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Alice*: Da die Schüler*innen aus meiner Klasse das System mit dem wir arbeiten bereits gut kannten, war es weniger chaotisch als erwartet. Die meisten Schüler*innen waren trotzdem am Montag sehr aufgeregt und überfordert – vor allem wegen der technischen Herausforderungen bzw. fehlender technischer Unterstützung zuhause. Laptops, gute Internetverbindung bzw. ruhige Arbeitsplätze sind weiterhin oft nicht vorhanden! Nach einem anfänglichen “Frau Lehrerin, warum müssen wir immer so früh aufstehen?”-Jammern, habe ich seit Tag 1 eine Anwesenheit von 90% in den Video-Calls und die meisten Kids sind froh, dass es weiterhin eine Struktur gibt bzw. die gewohnte Routine aufrecht bleibt (früh aufstehen, 1. Videocall, nach Stundenplan die Aufgaben erledigen, Fragestunde,…). Heutiges Feedback von einem Schüler: “Ich habe gedacht dieses ganze Online-Ding wird ur schwierig, aber ist eh ur leicht, Frau Lehrerin.”

Pia: Unsere Schüler*innen wurden bereits in den letzten Wochen auf den heutigen Tag eingestimmt. Sie wissen, wo sie die Aufgaben finden und wie sie am Online-Unterricht teilnehmen. Im Videounterricht heute haben wir einander freudig begrüßt, bis auf ein paar Ausnahmen waren alle online. Ein Teil der Schüler*innen war sogar schon 15 Minuten früher online. Sie waren voller Vorfreude und sagten: „Ich wollte nur sicher gehen, dass es funktioniert.“ Das hat es! Die Hälfte der Klasse hat schon jetzt die Hausübung abgegeben und das obwohl sie bis 16 Uhr Zeit haben. Einige haben vorgearbeitet und die Aufgaben in Mathematik für heute und morgen schon gemacht.

Fabian: Die Stimmung ist entspannt, sowohl bei den Lehrer*innen als auch bei den Schüler*innen. Diesmal hat man sich etwas auf den Lockdown vorbereiten können. So wurden z.B. manche Themen, die sich für das Distance Learning eignen zurückgehalten, damit sie dann jetzt als Thema gegeben werden (z. B. die Freiarbeit, die sich für das Selbststudium hervorragend eignet). Auch bei den Schüler*innen ist eine Routine erkennbar, auch weil zuvor schon im Regelunterricht mit Moodle gearbeitet wurde. Sie arbeiten die einzelnen Punkte auf ihrer Liste ab, die der Klassenvorstand und die Klassenbetreuerin erstellt haben. Wir haben 25 Laptops und 25 Tablets zum Ausborgen gehabt, davon sind noch 2 Laptops und 16 Tablets übrig. Die Endgeräte waren an unserer Schule aber im Frühjahr schon kein großes Problem. 

Laura und Barbara: Die Kinder sind diesmal klarerweise weniger aufgeregt, selbstständiger und routinierter. Sie kennen die Abläufe und es gibt kaum technische Hürden mehr. Gleichzeitig haben wir aber auch den Eindruck, dass sie etwas schwieriger zu motivieren sind als im 1. Lockdown, in dem noch alles irgendwie “aufregend und neu” war. Wir erleben allerdings auch, dass Schüler*innen sich und ihre Arbeitsweise zunehmend besser einschätzen. So haben sich bereits am 2. Lockdown-Tag einige freiwillig für die Betreuung angemeldet. Da sich viele mit mehreren Geschwistern und Familienangehörigen verhältnismäßig wenig Wohnraum teilen, genießen sie in der Schule die ruhige und geordnete Arbeitsatmosphäre und die Möglichkeit, Unterstützung zu erhalten.

Dominik: Nach wie vor haben nicht alle Schüler*innen die notwendigen Geräte, immerhin sind diese Woche einige eingetroffen,die jetzt dort zum Einsatz kommen, wo sie am dringendsten benötigt werden. Eine Herausforderung ist weiterhin, die Motivation der Schüler*innen zu stärken und jene mitzunehmen, die mit beengten Wohnverhältnissen oder fehlender Ruhe zu kämpfen haben.

Lukas: Die Kinder sind großteils gut vorbereitet, einen Online-Unterricht zu überstehen, ja, teilweise sogar davon zu profitieren. So halbwegs. Vermutlich. Immerhin sind sie im Umgang mit dem bereits erwähnten MS Teams in den letzten Monaten von einem Teil der Kolleg*innenschaft vertraut gemacht worden. Nur unsere Erstklässler kommunizieren über zwischengeschaltete Erziehungsberechtigte via Schoolfox. Aber auch das geht so halbwegs. Die Motivation der Kinder ist – noch – gut, vor allem deswegen, da drei Wochen ein absehbarer Zeitraum sind. Das Motto bei Klein und Groß lautet momentan „Des biag ma scho ummi„. Waldviertlerisch sollte man in Wien ja auch verstehen. Ich übersetze es also nicht.

Johannes: Ich habe auch das Gefühl, dass die Schüler*innen diesmal insgesamt besser mit der Situation umgehen. Schon alleine das (hoffentlich haltbare) klar vorbestimmte Ende des Lockdowns macht die Sache für die Schüler*innen, aber auch für Lehrer*innen deutlich leichter. Auch haben die Kinder den ganzen Herbst über selbst mit der Möglichkeit eines zweiten Lockdowns gerechnet, immer wieder gefragt, ob es jetzt soweit ist. Manche Kinder haben sich sogar darüber gefreut, jetzt wieder knappe drei Wochen von zu Hause aus arbeiten zu können, manche waren eher traurig darüber und haben sich eher davor gefürchtet. Als erstes Fazit nach einer Woche erlebe ich vor allem die täglichen Online-Unterrichtseinheiten als sehr angenehm und ich habe auch das Gefühl, dass es den Kindern hilft und ihnen guttut, diesen täglichen Austausch zu haben. Die technische Ausstattung und der Umgang damit ist diesmal (fast) gar kein Thema mehr. Manko bleibt aber trotz der deutlich besseren Voraussetzungen die Probleme mancher Schüler*innen mit dem selbstständigen Arbeiten zu Hause, oft ohne Unterstützung von Eltern oder älteren Geschwistern. Viele scheitern teilweise immer noch daran. Diese Schüler*innen und deren Eltern fordern wir dieses Mal jedoch sehr aktiv dazu auf, die Betreuungsmöglichkeit in der Schule wahrzunehmen. 

Susanne: Am Dienstag war ich noch ein bisschen in Sorge, wie denn die Betreuung klappen sollte. Unterschiedliche Altersgruppen und Schulstufen, und die damit verbundenen unterschiedlich Aufgabenstellungen. Sicher eine besondere Herausforderung. Heute, nach fast einer Woche, stelle ich zu meiner großen Freude fest, dass meine Befürchtungen unbegründet waren. Alle waren die ganze Woche gerne in der Schule, hatten nicht das Gefühl, dass sie deshalb in irgendeiner Form defizitär wären. Im Gegenteil, sie freuen sich auf Montag. Den Lockdown selbst empfinden die meisten als einen groben Einschnitt. Freund*innen treffen, draußen Fußball spielen, ins Kino gehen, das fehlt ihnen am meisten. Und sie machen sich Sorgen, ziemlich erwachsene Sorgen. Sie haben Angst vor dem Virus, und dass ihre Eltern ihre Jobs verlieren könnten. Eine Schülerin hat mir erzählt, dass der Frisörsalon ihrer Mutter jetzt pleite ist. Dass sie richtig sparen müssen. Auch deshalb ist sie in der Schule, alles besser als zuhause zu sein. „Aber,“ hat sie mir versichert, „ich spare jetzt richtig. Ich brauche keine neuen Sachen. Ich glaube ich wachse eh nicht mehr.“  Das Schlimmste war, ich konnte sie nicht einmal in den Arm nehmen. Mein Fazit: Lernen und Lehren braucht Nähe zu den Schüler*innen. Schüler*innen und Lehrer*innen brauchen sich gegenseitig, und zwar am selben Ort.

Reza: Nachdem unser Distance Learning mit dem Terroranschlag zusammenfiel, drehten sich die ersten Tage vor allem um die Aufarbeitung des Attentats und der persönlichen und kollektiven Care-Arbeit. In den darauffolgenden Tagen spielte sich der Online-Unterricht überraschend schnell ein. Das liegt daran, dass wir an unserer Schule das große Privileg einer guten EDV-Infrastruktur genießen. Zumindest im Vergleich zu vielen anderen Schulen. Daher verfügen die Schüler*innen über ein gutes technisches Know-how und es blieben nennenswerte technische Schwierigkeiten aus. Vielmehr galt es zu Beginn des Lockdowns, einige Schüler*innen an den Online-Unterricht nach Stundenplan zu erinnern. Hier tendierten einige zum Fernbleiben bzw. dachten, dass es wie im Frühjahr gestaltet werden würde (Arbeitsaufträge gemäß den Wochenstunden). Insgesamt zeigten die Rückmeldungen der Schüler*innen eine große Akzeptanz des Home-Schoolings. Auch gegenüber den neuen Formaten. Dieses führe, so viele Schüler*innen, dazu, dass die meisten Lehrer*innen eher zu angemessenen Aufgabenstellungen betreffend die Zeit und den Umfang neigen. Ansonsten schwanken die Gemüter zwischen Humor und Resignation. Je nach Wochentag oder Tageszeit. Ein Schüler meinte unlängst, die Schulleistung würde besser, das soziale Leben schlechter. Zu den größten Hürden des Lockdowns dürften daher die Einschränkungen im sozialen Nahbereich sowie die unterbundene Kontaktpflege gehören. Wenig überraschend.

Lena: Die Reaktionen der Schüler*innen letzten Montag vor dem Lockdown waren sehr unterschiedlich. Einige waren sehr froh, sich dem Risiko, Corona zu bekommen, nicht mehr aussetzen zu müssen und andere hatten Angst, zuhause wieder nicht arbeiten zu können. Bis auf die ersten Klassen, bei denen es teilweise noch Probleme gab, waren aber alle Schüler*innen mit Teams ausgerüstet und wussten durch viel Üben und etliche „geprobte“ Online-Stunden, wie’s funktionieren wird. Dass der Stundenplan so weitergeführt wird und sie trotzdem einen geregelten Tagesablauf haben, beruhigt sie denke ich auch sehr. Vor allem die 3. und 4.-Klässler, die größtenteils auch den letzten Lockdown bravourös gemeistert haben, gingen am Montag sehr „gechillt“ nach Hause. Ein Schüler aus der 4. Klasse hat sich sogar mit „Happy Lockdown, bis in 3 Wochen!“ verabschiedet. Die ersten Klassen waren eher verunsichert, je öfter wir uns aber online treffen und sie merken, dass sie nicht alleine gelassen werden, umso erleichterter und glücklicher wirken sie. 

Sophia: „Juhuu, Coronaferien!“ Eine Aussage, die ich beim ersten Lockdown doch öfter gehört habe. Bei der zweiten Schließung hörte ich diesen Satz jedoch nicht ein einziges Mal. Die Schüler*innen hatten schon eine Ahnung, was auf sie zukommen wird und wussten bereits, dass das nichts mit Ferien zu tun hatte. In unseren Reflexionen nach der ersten Lockdownwoche schrieben sie Aussagen auf wie:

Lockdown ist? Doof. Es ist besser in der Schule.

In der Schule lernen wir mehr.

Ich hasse es, meine Freunde nicht zu sehen.

Wir haben zwar viel dazugelernt, aber ich fühle mich so eingeschränkt, ich möchte wieder raus und in die Schule gehen.

Aber, sie freuen sich durchwegs, endlich ein wenig länger schlafen zu können, die ersten Live Sessions beginnen erst um 8 :)

*Alle Namen von der Redaktion geändert.

Alice unterrichtet an einer Mittelschule in Wien.

Pia unterrichtet an einer Mittelschule in Wien.

Fabian unterrichtet an einer AHS-Unterstufe in Wien.

Laura und Barbara unterrichten an einer Mittelschule in Wien.

Dominik unterrichtet an einer Mittelschule in Niederösterreich.

Lukas unterrichtet an einer Mittelschule in Niederösterreich.

Johannes unterrichtet an einer Mittelschule in Wien.

Susanne unterrichtet an einer Mittelschule in Wien.

Reza unterrichtet an einer BHAK in Wien.

Lena unterrichtet an einer Mittelschule in Wien.

Sophia unterrichtet an einer Mittelschule in Wien.

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Respekt

Das Wort „Respekt“ ist vieldeutig. Respekt kann Wertschätzung, Höflichkeit, Toleranz oder Fairness bedeuten.

Viele Jugendliche bezeichnen Respekt als altmodisch und unnötig, wobei Respekt meiner Meinung nach immer eine große Bedeutung auf der Welt hat und haben wird. Man soll sich immer denken, dass wenn man selbst nicht bereit ist, anderen Respekt zu schenken, man keinen von seinen Mitmenschen erhaltet.

Wir sollen alle Personen in unserer Gesellschaft so akzeptieren, wie sie sind und sie nicht verurteilen oder uns respektlos verhalten. Es ist völlig egal welche Hautfarbe, Sprache, Herkunft oder Religion ein Mensch besitzt, alle haben dieselben Werte und keiner sollte als besser oder schlechter angesehen werden.

Natürlich kommt es auch nicht auf den Beruf eines Menschen an, denn sie haben es verdient von den anderen respektiert zu werden, es hat nichts mit ihrem Rang in der Bevölkerung zu tun.

Nicht zu vergessen, dass wir die Meinungen anderer Menschen bzw. ihre Denkweise zu einem Thema ebenso akzeptieren und respektieren sollen. Außerdem finde ich, dass Respekt kein Alter und Geschlecht kennt, daher spielt es keine Rolle ob du ein Mann oder Frau, Kind oder ein*e Erwachsene*r bist, du solltest Respekt geben, um Respekt zu bekommen.

Hilfsbereitschaft gegenüber einem anderen Menschen zähle ich auch zu Respekt hinzu, weil du einer Person in einer schwierigen Situation behilflich sein kannst und somit zeigen kannst, wie respektvoll du bist. Beispielsweise du hilfst einer alten Dame die Straße zu überqueren oder du hilfst deinem Freund oder deiner Freundin bei einem Umzug.

Ich möchte noch beifügen, dass man seine Mitmenschen respektiert, egal wer es auch sein mag, dass man nicht gewisse Grenzen überschreiten soll, das bedeutet, dass man nicht verletzende Wörter, Beleidigungen oder Schimpfwörter benutzen sollte, denn somit macht man den Respekt zwischen demjenigen und sich selbst kaputt. Anstatt dessen sollte man höflichere und respektvollere Formulierungen benutzen.

Respekt heißt noch für mich, einen sogenannten Selbstrespekt zu besitzen, das heißt sich selbst zu respektieren und wertzuschätzen, denn nur so kannst du deinen Mitmenschen zeigen, dass du diesen Respekt verdienst.

Abgesehen davon sollte man sich selbst die Frage stellen, wie sollen mich andere respektieren, wenn ich es selbst nicht kann? Du bist genauso wichtig und wertvoll wie alle anderen Menschen.

Hasti Alim ist Schülerin am Gymnasium Brigittenau

Dieser Text entstand im Rahmen des Gschichtnwettbewerbs „Respekt“, einer Kooperation zwischen Schulgschichtn und dem Projekt Respekt – gemeinsam stärker der Stadt Wien.

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Dieses Jahr hat man öfters von der „geschenkten Matura 2020“ gehört. Aber wie viel hat man den Schüler*innen dieses unglücklichen Jahrgangs wirklich geschenkt?

Schauen wir uns die Fakten an: Die Mehrheit der Vorwissenschaftlichen Arbeits-Präsentationen wurde gestrichen, die mündliche Matura wurde auf eine Anzahl von Freiwilligen beschränkt und ein 50/50 System, das erstmals in Österreich Jahres- und Klausurnote kombinierte, wurde ausprobiert. Da kann man meinen, dass den Maturant*innen Vieles erspart blieb…

Doch diese „geschenkte“ oder „kleine“ Matura hat auch ein anderes Gesicht. Durch Covid-19 bekamen die 8. Klassen ihre letzten Vorbereitungen (oder eventuell noch letzte Stoffgebiete) auf elektronischem Weg ins virtuelle Klassenzimmer geschickt, was nicht die gleiche Lernqualität bietet wie eine reale Schulstunde. Nach Monaten kamen sie dann in ihre tatsächlichen Räumlichkeiten zurück und erhielten dieselbe schriftliche Matura, die sie ohnehin bekommen hätten (was man unter anderem daran erkannte, dass selbst das alte Datum auf den Drucken nicht ausgebessert war). Teil der schriftlichen Klausuren war noch dazu eine der schwersten Mathematik-Maturen seit Beginn der Zentralmatura, wie auch die Zeitungen berichtet haben.

Und das 50/50 System? In meiner Klasse hat es wenig verändert und nur einen einzigen Kopf gerettet. Die Leerabgeber? Einzelfälle, die man mit der Hand abzählen kann. Geschenkte Matura? Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber das Frühjahr 2020 hat uns wenig geschenkt.

Die Autorin ist Schülerin an einem Gymnasium in Wien.

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Die schriftliche Matura ist nun knapp 3 Wochen her und ich kann mich seither stolz Maturaabsolventin nennen. Das Gefühl des Erfolgs war noch nie so spürbar wie jetzt, da ich 12 Jahre Schulzeit hinter mir lasse und nur noch die Maturafeier ansteht.

Zeugnis erhalten, Hände schütteln (oder auch nicht), Anstoßen und dann ist die Schule endgültig vorbei. Es war eine lange und prägende Zeit, aber am Ende – coronabedingt – zog es sich doch und jetzt liegt mein Empfinden zwischen Erleichterung und Ernüchterung.

Fairness

Die Matura sichert ihren Absolvent*innen, wie jede Abschlussprüfung, Qualifikationen und erworbene Kompetenzen zu. Das gilt bei der Diplomprüfung genauso wie beim Seepferdchen oder dem Fahrradführerschein. Die österreichische Matura hat bereits einige Entwicklungsstadien hinter sich, bis wir nun bei der seit 2015 bestehenden Zentralmatura angekommen sind.

Diese soll Fairness versichern, weil alle Maturant*innen österreichweit ein und dieselbe Prüfung schreiben. Aber genau da sehe ich auch einen großen Nachteil des zentralisierten Systems. Im Gymnasium besteht ein Unterschied zwischen dem naturwissenschaftlichen Zweig und dem sprachlichen Zweig. So unterscheidet sich gerade im Fach Mathematik das Niveau erheblich, weil Schüler*innen des sprachlichen Zweigs über drei Jahre hinweg eine Stunde weniger Mathematik haben als Schüler*innen des naturwissenschaftlichen Zweigs. Das hört sich nicht dramatisch an, es bedeutet aber ganze 25% weniger Unterricht in drei Schuljahren.

Dennoch schreiben alle dieselbe Matura, wodurch Schüler*innen, die weniger Unterricht hatten, offensichtlich einen Nachteil haben. Wo bleibt da die Chancengleichheit?

Ich halte eine Zentralmatura nur für gerecht, wenn sie an die einzelnen Schultypen und Zweige angepasst ist.

Eine Abschlussprüfung am Ende der Schulzeit ist sinnvoll, auch dass die vorwissenschaftliche Arbeit miteinbezogen wird halte ich für fair. Die Miteinbeziehung des Abschlusszeugnisses der 8. Klasse, wie es dieses Jahr stattfindet, ist eine gute Möglichkeit, das bisherige System zu entschärfen. Mit einer 50:50 oder 60:40 Regelung werden keine Noten geschenkt, sondern nur der Druck der singulären Matura-Prüfungen auf die Schüler*innen minimiert. Wird die endgültige Note aus Maturaprüfungen, vorwissenschaftlicher Arbeit und Noten des letzten Jahres zusammengesetzt, ergibt das eine deutlich repräsentativere Note, als nur die Maturaprüfung alleine.

Reife

Für tatsächlich fragwürdig halte ich die die Rolle der Zentralmatura als „Reifeprüfung“. Ich kann nicht sagen, dass ich mich reifer fühle als noch vor einem Monat, mit meinem Abschluss alleine kann ich nämlich nicht viel anfangen. Schüler*innen wird immer suggeriert, dass die Matura der Schlüssel zum Traumstudium an der Hochschule ist, aber in der Praxis ist das nur selten so. Das Bestehen der Matura und die darin erzielten Noten sollen Auskunft über die Kompetenzen ihrer Absolvent*innen geben, trotzdem wird in vielen Studiengängen die Zulassung nur mit dem zusätzlichen Bestehen eines Aufnahmetests ermöglicht. Also spielen die Maturanoten sowieso keine Rolle? Die Aufnahmetests sollen in erster Linie die „Studierfähigkeit“ feststellen, mit dem Ziel, die Studienabbrecherquoten und die Studiendauer zu verringern. Im Gegensatz zu Deutschland, wird hier die Matura nur als Voraussetzung, nicht aber als zusätzliches Auswahlkriterium herangezogen. Das dortige Verfahren stützt sich auf die Erkenntnis, dass Schulnoten, vor allem in den Kernfächern, sehr gute Indikatoren für den Studienerfolg sind. Die Zentralmatura als weiteres Auswahlkriterium wäre ein konsequenter Schritt in diese Richtung. Wieso wird also eine so genannte Reifeprüfung erwartet, wenn die Studiengänge sowieso eigene Aufnahmekriterien haben um sich nur die Besten der Besten herauszusuchen? Ich persönlich hielte es für wesentlich gerechter, wenn die Leistung der Zentralmatura, die nun wirklich zum Vergleichen einlädt, mindestens zu 30 % Einfluss erhalten würde. Sowohl eine lernintensive Matura, als auch teils sehr schwere Aufnahmetests vorauszusetzen, halte ich für ineffektiv.

Enttäuschung

Die Verlierer*innen der Schulschließung sind die Schüler*innen. Die, denen Bildung entzogen wird und die auf sich alleine gestellt sind. Für drei Wochen keine Schule, ja okay – für zweieinhalb Monate keine Schule in der Abschlussklasse – ein No-Go.

Die Matura ist für viele von uns Absolvent*innen ein persönlicher Erfolg, in dem die Noten den Lernaufwand widerspiegeln. Ich selbst habe seit Anfang März beinahe täglich für Mathematik gelernt – saß bei der Matura aber teils ratlos da. Ich war immer eine gute Schülerin, trotzdem empfand ich die Prüfungen als schwer und verließ den Prüfungsraum mit ungutem Gefühl. Die Enttäuschung über die mangelnd betreute Vorbereitung und die dafür recht schwere Matura teilen meine Mitschüler*innen, die so wie ich, viel Zeit und Mühe in das Lernen investiert haben. Die Schüler*innen des Matura-Jahrgangs haben knapp zweieinhalb Monate zuhause in Quarantäne verbracht – wie kann man auf diesen Umstand so wenig Rücksicht nehmen und die Matura nicht minimal anpassen? Eine unter normalen Umständen schon schwere Prüfung, dann noch ohne Unterricht zuvor, zu schreiben, ist ein bisschen viel verlangt. Dass knapp 50 Prozent aller AHS-Schüler*innen und 40% der BHS-Schüler*innen ein „genügend“ oder „nicht genügend“ erhalten haben, bestätigt meinen Eindruck. Die Schuld auf die Schüler*innen zu schieben, nach dem Motto „man ruhe sich auf der 50:50 Regelung aus“ ist schlichtweg falsch. In manchen wenigen Fällen mag dies zutreffen, doch der Großteil der Maturant*innen strebt trotzdem das für ihn oder sie bestmögliche Ergebnis an. Wenn die Noten schon nicht für das Studium relevant sind, wieso muss eine Prüfung dann so gestaltet werden, dass Schüler*innen ihre persönlichen Ansprüche nicht erreichen können? Ich bezweifle, dass unsere Lehrer*innen dafür verantwortlich sind, ist nicht eher der Erwartungshorizont des Bildungsministeriums zu abgehoben?

Unser Jahrgang wird immer der „Corona-Jahrgang“ bleiben, doch sind wir wirklich die mit der geschenkten Matura? Die, die ihren Abschluss ohne Bemühung erhalten haben, weil 30 von knapp 40.000 Schüler*innen einen leeren Zettel abgegeben haben?

Wir sind die erste Generation an Maturant*innen, die ihren Abschluss im Lockdown geschrieben hat, die kaum betreute Vorbereitung hatte und trotzdem erfolgreich maturiert hat. Beweist nicht gerade das wahre Reife? Wir haben etwas für das Leben gelernt, unseren Abschluss hart erarbeitet und darauf können wir stolz sein!

Die Autorin ist Schülerin an einem Gymnasium in Wien.

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Aus meiner Sicht ist die präsenzunterrichtsfreie Zeit gut mit einer unbefriedigenden Achterbahnfahrt vergleichbar – Es gab mehr Tiefen als Höhen. Die Höhen kamen vor allem durch einzelne besonders engagierte Lehrpersonen. In meiner Klasse hat der Fernunterricht in Mathe beispielswiese großartig funktioniert. Wir haben immer genau gewusst, was zu tun ist, unser Lehrer hat uns Fragestunden angeboten und uns sogar gebeten, mittels Umfragen Feedback zu geben. In anderen Fächern sah das jedoch nicht so aus. Der digitale Teil des Unterrichts bestand oft darin, Arbeitsblätter vom Computer aus auszudrucken, die erledigten Arbeitsblätter dann wieder zu fotografieren und zurückzuschicken. Einige Lehrpersonen waren in ihrer Überforderung mehr darauf bedacht, ihre eigene Arbeit so unkompliziert wie möglich zu gestalten, als das Lernsetting für uns Schüler*innen. Mit einer Lehrperson hatten wir Schwierigkeiten, da sie nahezu jedes Wort in ihren E-Mails abgekürzt hat und wir so nicht verstehen konnten, was sie uns vermitteln wollte. Doch solche Probleme konnten wir meistens mit der betreffenden Lehrperson lösen. Die wirklichen Tiefen waren die unlösbaren Probleme, vor die viele Schüler*innen durch das Agieren des Bildungsministeriums gestellt worden sind.

Falscher Fokus

Vor den Schulschließungen hieß es erst, der Inhalt des Distance Learnings solle nicht in die Leistungsbeurteilung einfließen. Das wurde dann noch am allerletzten Schultag geändert. Anschließend gab es immer wieder Pressekonferenzen mit eher geringem Informationsgehalt. Auf Instagram gingen etliche Memes über Minister Faßmann viral, also sich über seine Planlosigkeit lustig machende Postings. So etwas ist für das „Opfer“ nie ein gutes Zeichen. Als dann die Entscheidung über die Matura verkündet wurde, offenbarten sich grundsätzlich falsch gesetzte Prioritäten. Statt nämlich den Fokus darauf zu legen, die Eltern jüngerer Schüler*innen schnellstmöglich in der Betreuung zu entlasten, sollten als allererstes die Abschlussprüfungen abgehalten werden. Dass die Megaprüfung Matura hier wichtiger war als die politische Verantwortung gegenüber den Hunderttausenden Eltern, ist ein Armutszeugnis für das Krisenmanagement des Bildungsministeriums.

Platz und Sicherheit

Zu guter Letzt wurde nun auch der Präsenzunterricht für die Sekundarstufe 2 wieder aufgenommen. Die dafür benötigten Räumlichkeiten der Oberstufenklassen hätten auch verwendet werden können, um mehr Platz und Sicherheit für die Schüler*innen der Unterstufe zu schaffen, oder sie an mehreren Tagen in die Schule zu holen. So wäre auch die Ansteckungsgefahr deutlich geringer, sie könnten mit gutem Gewissen in die Schule gehen. Wir als Oberstufe, die ja keine Betreuung durch Eltern mehr brauchen, hätten dann die letzten Schulwochen wie inzwischen gewohnt von zuhause aus absolvieren können.

Notwendige Anpassungen

Klar ist: Das nächste Schuljahr kann nicht ohne Anpassungen im Bildungssystem stattfinden. Wir brauchen flächendeckende Schulungen zum digitalen Lernen für Lehrpersonen, die Lehrpläne müssen angepasst werden, wir müssen unsere Bundesschüler*innenvertretung endlich selbst wählen können, damit sich in solchen Situationen wirklich jemand für uns einsetzt. Außerdem sollen auch künftig Leistungen der Oberstufe ins Abschlusszeugnis einfließen.

Der Autor ist Schüler an einem Gymnasium in Wien.