Schulgschichtn
  • Warum überhaupt?
  • Wer eigentlich?
  • Erzähl uns deine Gschicht!
  • Veranstaltungen
  • Mediengschichtn
  • Kontakt
  • Unterstützen
  • Alle Gschichtn
  • Alltagsgschichtn
  • Systemgschichtn
  • Erfolgsgschichtn
  • Problemgschichtn
  • Volksschule
  • Mittelschule & Poly
  • AHS Unterstufe
  • Oberstufe
  • Click to open the search input field Click to open the search input field Suche
  • Menü Menü
  • Link zu Facebook
  • Link zu X
  • Link zu Instagram
  • Warum überhaupt?
  • Wer eigentlich?
  • Deine Gschicht!
  • Veranstaltungen
  • Mediengschichtn
  • Kontakt
  • Unterstützen
Alltagsgschichtn, Problemgschichtn, Systemgschichtn AHS Unterstufe, Mittelschule & Poly, Oberstufe, Volksschule

Schulmobbing – Schuldzuweisung ist keine Ursachenbekämpfung

Lesezeit: 5 Minuten

In einer Wiener HTL kommt es zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen einem Lehrer und einem Schüler. Der Lehrer spuckt den Schüler an, Mitschüler*innen filmen die Szene und stellen sie ins Internet. Die Aufregung um diesen Zwischenfall ist groß, und das zurecht. Nun stehen die Konsequenzen für alle Beteiligten im Zentrum der Debatte. Entlassung, Suspendierung und Erziehungscamps werden von einzelnen Parteien gefordert.

Diese Konsequenzen mag man nun im Einzelnen gut finden oder nicht, dass ein solcher Vorfall nicht ungestraft bleiben kann, steht außer Frage. Viel interessanter aber, und traurigerweise weit weniger diskutiert, sind hingegen die Ursachen, der Vorspann, das, was bisher geschah und was eine Situation dermaßen aus dem Ruder laufen hat lassen. Worauf ein Vorfall wie dieser uns aufmerksam machen und ins Gespräch bringen sollte, ist zu vielschichtig und komplex, als dass sich darauf mit: “Schulverweis” oder “Entlassung” antworten lassen könnte.

Wer ist hier der “Böse”? Das ist die erste Frage, die sich vielleicht stellt. Und bereits diese lässt sich nicht beantworten und wirft eine lange Kette neuer Fragen auf. Dieser Vorfall steht hier an der Spitze vieler, wenngleich nicht immer so dramatischer Szenen, die sich unter gewissen Umständen in Schulen ereignen können. Welche Perspektiven gilt es hier zu beachten, welche Fragen sollte man sich in einem solchen Fall wirklich stellen und warum sind “Suspendierung” oder “Entlassung” Antworten, die uns von essentiellen Fragen ablenken? Das hier ist ein Versuch, jede Perspektive einzunehmen, alle Beteiligten zu sehen und zu verstehen. Dabei soll Abstand genommen werden von Schuldzuweisungen. Es soll helfen zu begreifen und klar zu machen, dass nicht nur einer Handvoll Personen die Verantwortung an einem solchen Vorfall zuzuschreiben ist.

Die Lehrkraft

Im Zentrum der Auseinandersetzung steht ein Lehrer. Eine erwachsene Person, jemand der als Vorbild dienen, junge Menschen anleiten und bestenfalls auch inspirieren sollte. Ein erwachsener Mann, der über den Streitigkeiten und Sticheleien von ein paar Halbwüchsigen stehen sollte, könnte man jetzt argumentieren. Soweit der Vordergrund, das gut Sichtbare und Einleuchtende. Wagen wir uns jetzt einen Schritt weiter und stellen uns die Frage: Was muss passiert sein, dass dieser erwachsene Mann sich offensichtlich derart in die Enge gedrängt fühlte, dass er letztendlich zu einer so hilflosen – und wohl in jeder sozialen Situation unpassenden – Reaktion in der Lage war? Was muss einem solchen Vorfall – der die Spitze des Eisberges darstellt – vorangegangen sein, wie lange muss sich die Situation zugespitzt haben, wie extrem müssen die Drangsalierungen der Schüler*innen gewesen sein, wie ausweglos die Situation? Und eine der zentralsten Fragen:

Wie alleine muss sich die Lehrkraft damit gefühlt haben, um nicht schon viel früher Hilfe einzufordern?

Beim Betrachten der Videos macht es den Anschein, als hätte der Lehrer sämtliche Schikanen ruhig über sich ergehen lassen, bis ihm schließlich der Kragen platzte. Nun könnte man aber auch fragen, wie fehlbesetzt jemand ist, in dessen Anwesenheit Situationen dermaßen aus dem Ruder laufen können. Warum ist das bislang niemandem aufgefallen? Und falls es, wie aus verschiedenen Medienberichten deutlich wird, doch aufgefallen ist, warum wurde dann nichts unternommen? Fehlte dafür die Dringlichkeit, die Motivation, die rechtliche Handhabe oder das Fingerspitzengefühl im richtigen Moment einzuschreiten?

Die Klasse

Ein Schüler ist die zweite sichtbare Partei im diskutierten Vorfall. Auch hier wird mehr als eine Grenze überschritten.

Jede Lehrkraft weiß, dass respektloses Verhalten gegenüber Lehrer*innen ein breites Spektrum aufweisen kann, an dessen oberen Ende zweifelsohne die körperliche Gewalt steht.

Aber Moment mal, hat nicht der Schüler mit dem Rempler gegen die Tafel lediglich auf seinen Lehrer reagiert, nachdem dieser ihm ins Gesicht gespuckt hatte? Eine nachvollziehbare Reaktion darauf, oder? Soweit wieder das Sichtbare, das auch hier eine Vielzahl von Interpretationen und Sichtweisen zulässt. Entscheidender sind jedoch sicherlich auch hier jene Faktoren, die derartiges Verhalten provoziert und zugelassen haben. Videos und Medienberichten zufolge haben Schüler dieser Klasse den Lehrer bereits davor massiv drangsaliert, beispielsweise mit Papierkugeln beschossen und mit einer Trillerpfeife ins Ohr gepfiffen. Es wird von gezieltem Mobbing gesprochen. Natürlicher Respekt und Empathie nicht nur vor einer Lehrperson, sondern schlicht und ergreifend vor anderen Menschen, fehlt hier gänzlich.

Doch wie kommt es so weit? Was hat die Beziehung zwischen diesem Lehrer und der Klasse dermaßen belastet, oder vielleicht gar nicht erst entstehen lassen? Ist dieses Verhalten pure Provokation, halbstarke Dummheit oder die Suche nach einer Grenze? Entsteht es proaktiv oder als Reaktion auf unpädagogisches Verhalten der Lehrkraft? Wäre es innerhalb einer stabilen und förderlichen Lehrer-Schüler-Bindung überhaupt denkbar?

Fakt ist, dass eine gefährliche Gruppendynamik entstanden ist, es wird gejubelt und angefeuert.  Die Tatsache, dass es von den Schikanen zahlreiche Videos gibt, legt sogar Vorsatz nahe. Es scheint wie eine Suche nach einer Reaktion, die aber lange ausbleibt und dann massiv ausfällt. Schließlich verbreiten die Schüler die Videos im Internet. Welche Erfahrungen mit diesem Lehrer, in der bisherigen Schullaufbahn, zu Hause und allgemein im Leben führen wohl zu derartiger Entgrenzung und Empathielosigkeit?

Soziale Medien

Schließlich werden dieses und weitere Videos in sozialen Medien verbreitet, hundertfach geteilt und kommentiert. Die Empörung über die dargestellten Szenen ist angebracht und notwendig, derartige Vorfälle sind schockierend und verurteilenswert. Dennoch wird man den Eindruck nicht los, dass hier die Sensationsgier über ein natürliches Gefühl sozialer Verantwortung siegt. Oft unverpixelt und kontextlos machen die Videos die Runde.

Jeder maßt sich nach wenigen Sekunden ein Urteil an und identifiziert vermeintlich Schuldige, Fall erledigt.

So einfach ist es nur leider nicht.

Das System

Begeben wir uns jetzt noch eine Ebene weiter und fragen, wie das System das Entstehen und Eskalieren derartiger Situationen begünstigt. Ein System, das immer noch davon ausgeht, dass es im Lehrberuf um rein inhaltliche Wissensvermittlung geht. Ein System, dass die Notwendigkeit von Konfliktprävention und Management in der Ausbildung von Lehrkräften nicht sieht. Ein System, dass keine Supervision für Lehrer*innen vorsieht und das bei qualifiziertem Unterstützungspersonal, wie Sozialarbeiter*innen oder Psycholog*innen, große Einsparungen macht. Ein System, dass Lehrpersonen, die offensichtlich für diesen Beruf ungeeignet, davon überfordert oder erschöpft sind, praktisch keine ansprechenden Möglichkeiten auf einen Ausstieg bietet. Ein System, das mehr Energie in die Konzeption von neuen Konsequenzen steckt als in die Prävention. Ein System, dass Schulleiter*innen kaum Handhabe bei Personalentscheidungen gibt.

Die wichtigen Fragen

Im vorliegenden Fall hat eine Vielzahl von Parteien unpassend, unmenschlich und falsch gehandelt und dafür muss es Konsequenzen geben. Die Öffentlichkeit ist empört.

Vielleicht sollten wir uns in Zukunft schon viel früher empören. Empören wir uns schon dann, wenn Lehrkräfte alleine gelassen, überfordert, nicht ausreichend unterstützt sind.

Empören wir uns schon bei den leisesten Anzeichen unpädagogischen Verhaltens.

Beenden wir die Diskussion an dieser Stelle nicht, sondern beginnen wir darüber zu sprechen, wie wir Situationen wie diese in Zukunft vermeiden können. Die Auswahl, Ausbildung und Begleitung von Lehrkräften muss mehr denn je ins Zentrum der Debatte gerückt werden. Lehrer*innen müssen in Deeskalationsmethoden und Gewaltprävention geschult werden um ihnen damit das nötige Werkzeug in die Hand zu geben, einen sicheren Lernraum für alle Schüler*innen zu schaffen. Der Wert von Beziehungsaufbau muss klar werden. Stellen wir die Verantwortung und die Vorbildfunktion, die wir Schüler*innen gegenüber haben, ins Zentrum unserer Überlegungen. Mit dem Finger auf Einzelne zeigen, die falsch gehandelt haben und “Schuld sind“, ist leicht. Dahinter zu schauen, daraus Schlüsse zu ziehen, notwendige Maßnahmen zu erkennen und auch zu setzen, kann unbequem und fordernd sein.

Doch allein durch die Konsequenzen für die Beteiligten eines Falles, wird die Schule nicht für alle Kinder besser oder wird verhindert, dass ähnliches auch in anderen Schulen und Klassen in Zukunft passiert.

Es ist Zeit für die Suche nach Ursprüngen und dem Nährboden dafür.  Ein bisschen pathetisch könnte man sich nämlich fragen, wie viele schockierende “Einzelfälle” es noch braucht, bis Einsicht herrscht, dass sie auch Symptom eines nicht an die Bedürfnisse der Beteiligten und der Zeit angepassten Systems sind.

Die Autorin ist Lehrerin an einer NMS in Wien.

14. Mai 2019/0 Kommentare/von Redaktion
Schlagworte: Gewalt, Lehrer*innenausbildung, Lehrer*innenauswahl, Mobbing, Qualitätssicherung, System
Eintrag teilen
  • Teilen auf Facebook
  • Teilen auf X
  • Teilen auf WhatsApp
  • Teilen auf LinkedIn
  • Per E-Mail teilen
https://www.schulgschichtn.com/wp-content/uploads/2019/05/mobbing.jpg 442 960 Redaktion https://www.schulgschichtn.com/wp-content/themes/schulgschichtn/images/logo-sg-kreis.png Redaktion2019-05-14 06:33:322020-05-11 16:08:10Schulmobbing – Schuldzuweisung ist keine Ursachenbekämpfung
Das könnte Dich auch interessieren
Mehrsprachigkeit – Das Stiefkind an Österreichs Schulen
Vollversammlung gegen Gewalt – über Wertschätzung und Zuneigung in der Schule
Von Lachsen und Betonklötzen – Eine Reise in die Mittelschullandschaft
„Ich bin dumm“ – Warum wir eine gemeinsame Unterstufe brauchen
10 Schritte für eine bessere Schule
Karriere als Lehrer*in?
0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Wohin?

  • Warum überhaupt?
  • Wer eigentlich?
  • Deine Gschicht!
  • Veranstaltungen
  • Mediengschichtn
  • Kontakt
  • Unterstützen

Schlagwörter

#gschichtndonnerstag #lehramtsstudium #Mittelschule Beziehung Bildungsgerechtigkeit Corona Coronavirus Deutschförderung Deutschklassen Deutsch lernen Digitalisierung Distance Learning Herausforderungen Homeschooling Integration Lehrer*innen Lehrer*innenausbildung Lehrer*innenauswahl Matura Miteinander Mittelschule Motivation Schulalltag Schulanfang Schüler*innenstimmen Sport Sprache System Wertschätzung Zukunft

Kategorien

  • Allgemein (7)
  • Alltagsgschichtn (62)
  • Erfolgsgschichtn (30)
  • Gschichtn zum Lachen (3)
  • Problemgschichtn (45)
  • Schüler*innengschichtn (28)
  • Systemgschichtn (69)

Schultypen

  • Volksschule
  • AHS Unterstufe
  • Mittelschule & Poly
  • Oberstufe

Blog per E-Mail folgen

Gib deine E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.

Kategorien

  • Alltagsgschichtn
  • Systemgschichtn
  • Erfolgsgschichtn
  • Problemgschichtn
  • Schüler*innengschichtn
  • Gschichtn zum Lachen
  • Alle Gschichtn

Schultypen

  • Volksschule
  • AHS Unterstufe
  • Mittelschule & Poly
  • Oberstufe

Schreib uns!

redaktion@schulgschichtn.com

© 2024 Schulgschichtn | Technik & Layout: Michalek.at - die WordPress-Werkstatt
  • Link zu Facebook
  • Link zu X
  • Link zu Instagram
  • Datenschutzerklärung
  • Impressum
Link to: Ein kleiner Ausschnitt aus einem digitalen Schultag Link to: Ein kleiner Ausschnitt aus einem digitalen Schultag Ein kleiner Ausschnitt aus einem digitalen SchultagLink to: Vollversammlung gegen Gewalt – über Wertschätzung und Zuneigung in der Schule Link to: Vollversammlung gegen Gewalt – über Wertschätzung und Zuneigung in der Schule Vollversammlung gegen Gewalt – über Wertschätzung und Zuneigung in der...
Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen

Beim Besuch dieser Website werden Cookies gesetzt.

OK, einverstandenKeine Cookies akzeptierenMehr Info & Einstellungen

Einstellungen für Cookies & Privatsphäre



Wie wir Cookies einsetzen

Wir verwenden Cookies, um uns mitzuteilen, wann Sie unsere Websites besuchen, wie Sie mit uns interagieren, um Ihre Benutzererfahrung zu verbessern und um unsere Website an ihr Surfverhalten anzupassen.

Klicken Sie auf die verschiedenen Rubriken, um mehr zu erfahren. Sie können auch einige Details zum Umgang mit Cookies einstellen. Beachten Sie, dass das Blockieren mancher Cookies Ihre Erfahrung auf unseren Websites und den von uns angebotenen Diensten beeinträchtigen kann.

Nötige Website-Cookies

Diese Cookies sind unbedingt erforderlich, um Ihnen über unsere Website verfügbare Dienste bereitzustellen und einige ihrer Funktionen zu nutzen.

Da diese Cookies für die ordnungsgemäße Funktion der Website unbedingt erforderlich sind, kann das Ablehnen dieser Cookies die Darstellung und Funktionsweise der Website beeinträchtigen. Sie können diese Cookies blockieren oder löschen, indem Sie Ihre Browsereinstellungen ändern und somit Blockieren aller Cookies auf dieser Website erzwingen.

Die folgenden Cookies werden derzeit gesetzt:


Google Analytics Cookies

Diese Cookies werden zum Sammeln von Informationen verwendet, die in aggregierter Form dargestellt werden, um zu verstehen, wie unsere Website verwendet wird. Das hilft uns dabei, unsere Website besser an die Bedürfnisse unserer Website-Besucher anzupassen.

Wenn Sie nicht möchten, dass wir Ihren Besuch auf unserer Website verfolgen, können Sie das Tracking in Ihrem Browser hier deaktivieren:

Andere externe Dienste

Wir nutzen auch verschiedene externe Dienste wie Google Webfonts, Google Maps und externe Videoanbieter. Da diese Anbieter möglicherweise personenbezogene Daten wie Ihre IP-Adresse sammeln, können Sie diese hier sperren. Bitte beachten Sie, dass dies die Funktionalität und das Erscheinungsbild unserer Website erheblich beeinträchtigen kann. Die hier gewählten Änderungen werden wirksam, sobald Sie die Seite neu laden.

Google Webfonts:

Google Maps:

Video-Einbettung von Vimeo und YouTube:

Datenschutzerklärung

Ausführliche Informationen zu Cookies und Datenschutzeinstellungen finden Sie auf unserer Datenschutzerklärung.

Datenschutzerklärung
Ausgewählte Cookies erlaubenCookies nicht erlauben & Benachrichtigung ausblenden