass auch der dunkelste Lockdown sein Ende findet und es schlussendlich nach dem Lockdown eigentlich auch doch nur wieder vor dem Lockdown ist.

Die Autorin lebt mit ihrer Familie in der Steiermark.

Lesezeit: 8 Minuten

In den folgenden Beiträgen teilen Schüler*innen aus der 2AS der BHAK Wien 10 ihre Erfahrungen und Eindrücke zum Distance-Learning, den Unterschieden zum ersten Lockdown und ihre Wünsche an die Regierung.

Eins

Für uns war der zweite Lockdown irgendwie zu erwarten. Hier möchten wir euch einen Einblick in unsere derzeitige Situation geben.

Anders als im ersten Lockdown ist es diesmal viel stressiger und belastender. Es ist anstrengend, jeden Tag von 08:00 – 15:50 Uhr vor dem Laptop zu sitzen und Videokonferenzen zu führen. Nach den Videokonferenzen sitzt man öfters noch mehrere Stunden an den Aufgaben, die wir innerhalb eines Zeitfensters erledigen müssen. Meistens sind es so viele, dass man bis zum Abend dasitzt und sich nicht auskennt. Viele Schüler*innen haben auch Geschwister, was das Ganze noch viel aufwändiger macht, weil es dann schwerer ist, sich zu konzentrieren. Wegen all dem Stress haben wir auch keine Freizeit mehr und keine Zeit für unsere Familie. Unserer Meinung nach war der erste Lockdown viel angenehmer.

Derzeit ist es schwerer geworden, mit dem Stoff voran zu kommen, weil die meisten es nicht so gut über die Videokonferenzen verstehen und schwerer mitkommen. Man kennt sich jetzt zwar besser mit Teams aus, jedoch verlieren manche über all die zu erledigenden Aufgaben die Übersicht.

Die Stimmung in der Klasse ist sehr gereizt und die meisten wirken auf uns nervös und unmotiviert. Viele haben keinen Plan, was gerade Stoff ist, und sind gestresst. Unsere Mitschüler*innen wirken auf uns müde und verloren.

Wenn es zu einem dritten Lockdown kommen würde, würden wir es besser finden, wenn es weniger Videokonferenzen gäbe. Außerdem sollten es nicht so schwierige Aufgaben sein und die Lehrer*innen sollten mehr Verständnis haben. Wir würden uns über mehr Freizeit freuen. Auch wenn wir Wochenende haben, müssen wir uns darüber Sorgen machen, dass wir bis Montag 5 Aufgaben zu erledigen haben. Deswegen können wir uns nicht wirklich ausruhen. Wir hoffen aber, dass es nicht zu einem dritten Lockdown kommt.

Haris, Ayten, Rumeysa und Laura

Zwei

Der zweite Lockdown kam für uns wenig überraschend. Was nun in der Schule anders läuft, möchten wir in dem Text kurz erklären.

Einerseits hatten wir im ersten Lockdown viel Stress, weil für uns die neue Situation fremd war und wir nicht wussten, was auf uns zukommen wird. Anderseits hatten wir mehr Freizeit, weil der Schulunterricht nicht nach Stundenplan abgehalten wurde. Der Lockdown I war für viele Familien eine sehr große Herausforderung, weil alle Familienmitglieder plötzlich zu Hause bleiben mussten. Da wir im Lockdown I nicht so viel zu tun hatten, waren wir schneller fertig und konnten den restlichen Tag frei gestalten. Der Unterschied zu Lockdown I ist, dass wir jetzt keine Zeit mehr für die Familie haben, weil wir den ganzen Tag vor dem Laptop sitzen müssen. Diesmal ist es nicht möglich, gemeinsam mit der Familie zu essen.

Zu Beginn des ersten Lockdowns fiel es schwerer, sich zu organisieren. Doch mit der Zeit wurde es besser. Diesmal kennt sich jede*r besser mit Teams aus, weil man ständig mit der App arbeiten musste. Nun läuft der Unterricht nach Stundeplan ab, was stressiger ist. Da wir Schüler*innen auch noch Aufgaben nach den Stunden bekommen, die wir erfüllen müssen, sitzen wir länger vor dem Laptop als im Präsenzunterricht. Die Meinung der Schüler*innen mit jüngeren Geschwistern ist, dass es im zweiten Lockdown leichter geworden ist, weil die Kindergärten und die Betreuungen offen haben. Dadurch fällt das Aufpassen auf jüngere Geschwister oftmals weg.

Die Motivation der Mitschüler*innen ist unserer Meinung nach gesunken, weil es nun stressiger und aufwändiger geworden ist, weil jetzt jeder*jede Schüler*in vor acht Uhr aufstehen muss, um für den Unterricht vorbereitet zu sein. In dieser Phase werden auch Tests im Online-Unterricht geschrieben. Lehrer*innen vermitteln hier die identen Inhalte, die sie auch im Präsenzunterricht vermitteln würden.

Wir wünschen uns alle von der Regierung, dass wir unsere Arbeitsaufträge während der Videokonferenz im Unterricht erledigen können, um nicht länger vor dem Laptop zu sitzen. Wir denken auch, dass es besser ist, weniger Online-Konferenzen abzuhalten. Die Regierung sollte auch mitteilen, ob es zu einem dritten Lockdown kommen wird, damit wir uns früher vorbereiten können.

Amina, Danyel, Nancy und Selen

Drei

In diesem Bericht schreiben wir darüber, wie es uns im ersten und im zweiten Lockdown ergangen ist. An unserem Alltag hat sich nicht vieles geändert. Wir gehen selten raus und passen auf, dass wir die Maßnahmen einhalten. Der erste Lockdown war viel schlimmer, weil es strengere Regeln gab. Im Gegensatz zum ersten Lockdown gibt es zwar auch Regeln, aber die Menschen halten sich nicht daran. Wir hatten beim ersten Lockdown viel mehr Stress als im zweiten. Wir wussten nicht, in welcher Lage wir uns befinden. Es war schwer raus zu gehen und unsere Freunde zu treffen. Wegen des Lockdowns sind wir viel mehr zu Hause und haben mehr Kontakt zu den Eltern und Geschwistern.

Im ersten Lockdown kamen wir nicht gut im Unterricht mit, weil uns vieles unklar war. Außerdem war es das erste Mal, dass wir unseren Unterricht von zuhause aus mitverfolgten. Im zweiten Lockdown fällt es uns schon leichter, weil wir schon Erfahrungen sammeln konnten und auch lernten, wie alles in Microsoft Teams geht. Im zweiten Lockdown ist es ebenso strenger als im ersten. Das heißt, wenn wir mal nicht auftauchen, wird die Mitarbeit natürlich schlechter. Der Lockdown I war zum Teil besser, aber auch schlechter. Man konnte sich damals genau einteilen, wann und wie man seine Aufgaben verrichten will, dafür gab es keinen Präsenzunterricht. Im Lockdown II ist es umgekehrt, man hat in fast jedem Fach Präsenzunterricht und kann sich nicht immer alle Aufgaben selbst einteilen.

Unserer Meinung nach ist die Motivation der Lehrer*innen diesmal viel höher. Die Lehrer*innen kennen sich viel besser aus und haben Spaß daran, uns gut online zu unterrichten. Unsere Motivation hat sich seit dem ersten Lockdown positiv verändert. Wir haben gemerkt, dass es ernst wird und dass das Homeschooling unsere Noten beeinflusst. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, stärker mitzuarbeiten, weil wir nicht wollen, dass unsere Noten schlechter werden.

Unsere Wünsche für einen zukünftigen Lockdown sind, dass bei einigen Fächern weniger Aufgaben kommen sollten, weil es manchmal zu viel wird. Die Regierung sollte schlau entscheiden und uns so früh wie möglich mitteilen, ob es einen dritten Lockdown geben wird. Es müssten sich auch die Unterrichtszeiten ändern, weil sie viel zu lange sind und unsere Augen dadurch geschädigt werden, dass wir dauerhaft vor unseren Computer sitzen müssen. Man könnte auch versuchen, eine Art „hybriden Unterricht“ einzuführen. Das würde heißen, dass es z.B. drei Tage Unterricht online gibt und die anderen zwei in der Schule.

Cäcilia, Antonio, Ermal und Zehra

Vier

Der Lockdown I unterscheidet sich nicht sonderlich vom zweiten Lockdown, vor allem was die Schule betrifft, weil die Regelungen aus unserer Sicht gleichgeblieben sind. Unsere Eindrücke haben wir in diesem Bericht diskutiert. 

Im Lockdown fällt es uns leichter aufzustehen, weil wir länger schlafen können. Außerdem können wir uns den Arbeitsplatz aussuchen. Beim Distance-Learning fühlt sich der Tag ab 16:00 Uhr nicht mehr so kurz an. Außerdem ist der Kontakt mit der Familie sehr begrenzt. Das liegt daran, dass wir den ganzen Tag im Zimmer verbringen und diesen Ort so gut wie nie verlassen.

Hier haben wir die Vor- und Nachteile aufgelistet, die sich aus unserer Sicht während der Home-Learning-Phase ergeben haben: 

Vorteile sind, dass wir weniger Hausübungen bekommen, dass wir uns den Weg zur Schule sparen und dass wir dem Unterricht gemütlich aus unserem eigenen Zimmer folgen können.

Nachteile sind, dass wir den ganzen Tag vor unseren Bildschirm sitzen müssen und wir ständig unter Kopfschmerzen, Augenschmerzen oder Nackenschmerzen leiden. Außerdem verlieren wir leichter die Übersicht über die Aufgaben. 

In den ersten Stunden sind die Schüler*innen meistens noch sehr verschlafen und unkonzentriert – das ist aber auch in der Schule der Fall. Viele Schüler*innen sind sich einig, dass man neue Skills erlernt hat und sich gut mit neuen Apps auskennt.  Den Lehrer*innen scheint es im zweiten Lockdown etwas besser zu gehen.

Viele Schüler*innen wünschen sich, dass die etwas unnötigeren Stunden beim Home-Learning weggelassen werden sollten und die Schule generell später beginnen sollte. Außerdem sollte die Regierung die ganze COVID-19 Situation nicht auf die leichte Schulter nehmen, weil doch am Ende des Tages Menschenleben gefährdet werden, wenn die Maßnahmen so locker bleiben.

Sara C., Hanin, Murat und Aldin

Fünf

Der erste Lockdown begann am 16. März 2020. Die meisten Menschen stiegen auf Home-Office um und es wurden strenge Maßnahmen gesetzt. Am 2. November begann der zweite Lockdown mit ähnlichen Maßnahmen. 

Der erste Lockdown kam für jeden sehr überraschend und wir wussten nicht, was alles auf uns zukommen wird. Wir hatten Panik und wussten nicht, wie wir zu agieren haben. Es gab eine Ausgangssperre. Menschen durften ihren Haushalt nur aus bestimmten Gründen verlassen. Die Bevölkerung war mit der Lage überfordert und man wusste nicht, wie es weiter gehen würde. Die Schulen wurden geschlossen und Home-Schooling wurde eingeführt. Im ersten Lockdown gab es keine Besprechungen bzw. keinen Live-Unterricht, außer die Lehrkraft bestand darauf. Es wurden viele Arbeitsaufträge ausgegeben, die wir individuell zu erfüllen hatten. Im November kam es zu einem zweiten Lockdown. Im zweiten Lockdown wusste die Bevölkerung bereits, was auf sie zukommen wird. Man hatte bereits Erfahrungen gesammelt und konnte sich gut organisieren.

Die Vorteile des zweiten Lockdowns sind, dass wir uns jetzt besser auskennen. Wir waren auf den zweiten Lockdown vorbereitet und wussten, was auf uns zukommen wird. Im zweiten Lockdown findet der Unterricht laut Stundenplan statt und wir bekommen trotz der Online-Besprechungen viele Aufträge, die wir erfüllen müssen. Nach dem Schultag sitzen wir noch lange an unseren Aufgaben und sind dann sehr erschöpft, weil wir uns kaum ausruhen können.

Ein Unterschied zum ersten Lockdown ist, dass wir keine Motivation mehr haben, weil wir kaum Freizeitaktivitäten ausüben können.

Die Maßnahmen werden ab dem 7. Dezember gelockert. Die Home-Learning-Phase bleibt für die Oberstufe aufrecht. Laut unserem Direktor werden wir nur zwei Schularbeiten in diesem Semester schreiben. Das stellt eine Erleichterung dar.

Unsere Vorschläge für einen dritten Lockdown wären, dass der Unterricht nicht laut Stundenplan stattfinden sollte, damit wir nicht den ganzen Tag vor dem Computer sitzen. Falls es nicht geht, möchten wir nicht so viele Arbeitsaufträge/Hausübungen bekommen.

Berdan, Fatma, Sara S. und Tamara

Sechs

Jetzt haben wir schon den zweiten Lockdown und es lassen sich viele Unterschiede zeigen.

Den ersten Lockdown haben wir als viel schlimmer in Erinnerung. Erstens dauerte er länger und für alle war die Situation neu und ungewiss. Alle Schüler*innen haben sich mit der Online-Phase sehr schwergetan, weil die Erfahrung mit Teams noch nicht vorhanden war. Doch im jetzigen Lockdown sind alle gut darauf vorbereitet, können besser mitmachen und nehmen die Home-Learning-Phase sowie die Maßnahmen ernster.

Die schulischen Veränderungen sind, dass der Online-Unterricht nach Stundenplan abläuft und dass meistens eine Video-Konferenz stattfindet. Das war im ersten Lockdown nicht der Fall. Ein Vorteil davon ist, dass wir jetzt nicht so viele Arbeitsaufträge bekommen und dadurch nach dem Online-Unterricht Zeit haben, mit unserer Familie zu Hause etwas zu unternehmen.

Das große Problem im März-Lockdown war die fehlende Motivation der Schüler*innen. Das lag vor allem daran, dass keine Fehlstunden gezählt wurden. Außerdem rückte das Schulende näher und viele freuten sich, endlich wieder einen „normalen“ Alltag zu haben.

Außerdem waren die Lehrer*innen im März wegen der vielen zu erstellenden Aufgaben genauso überfordert wie wir. Auch sie waren häufig unwissend im Umgang mit Teams. Diese Unwissenheit teilten wir.

Im Gegensatz dazu ist diesmal die Motivation höher, weil sich alle besser mit den Online-Tools auskennen und sie wissen, wie sie in schweren Zeiten zu handeln haben. Diesmal können wir mit dem Lockdown-Stress und Druck besser umgehen.

Im Falle eines 3. Lockdowns wünschen wir uns, dass im Online-Unterricht mehr selbstständiges Arbeiten erlaubt ist und die Konferenzen wegfallen.

Aylin, Melisa, Kimberley und Michelle

Sieben

Der erste Lockdown begann am 16. März 2020. Er kam unerwartet. Wir wussten nicht wirklich, wie es weiter gehen wird. Wegen einer Ausgangssperre durften Menschen nur aus bestimmten Gründen den Haushalt verlassen. Es gab sehr viele Veränderungen in der Familie, aber auch in den Schulen. Das soziale Leben veränderte sich sehr stark, weil man nicht mehr so viele Freiheiten hatte.

Im ersten Lockdown war man nicht an den Online-Unterricht gewöhnt. Er kam plötzlich und für alle überraschend. Wir mussten alle Bücher nach Hause mitnehmen und uns auf vielen Online-Plattformen registrieren. Wir sollten über Internet verfügen, um am Online-Unterricht teilnehmen zu können. Einen Laptop oder Computer sollten wir auch zur Verfügung haben, um dem Unterricht zu folgen und die Arbeitsaufträge zu erledigen…

Beim zweiten Lockdown waren wir besser vorbereitet.

Im zweiten Lockdown hat sich der Tagesplan nicht stark verändert. Wir müssen laut Stundenplan anwesend sein und haben diesmal daher weniger Arbeitsaufträge. Da wir schon in der Früh wach sein müssen, können wir unsere Arbeitsaufträge früher erledigen und haben dadurch mehr Zeit für unser familiäres Leben.

Ein weiterer Vorteil ist, dass wir uns zuhause nicht so schnell ablenken lassen, wie in der Schule. Ein Nachteil ist aber, dass wir den ganzen Tag vor dem Laptop sitzen müssen.

Im zweiten Lockdown sind wir viel selbstsicherer und selbstbewusster. Wir wissen, wie man in Teams arbeitet. Auch die Stimmung war im ersten Lockdown angespannter. Die Motivation der Lehrer*innen ist jetzt viel besser. Wir denken, dass es daran liegt, dass sie viel organisierter sind. Die Motivation der Schüler*innen ist gleichgeblieben und genauso die Atmosphäre in der Klasse.

Wir sind der Meinung, dass es besser wäre, wenn man weniger Online-Konferenzen hat und man die Aufgaben in den Stunden erledigen kann, damit wir nicht so viele Stunden vor dem Computer sitzen müssen.

Im Falle eines dritten Lockdowns sollte die Regierung alles früher mitteilen, sodass sich die Schüler*innen, aber auch die Lehrer*innen besser darauf vorbereiten können. In den ersten zwei Stunden sind die Schüler*innen noch sehr verschlafen und können sich somit nicht so gut konzentrieren. Unserer Ansicht nach sollte daher der Unterricht erst um 10 Uhr beginnen.

Leonora, Din, Gabriel und Hatidza

Lesezeit: 6 Minuten

Alice*: Da die Schüler*innen aus meiner Klasse das System mit dem wir arbeiten bereits gut kannten, war es weniger chaotisch als erwartet. Die meisten Schüler*innen waren trotzdem am Montag sehr aufgeregt und überfordert – vor allem wegen der technischen Herausforderungen bzw. fehlender technischer Unterstützung zuhause. Laptops, gute Internetverbindung bzw. ruhige Arbeitsplätze sind weiterhin oft nicht vorhanden! Nach einem anfänglichen “Frau Lehrerin, warum müssen wir immer so früh aufstehen?”-Jammern, habe ich seit Tag 1 eine Anwesenheit von 90% in den Video-Calls und die meisten Kids sind froh, dass es weiterhin eine Struktur gibt bzw. die gewohnte Routine aufrecht bleibt (früh aufstehen, 1. Videocall, nach Stundenplan die Aufgaben erledigen, Fragestunde,…). Heutiges Feedback von einem Schüler: “Ich habe gedacht dieses ganze Online-Ding wird ur schwierig, aber ist eh ur leicht, Frau Lehrerin.”

Pia: Unsere Schüler*innen wurden bereits in den letzten Wochen auf den heutigen Tag eingestimmt. Sie wissen, wo sie die Aufgaben finden und wie sie am Online-Unterricht teilnehmen. Im Videounterricht heute haben wir einander freudig begrüßt, bis auf ein paar Ausnahmen waren alle online. Ein Teil der Schüler*innen war sogar schon 15 Minuten früher online. Sie waren voller Vorfreude und sagten: „Ich wollte nur sicher gehen, dass es funktioniert.“ Das hat es! Die Hälfte der Klasse hat schon jetzt die Hausübung abgegeben und das obwohl sie bis 16 Uhr Zeit haben. Einige haben vorgearbeitet und die Aufgaben in Mathematik für heute und morgen schon gemacht.

Fabian: Die Stimmung ist entspannt, sowohl bei den Lehrer*innen als auch bei den Schüler*innen. Diesmal hat man sich etwas auf den Lockdown vorbereiten können. So wurden z.B. manche Themen, die sich für das Distance Learning eignen zurückgehalten, damit sie dann jetzt als Thema gegeben werden (z. B. die Freiarbeit, die sich für das Selbststudium hervorragend eignet). Auch bei den Schüler*innen ist eine Routine erkennbar, auch weil zuvor schon im Regelunterricht mit Moodle gearbeitet wurde. Sie arbeiten die einzelnen Punkte auf ihrer Liste ab, die der Klassenvorstand und die Klassenbetreuerin erstellt haben. Wir haben 25 Laptops und 25 Tablets zum Ausborgen gehabt, davon sind noch 2 Laptops und 16 Tablets übrig. Die Endgeräte waren an unserer Schule aber im Frühjahr schon kein großes Problem. 

Laura und Barbara: Die Kinder sind diesmal klarerweise weniger aufgeregt, selbstständiger und routinierter. Sie kennen die Abläufe und es gibt kaum technische Hürden mehr. Gleichzeitig haben wir aber auch den Eindruck, dass sie etwas schwieriger zu motivieren sind als im 1. Lockdown, in dem noch alles irgendwie “aufregend und neu” war. Wir erleben allerdings auch, dass Schüler*innen sich und ihre Arbeitsweise zunehmend besser einschätzen. So haben sich bereits am 2. Lockdown-Tag einige freiwillig für die Betreuung angemeldet. Da sich viele mit mehreren Geschwistern und Familienangehörigen verhältnismäßig wenig Wohnraum teilen, genießen sie in der Schule die ruhige und geordnete Arbeitsatmosphäre und die Möglichkeit, Unterstützung zu erhalten.

Dominik: Nach wie vor haben nicht alle Schüler*innen die notwendigen Geräte, immerhin sind diese Woche einige eingetroffen,die jetzt dort zum Einsatz kommen, wo sie am dringendsten benötigt werden. Eine Herausforderung ist weiterhin, die Motivation der Schüler*innen zu stärken und jene mitzunehmen, die mit beengten Wohnverhältnissen oder fehlender Ruhe zu kämpfen haben.

Lukas: Die Kinder sind großteils gut vorbereitet, einen Online-Unterricht zu überstehen, ja, teilweise sogar davon zu profitieren. So halbwegs. Vermutlich. Immerhin sind sie im Umgang mit dem bereits erwähnten MS Teams in den letzten Monaten von einem Teil der Kolleg*innenschaft vertraut gemacht worden. Nur unsere Erstklässler kommunizieren über zwischengeschaltete Erziehungsberechtigte via Schoolfox. Aber auch das geht so halbwegs. Die Motivation der Kinder ist – noch – gut, vor allem deswegen, da drei Wochen ein absehbarer Zeitraum sind. Das Motto bei Klein und Groß lautet momentan „Des biag ma scho ummi„. Waldviertlerisch sollte man in Wien ja auch verstehen. Ich übersetze es also nicht.

Johannes: Ich habe auch das Gefühl, dass die Schüler*innen diesmal insgesamt besser mit der Situation umgehen. Schon alleine das (hoffentlich haltbare) klar vorbestimmte Ende des Lockdowns macht die Sache für die Schüler*innen, aber auch für Lehrer*innen deutlich leichter. Auch haben die Kinder den ganzen Herbst über selbst mit der Möglichkeit eines zweiten Lockdowns gerechnet, immer wieder gefragt, ob es jetzt soweit ist. Manche Kinder haben sich sogar darüber gefreut, jetzt wieder knappe drei Wochen von zu Hause aus arbeiten zu können, manche waren eher traurig darüber und haben sich eher davor gefürchtet. Als erstes Fazit nach einer Woche erlebe ich vor allem die täglichen Online-Unterrichtseinheiten als sehr angenehm und ich habe auch das Gefühl, dass es den Kindern hilft und ihnen guttut, diesen täglichen Austausch zu haben. Die technische Ausstattung und der Umgang damit ist diesmal (fast) gar kein Thema mehr. Manko bleibt aber trotz der deutlich besseren Voraussetzungen die Probleme mancher Schüler*innen mit dem selbstständigen Arbeiten zu Hause, oft ohne Unterstützung von Eltern oder älteren Geschwistern. Viele scheitern teilweise immer noch daran. Diese Schüler*innen und deren Eltern fordern wir dieses Mal jedoch sehr aktiv dazu auf, die Betreuungsmöglichkeit in der Schule wahrzunehmen. 

Susanne: Am Dienstag war ich noch ein bisschen in Sorge, wie denn die Betreuung klappen sollte. Unterschiedliche Altersgruppen und Schulstufen, und die damit verbundenen unterschiedlich Aufgabenstellungen. Sicher eine besondere Herausforderung. Heute, nach fast einer Woche, stelle ich zu meiner großen Freude fest, dass meine Befürchtungen unbegründet waren. Alle waren die ganze Woche gerne in der Schule, hatten nicht das Gefühl, dass sie deshalb in irgendeiner Form defizitär wären. Im Gegenteil, sie freuen sich auf Montag. Den Lockdown selbst empfinden die meisten als einen groben Einschnitt. Freund*innen treffen, draußen Fußball spielen, ins Kino gehen, das fehlt ihnen am meisten. Und sie machen sich Sorgen, ziemlich erwachsene Sorgen. Sie haben Angst vor dem Virus, und dass ihre Eltern ihre Jobs verlieren könnten. Eine Schülerin hat mir erzählt, dass der Frisörsalon ihrer Mutter jetzt pleite ist. Dass sie richtig sparen müssen. Auch deshalb ist sie in der Schule, alles besser als zuhause zu sein. „Aber,“ hat sie mir versichert, „ich spare jetzt richtig. Ich brauche keine neuen Sachen. Ich glaube ich wachse eh nicht mehr.“  Das Schlimmste war, ich konnte sie nicht einmal in den Arm nehmen. Mein Fazit: Lernen und Lehren braucht Nähe zu den Schüler*innen. Schüler*innen und Lehrer*innen brauchen sich gegenseitig, und zwar am selben Ort.

Reza: Nachdem unser Distance Learning mit dem Terroranschlag zusammenfiel, drehten sich die ersten Tage vor allem um die Aufarbeitung des Attentats und der persönlichen und kollektiven Care-Arbeit. In den darauffolgenden Tagen spielte sich der Online-Unterricht überraschend schnell ein. Das liegt daran, dass wir an unserer Schule das große Privileg einer guten EDV-Infrastruktur genießen. Zumindest im Vergleich zu vielen anderen Schulen. Daher verfügen die Schüler*innen über ein gutes technisches Know-how und es blieben nennenswerte technische Schwierigkeiten aus. Vielmehr galt es zu Beginn des Lockdowns, einige Schüler*innen an den Online-Unterricht nach Stundenplan zu erinnern. Hier tendierten einige zum Fernbleiben bzw. dachten, dass es wie im Frühjahr gestaltet werden würde (Arbeitsaufträge gemäß den Wochenstunden). Insgesamt zeigten die Rückmeldungen der Schüler*innen eine große Akzeptanz des Home-Schoolings. Auch gegenüber den neuen Formaten. Dieses führe, so viele Schüler*innen, dazu, dass die meisten Lehrer*innen eher zu angemessenen Aufgabenstellungen betreffend die Zeit und den Umfang neigen. Ansonsten schwanken die Gemüter zwischen Humor und Resignation. Je nach Wochentag oder Tageszeit. Ein Schüler meinte unlängst, die Schulleistung würde besser, das soziale Leben schlechter. Zu den größten Hürden des Lockdowns dürften daher die Einschränkungen im sozialen Nahbereich sowie die unterbundene Kontaktpflege gehören. Wenig überraschend.

Lena: Die Reaktionen der Schüler*innen letzten Montag vor dem Lockdown waren sehr unterschiedlich. Einige waren sehr froh, sich dem Risiko, Corona zu bekommen, nicht mehr aussetzen zu müssen und andere hatten Angst, zuhause wieder nicht arbeiten zu können. Bis auf die ersten Klassen, bei denen es teilweise noch Probleme gab, waren aber alle Schüler*innen mit Teams ausgerüstet und wussten durch viel Üben und etliche „geprobte“ Online-Stunden, wie’s funktionieren wird. Dass der Stundenplan so weitergeführt wird und sie trotzdem einen geregelten Tagesablauf haben, beruhigt sie denke ich auch sehr. Vor allem die 3. und 4.-Klässler, die größtenteils auch den letzten Lockdown bravourös gemeistert haben, gingen am Montag sehr „gechillt“ nach Hause. Ein Schüler aus der 4. Klasse hat sich sogar mit „Happy Lockdown, bis in 3 Wochen!“ verabschiedet. Die ersten Klassen waren eher verunsichert, je öfter wir uns aber online treffen und sie merken, dass sie nicht alleine gelassen werden, umso erleichterter und glücklicher wirken sie. 

Sophia: „Juhuu, Coronaferien!“ Eine Aussage, die ich beim ersten Lockdown doch öfter gehört habe. Bei der zweiten Schließung hörte ich diesen Satz jedoch nicht ein einziges Mal. Die Schüler*innen hatten schon eine Ahnung, was auf sie zukommen wird und wussten bereits, dass das nichts mit Ferien zu tun hatte. In unseren Reflexionen nach der ersten Lockdownwoche schrieben sie Aussagen auf wie:

Lockdown ist? Doof. Es ist besser in der Schule.

In der Schule lernen wir mehr.

Ich hasse es, meine Freunde nicht zu sehen.

Wir haben zwar viel dazugelernt, aber ich fühle mich so eingeschränkt, ich möchte wieder raus und in die Schule gehen.

Aber, sie freuen sich durchwegs, endlich ein wenig länger schlafen zu können, die ersten Live Sessions beginnen erst um 8 :)

*Alle Namen von der Redaktion geändert.

Alice unterrichtet an einer Mittelschule in Wien.

Pia unterrichtet an einer Mittelschule in Wien.

Fabian unterrichtet an einer AHS-Unterstufe in Wien.

Laura und Barbara unterrichten an einer Mittelschule in Wien.

Dominik unterrichtet an einer Mittelschule in Niederösterreich.

Lukas unterrichtet an einer Mittelschule in Niederösterreich.

Johannes unterrichtet an einer Mittelschule in Wien.

Susanne unterrichtet an einer Mittelschule in Wien.

Reza unterrichtet an einer BHAK in Wien.

Lena unterrichtet an einer Mittelschule in Wien.

Sophia unterrichtet an einer Mittelschule in Wien.

Lesezeit: 7 Minuten

Ein knappes halbes Jahr ist seit Ende des ersten Lockdowns vergangen. Damals im März wurden wir in allen Lebensbereichen überrumpelt. Auch in der Schule fehlte es an vielem: Vorbereitungszeit, technischer Ausstattung und Know-How. Es war für alle Beteiligten ein Sprung ins kalte Wasser. Anders als damals, kam der zweite Lockdown und die damit einhergehenden Schulschließungen für die meisten nicht wirklich überraschend. Doch was haben Schulen und Lehrkräfte wirklich dazugelernt, wie wurden Kinder auf das Homeschooling vorbereitet, welche Baustellen bestehen nach wie vor und wie steht es um die Arbeitsmotivation im 2. Lockdown? Wir haben uns unter Lehrkräften umgehört. So viel können wir schon verraten: Wieder ist das Gelingen vor allem dem Einsatz einzelner Lehrkräfte und Schulleitungen zu verdanken, strukturelle Unterstützung “von oben” gibt es nach wie vor kaum. 

Was unterscheidet für dich den zweiten vom ersten Lockdown? Was hat deine Schule aus dem ersten Lockdown gelernt?

Alice*: Seit dem 1. Lockdown wurde bei uns an der Schule viel umgestellt. Wir hatten dank des letzten Lockdowns endlich einen Digitalisierungsschub an der Schule und jede Klasse hat jeweils drei Laptops und einen Beamer erhalten. Zusätzlich haben wir uns auf eine E-Learning-Plattform einheitlich geeinigt – alle (sollten) Google Classroom verwenden. Jede*r Schüler*in  hat zu Schulanfang auch eine eigene Schul-Emailadresse erhalten. Während einige Lehrer*innen ab Schulanfang die meisten Hausübungen, Aufgaben und Benotungen nur noch über Google Classroom gemacht haben, wurden andere von diesem 2. Lockdown komplett überrascht und sind seit Montag gerade erst dabei den Kindern (und sich selbst) beizubringen wie man sich jetzt eigentlich anmeldet. Hier hätte meiner Meinung nach die Direktion mehr dahinter sein müssen! In meiner Klasse haben wir in allen Fächern alle Aufgaben und Benotungen seit Schulanfang nur noch über Classroom gemacht, sowie auch die Abgabe der Hausübungen online ermöglicht. Für meine Kinder ändert sich die Arbeitsweise nicht, sondern nur noch, dass die Input- und Fragestunden online stattfinden. Die meisten andere Routinen, sowie Arbeitsweisen wie Wochenpläne, können weitergeführt werden wie bisher. Es gibt bei uns einen täglichen Login um 9 Uhr in einem Videocall, wo sich alle Schüler*innen einloggen und der Tagesplan besprochen wird. Zusätzlich gibt es Check-in Stunden in allen Fächern, wo die jeweiligen Fachlehrer*innen für Fragen online immer zur Verfügung stehen.

Pia: Der Lockdown 2 war sehr gut vorbereitet an unserer Schule. Bereits zu Schulbeginn haben wir uns für die Lernplattform entschieden, die digitale Kommunikation für die Eltern eingerichtet und etabliert.In den letzten zwei Wochen liefen meine Aufgabenstellungen, Abgaben und Korrekturen online ab. Die Schüler*innen konnten sich an die Form der Zusammenarbeit gewöhnen und Probleme haben wir vorab gelöst.In meinen Klassen richteten wir bereits im ersten Lockdown vor Ostern eine Lernplattform und Videounterricht ein, jedoch war es sehr kompliziert die individuellen technischen Probleme, das Kennenlernen und das Verständnis für die Technik von zu Hause aus zu lösen. Beim ersten Lockdown haben wir für die Schüler*innen ohne Endgerät Handys organisiert. Diesmal sind die Schüler*innen schon besser vorbereitet und nur wenige brauchen ein zusätzliches Endgerät. Die gesamte Schule arbeitet jetzt über eine Plattform, das macht es Kolleg*innen, die in allen Stufen arbeiten, leicht. Unsere Direktorin hat den finanziellen Schritt gewagt, Endgeräte für alle Kolleg*innen, die eines benötigen, zu besorgen und das trotz der geringen finanziellen Mittel.

Fabian: Was auffällt ist, dass alle Schüler*innen nun auf einer Plattform (Moodle) Zugänge haben und eingeschult sind, weil dies schon vorab im Unterricht eingeübt wurde. Es gibt Klassenkurse, von denen die einzelnen Fachkurse zu erreichen sind und zudem die Videostunden koordiniert, sowie Streaminglinks angelegt sind. Zudem haben die Schüler*innen dort einen Überblick, was bis wann in welchem Fach zu erledigen ist. Die Kommunikation läuft auch über Moodle. Da alle auch die App am Handy haben, können die Lehrfilme direkt dort angeschaut werden und die Arbeitszeit am Computer und Laptop somit verringert werden, dies war ja im 1. Lockdown auch eine Engstelle. Auch die Lehrer*innen sind organisierter mit Moodle, zu dem jede*r zuvor eine Einschulung erhalten hatte. Zudem wurde jede zweite Klasse mit WebCams ausgestattet, sodass ein Unterrichts-Live-Streaming möglich ist. Die Hauptgegenstände müssen mindestens einmal pro Woche eine Onlinestunde anbieten, die Nebengegenstände können dies tun. Das aufgestockte vierköpfige IT-Team unterstützt dabei kompetent die anderen Lehrer*innen. 

Laura und Barbara: Nach dem Ende des letzten Lockdowns war bei einigen Lehrer*innen unserer Schule die Motivation den Unterricht generell digitaler zu gestalten groß. Doch sehr schnell hat sich wieder die althergebrachte analoge Routine eingeschlichen. Eine schulinterne Lehrer*innenfortbildung zum Programm MS Teams vor einigen Wochen hat einigen diesen Vorsatz wieder in Erinnerung gerufen. Im Unterschied zum ersten Lockdown sind viele Lehrer*innen-Teams diesmal strukturierter und besser vernetzt. Es wird nun auch darauf geachtet, den Gesamtaufwand der Schüler*innen im Blick zu behalten, indem sich die einzelnen Fachlehrer*innen besser austauschen. Außerdem löst MS Teams schrittweise die Kommunikation via WhatsApp ab. Während wir für unsere Klasse im 1. Lockdown tägliche Zoom-Unterrichtsstunden gehalten haben, haben wir uns dieses Mal dafür entschieden, die Möglichkeit der “Lerngruppen” vor Ort zu nutzen. In Kleinstgruppen kommt nun jedes Kind einmal pro Woche für drei Stunden (Englisch, Mathematik und Deutsch) in die Schule. Einerseits ist das für die Kinder eine willkommene Abwechslung und andererseits stellen wir fest, dass der Lerneffekt und die Nachhaltigkeit  einer Stunde realen Unterrichts wesentlich größer ist als online. Für die übrigen Schultage haben die Kinder einen Arbeitsplan, der Aufgaben für alle Fächer enthält, die innerhalb einer Woche abgegeben werden müssen. 

Dominik: Im Vergleich zum Frühjahr ging unsere Schule fast entspannt in den Lockdown. Einige Lehrer*innen nutzten die Zeit seit Schulbeginn, um die Google Suite for Education (und damit Google Classroom, einheitliche Email-Adressen für die Schüler*innen, Chat-Funktionen, etc.) und SchoolFox für die digitale Kommunikation mit den Eltern zu ermöglichen. Die Kolleg*innen wurden bereits im Vorfeld eingeschult, erstellen nun eigenständig Aufgaben über Google Classroom oder halten ihre Stunden zum Teil mit großer Begeisterung online ab.

Lukas: Der primäre Unterschied zum ersten Lockdown im März besteht an unserer kleinen, feinen Landschule (der nördlichsten Mittelschule Österreichs) darin, dass sich auch die letzten Arbeitsblattfanatiker*innen mittlerweile tränennassen Auges – und sich leise seufzend in Resignation hüllend – mit der ausschließlich digitalen Kommunikation zwischen ihrer (Lehr-)Person und den Schüler*innen abgefunden haben. Als neues Selbstverwirklichungsfeld wurde nun die Videokonferenz via MS Teams entdeckt. Dass diese Vorliebe allerdings zu Spitzenzeiten die Internetverbindung unserer Schule (in der allerdings ohnehin nur etwa 15 Prozent der Kinder anwesend sind) zum Schwächeln oder kompletten Erliegen bringt, sei hier lediglich als Randnotiz vermerkt.

Johannes: Im Vergleich zu Lockdown 1 waren wir diesmal einfach viel besser vorbereitet. Im Prinzip haben wir unsere Kinder schon seit September auf diesen Fall vorbereitet. Im September ist unsere ganze Jahrgangsstufe mit Laptops ausgestattet worden und wir sind darauf übergegangen, Hausaufgaben digital zu verschicken und anzunehmen. Auch im Unterricht haben wir die Laptops der Kinder verstärkt eingesetzt. Deshalb waren die ganzen technischen Schwierigkeiten oder unzulängliche Ausstattung (mit Ausnahme WLAN!) diesmal kein Thema. Dazu haben wir mit den Kindern schon sehr früh besprochen, dass, sollte ein zweiter Lockdown kommen, sie nach Stundenplan arbeiten müssen. Wir schauen diesmal sehr genau darauf, dass die Kinder wirklich schon ab 8 Uhr an ihren Geräten arbeiten. Mathe, Deutsch und Englisch unterrichten wir jeweils viermal die Woche/Klasse online, wobei für alle Anwesenheitspflicht gilt. Die Aufgaben in den Nebenfächern sollen sie nach Möglichkeit auch in den nach Stundenplan dafür vorgesehenen Stunden erledigen. 

Susanne: Ich habe mich beim 2. Lockdown bewusst für die Betreuung an der Schule entschieden. Ich verbringe die Zeit mit den Schüler*innen, die spätestens seit dem ersten Lockdown wissen, dass es ihnen vor Ort besser geht. Manche wären den ganzen Tag alleine zuhause, weil ihre Eltern arbeiten müssen. Andere brauchen unsere Unterstützung und ein paar wenige sind auf Empfehlung ihrer Lehrer*innen da. Seit Dienstag waren immer zwischen 20 und 30 Schüler*innen anwesend. Deutlich mehr als im Frühjahr, wo maximal 10 Schüler*innen zur gleichen Zeit in der Schule waren. Wobei damals, zumindest am Anfang des Lockdowns, nur jene Schüler*innen kommen sollten, deren Eltern in sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiten. Im 1. Lockdown habe ich die Schüler*innen nahezu ausschließlich von zuhause betreut. Klar, ich habe viele von ihnen erreicht. Dennoch hatte ich das Gefühl unendlich weit weg von der Schule zu sein. 

Reza: Das Schuljahr startete bei uns schon mit der Vorkehrung für ein erneutes Distance Learning. So wurde geschaut, dass sich alle (neuen) Schüler*innen mit Microsoft Teams vertraut machen und über entsprechende Gerätschaften wie Kameras oder Mikrofone verfügen. Darüber hinaus wurde versucht, Leihgeräte für jene zu organisieren bzw. zu beschaffen, die zu Hause über gar keine bzw. zu wenige verfügten. Und vor den Herbstferien waren alle aufgefordert, ihre Schul- bzw. Arbeitssachen mitzunehmen. Denn die Möglichkeit eines erneuten Lockdowns wurde greifbar. Nach den Herbstferien setzte in allen Oberstufen das Home-Learning ein. Im Vergleich zum ersten Mal mache ich zwei Unterschiede fest. Erstens: Lag im Frühjahr die Wahl der Plattform bei den Lehrer*innen, müssen diesmal alle mit Teams arbeiten. Hier fand somit eine Vereinheitlichung statt. Die, wie alles, Vor- und Nachteile besitzt. Ich persönlich arbeite in weiten Teilen sehr gerne mit Teams und würde allein bei den Telefonkonferenzen gerne auf Zoom ausweichen. Zweitens: Richteten sich im Frühjahr die Aufgaben an die Wochenstunden, aber nicht selbst an den Stundenplan, müssen wir diesmal minutiös nach diesem unseren online Unterricht halten. Der Vorteil: Es wird ein enger Kontakt mit den Schüler*innen gepflegt und sie erhalten eine Tagesstruktur. Mich persönlich beschäftigt am meisten die Raumsituation vieler meiner Schüler*innen. Gerade in den Telefonkonferenzen höre ich alltäglich, dass viele keinen Rückzugsort haben, wo sie in Ruhe und im Privaten arbeiten können. Umso perfider klingt die Anmerkung des Bildungsministers, mensch solle Spiel- und Arbeitsbereich trennen, in meinen Ohren. Zu guter Letzt ist im Austausch mit den Kolleg*innen zu bemerken, dass vor allem die mangelnde Information der Regierung sowie der nicht vorhandene Mut seitens des Bildungsministeriums, innovative und neue Ideen/Projekte/Unterrichtsformen/Räume etc. auszuprobieren, zur Weißglut treibt! Eine Pressekonferenz reiht die nächste, doch die Informationen und Lösungsansätze gehen über reinen Populismus nicht hinaus. Dabei gäbe es so viele kluge und gute Alternativen! Dazu müsste mensch aber zuhören wollen.

Lena: Man hat durchaus gemerkt, dass wir auf diesen Lockdown besser vorbereitet waren, als auf den letzten. Obwohl es für Landesschulen in Wien noch immer nicht flächendeckend Endgeräte für die Schüler*innen gibt und das in unserer Brennpunktschule ein relativ großes Problem ist, konnten wir zumindest am Sonntag noch Laptops für die Schüler*innen bestellen, die gar keinen anderen Zugang zu Internet haben. Diese wurden dann gleich am Montag geliefert und konnten von den betroffenen Schüler*innen mit nach Hause genommen werden. Dadurch, dass diesmal oft betont – und so auch von den Medien kommuniziert wurde -, dass die Schulen diesmal „wirklich offen“ hätten, herrscht auch weniger Druck auf den Schüler*innen und uns, weil wir wissen, wenn es ihnen zuhause schwer fällt zu arbeiten, können sie jederzeit problemlos in die Schule kommen und werden dort unterstützt. Die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen der Betreuung in der Schule und den Lehrer*innen, die von zuhause via Videokonferenz unterrichten, ist dieses Mal auf jeden Fall besser. 

Sophia: Der erste Lockdown kam sehr überraschend und ohne jegliche Vorbereitung. Wir starteten in unserem Jahrgang mit Google Classroom, was wir während der Osterferien auf unsere gesamte Schule ausweiteten. Bereits seit des Schulstarts im September führt jede Klasse alle Aufgaben auch auf Google Classroom, die Schüler*innen mussten somit täglich damit arbeiten und brauchten keine Einführung/Erklärung mehr. Nächste Woche holen wir jene Schüler*innen in die Schule, die zu Hause die Aufgaben nicht (gut) bewältigen können, um sie zusätzlich zu unterstützen. Eine wichtige Maßnahme, die den zweiten Lockdown erheblich erleichtert. Dennoch stellt dieser uns vor neue Herausforderungen, die Müdigkeit ist deutlich zu spüren – und Fragen tauchen bei uns und v.a. bei den Kids auf: „Wie lange wird uns das noch begleiten?“ „Wird es nach dem Lockdown Sicherheitsvorkehrungen geben und wie werden diese kommuniziert?“ „Wann werden wir wieder normal Unterricht haben?

*Alle Namen von der Redaktion geändert.

Alice unterrichtet an einer Mittelschule in Wien.

Pia unterrichtet an einer Mittelschule in Wien.

Fabian unterrichtet an einer AHS-Unterstufe in Wien.

Laura und Barbara unterrichten an einer Mittelschule in Wien.

Dominik unterrichtet an einer Mittelschule in Niederösterreich.

Lukas unterrichtet an einer Mittelschule in Niederösterreich.

Johannes unterrichtet an einer Mittelschule in Wien.

Susanne unterrichtet an einer Mittelschule in Wien.

Reza unterrichtet an einer BHAK in Wien.

Lena unterrichtet an einer Mittelschule in Wien.

Sophia unterrichtet an einer Mittelschule in Wien.