Lesezeit: 3 Minuten

Haben wir ihnen genug beigebracht? Haben wir streng genug benotet? Werden sie es an einer weiterführenden Schule schaffen? Haben sie eine echte Chance da draußen? Das waren die Fragen, die uns heute vor einem Jahr umgetrieben haben. Nach vier Jahren Klassenvorstandsteam, in denen wir alles gegeben haben und eineinhalb Jahren Corona-Chaos durften oder mussten wir sie also gehen lassen. Viele Tränen auf unserer Seite, viel Abschiedsschmerz und doch auch Vorfreude auf neue Erfahrungen und Erlebnisse auf der Seite der Schüler:innen. Vier Jahre intensive Zusammenarbeit (oftmals mehr Stunden pro Woche mit der Kollegin und den Schüler:innen, als man den eigenen Partner sieht), vier Jahre Begleiten, Stärken, Trösten, Fördern und gemeinsam Pläne machen. Vier Jahre Schule, vier Jahre Leben.

25 Jugendliche aus einer Mittelschulklasse in einem Wiener Randbezirk. Kids, mit denen wir bereits seit sie 10 Jahre waren daran gearbeitet haben herauszufinden, was sie gut können und was sie gerne mal werden möchten. Kids, denen wir aber auch die Arbeitslosenstatistiken nach Bildungsabschlüssen nicht vorenthalten haben, weil es nicht fair gewesen wäre ihnen zu sagen, sie könnten alles einfach schaffen, wenn sie es nur wollen. Ja, sie können vieles schaffen, aber dafür müssen sie doppelt so hart arbeiten und auch dann wird es nicht leicht. Denn vier Jahre in der Mittelschule sind unfassbar wenig Zeit und mit 14 ist man tatsächlich noch sehr jung um eine so weitreichende Entscheidung zu treffen. Auf dem Sprung in eine weiterführende Schule stellt dann der Ruf der Mittelschule noch eine letzte fiese Hürde dar. “Ich wurde nicht aufgenommen”, erklärte uns ein Schüler mit lauter (Standard AHS) Einsern noch im März letzten Jahres, als er die Rückmeldung von seiner Wunsch-HTL bekommen hat. “Sie haben gesagt, sie haben zu viele Anmeldungen.” 

Doch es ist gelungen, es musste ja: Fünf Schüler:innen haben den Sprung in die AHS bzw. BHS geschafft, zwei in die Übergangsstufe, zehn in berufsbildende mittlere Schulen, zwei gingen ins Poly, einer fand eine Lehrstelle, zwei verließen uns noch auf der Suche danach. Drei Schüler:innen blieben als außerordentliche Schüler:innen noch ein Jahr an der Schule.

Ein Jahr vergeht schnell. Trotz Abschiedsschmerz geht man schließlich seinen eigenen Weg weiter, entwickelt sich weiter, die Erinnerungen verblassen. Und jetzt – ein Jahr danach: das Klassentreffen. Ein Rückblick auf unsere Arbeit, eine Rückmeldung, ob wir unseren Schüler:innen alles Wichtige mit auf den Weg gegeben haben. Ein Treffen auf Augenhöhe, so richtig.

Ungefähr die Hälfte der Klasse war da. Corona und Nachmittagsunterricht verhinderten manche, andere wollten oder konnten sich die Zeit nicht nehmen.

Der erste Eindruck

Die sind ja alle so groß geworden!“ In einem Jahr tut sich viel. Das Groß-sein merkt man ihnen sofort an, physisch aber auch in ihrer Art. Die Ausdrucksweise hat sich geändert. Mehr Selbstständigkeit und Eigenverantwortung sind herauszuhören. „Ich hatte die Wahl zwischen zwei Schulen nach dem Poly, beide habe ich besucht und dann eine Entscheidung getroffen. Die eine Ausbildung hat mir vom Aufbau her nicht gefallen.“ „Ich gehe nebenbei noch 3-4 Mal die Woche ins Training, den Ausgleich mag ich.“ „Ich hab in dem Jahr so viel gelernt wie noch nie, es war anstrengend, aber ich bin sehr stolz.

Der zweite Blick

Ich muss das Jahr wiederholen, denn es war mir einfach zu schwer. Ich wollte auch eigentlich Schule wechseln oder eine Lehre machen aber ich wurde nirgends genommen. Jetzt probier ichs nochmal im Gymnasium.“ „Ich habe vier Vierer im Zeugnis, in Mathe hatte ich eine Prüfung, die ich zum Glück geschafft habe.“ „Ich habe zwei Nachprüfungen im Herbst, wenn ich sie nicht schaffe ist unklar, ob ich wiederholen darf. Ich hoffe schon.“ „Ich habe im Zeugnis nur Einser und Zweier.“ „Ich kann nach der Übergangsstufe in die 5. Klasse aufsteigen. Genau so wie ich es mir gewünscht habe. Es war harte Arbeit.“ „Ich habe endlich eine Lehrstelle gefunden und vor zwei Monaten begonnen. Es ist schwierig, aber es gefällt mir.

Die Lebenswege sind so verschieden. Und trotzdem geht jede und jeder selbstbestimmt den eigenen Weg weiter. Ein Jahr danach können wir klar sagen: Unsere Arbeit hat gefruchtet. Sie bahnen sich ihren Weg durch ein Schulsystem, das es ihnen alles andere als leicht macht. Dranbleiben, einen Plan machen, hart arbeiten, sich Hilfe suchen, an sich glauben, aus Fehlern lernen, aufstehen, wenn man hingefallen ist, nicht aufgeben: Wir haben ihnen vieles mitgegeben, was sie auf ihrem Weg brauchen. Und sie sind dabei, das Beste daraus zu machen.

Die Autorinnen sind Lehrerinnen an einer Mittelschule in Wien.

Lesezeit: 4 Minuten

Die Sommerferien sind vorbei, der Schulalltag hat uns alle wieder. Jetzt ist es an der Zeit über die Sommerschule zu berichten, die in diesem Sommer zum zweiten Mal stattgefunden hat. Zu Wort kommen eine Mutter, ein Lehrer und Mittelschul-Schüler*innen, die die Sommerschule besucht haben.

Medine, Sarah, Enes, Osman, Marco, Hadja, Liviana und Elisabeth*

Warum wart ihr in der Sommerschule?

„Meine Eltern haben mich gezwungen. Ferien sind besser.“

„Meine Eltern haben gesagt, wenn du willst, geh. Ich bin gegangen, weil ich meine Noten verbessern will.“

„Ich muss lernen!“

„Ich kann nicht gut Deutsch.“

Was habt ihr gelernt?

„Der Lehrer hat gefragt, wo ich Schwierigkeiten habe. Ich habe Deutsch gemacht, Mathe ist eh einfach. Ich habe Märchen und Geschichten geschrieben.“

„Wir haben Englisch und ein bisserl Mathe gemacht.“

„7 bis 11 Uhr lernen und dann eine Stunde Turnsaal.“

„Ich hatte die Artikel vergessen, also der die das, jetzt weiß ich es wieder.“

„Wir haben gelernt und manchmal gespielt.“

„Wir haben in Deutsch gut gelernt.“

Was gibt es sonst noch zur Sommerschule zu sagen?

„Sommerschule war eh chillig, besser als zu Hause sitzen oder nur im Park sein.“

„Eine Woche ist genug, nur Deutsch und Mathe.“

„Beim Seilziehen haben die Mädchen gewonnen, sie waren mehr.“

„Nächstes Jahr würde ich gehen, wenn es nur eine Woche ist.“

„Am Donnerstag haben wir was gebacken, das haben wir dann gegessen. Am letzten Tag waren wir im Prater.“

„Am ersten und zweiten Tag waren wir alle schüchtern. Am dritten Tag sind wir wieder normal gewesen. “

„Es waren alle urverrückt, die waren wie unsere Klasse.“

„Manche haben geschlafen die letzten zwei Wochen. Und wir sind so um sechs oder sieben Uhr aufgestanden. Wir haben Glück, dass wir früher begonnen haben, vor dem Schulbeginn.“

Frau Berger

Frau Berger ist Mutter von drei Kindern, ihre beiden Töchter wollten oder sollten die Sommerschule besuchen.

„Zwei meiner drei Kinder wurden oder waren in der Sommerschule angemeldet, wie immer man das nennen möchte. Bei der Älteren ist es gleich schiefgegangen, entweder hat sie die Anmeldung nicht direkt abgegeben oder sie ging tatsächlich „verloren“. Ich hatte als Mama jetzt nicht direkt eine Handhabe/Kontrolle darüber. Dafür ist sie jetzt für einen Haufen Geld in einem renommierten Nachhilfeinstitut, sie hat zwei Nachprüfungen. Bei der Jüngeren kam die Teilnahmebestätigung nach laaaaaaanger, absoluter informationsloser Funkstille am 16. Juli daher. Und nun hatten wir das Pech, dass sie in der dritten August-Woche unerwartet ins Krankenhaus musste. Ich hatte kein gutes Gefühl dabei, meine Tochter fünf Tage nach dem Krankenhausaufenthalt gleich wieder in die Schule zu schicken. Ich habe sie krank gemeldet. Jetzt kann sie gar nicht mehr hingehen, weil das Konzept offenbar auf „alles oder nichts“ ausgerichtet ist. Es müssen alle zwei Wochen besucht werden, weil es angeblich ein projektbezogener Unterricht sei. Prinzipiell verstehe ich das schon, aber für meine Tochter ist diese Situation mehr als doof. Ich wollte, dass sie, ob ihrer Zensuren, zumindest eine Art Update in der Sommerschule bekommt. Die Alternative ist, dass sie, so wie ihre Schwester auch die Dienste des Nachhilfeinstituts, wieder für einen Haufen Geld, im Gegenstand Mathematik in Anspruch nehmen muss.

Mein Fazit ist, organisatorisch ist es mit der Sommerschule eher mühsam und undurchsichtig. Fast habe ich den Eindruck, man möchte Menschen dafür strafen, dass sie ein Gratis-Angebot in Anspruch nehmen wollen. Online gibt es kaum Informationen. Auf meine schriftliche Anfrage, wie denn die Vorbereitung auf eine Nachprüfung erfolgen würde, kam eine unbrauchbare Antwort zurück. Als schwierig hat sich die Korrespondenz im Allgemeinen herausgestellt. Bei sämtlichen Mails musste ich zuerst einmal unendlich lang scrollen, bis ich zur eigentlichen Antwort gelangt bin. Es gäbe sicher die Möglichkeit, das Ganze auch über eine Online-Plattform übersichtlich und damit benutzerfreundlicher zu gestalten. Schließlich sollte doch die Ambition sein alle Familien, unabhängig vom Bildungshintergrund, zu erreichen. Was uns bleibt, ist das Nachhilfeinstitut, das uns das Gefühl vermittelt, man würde sich um unsere Anliegen kümmern. Warum das die öffentliche Hand nicht schafft, frage ich mich schon. Vielleicht soll Eltern vermittelt werden, dass sie selbst an schulischen Problemen ihrer Kinder schuld seien. Für uns war es das dann mit Sommerschule, fürchte ich.“

Benjamin ist BHS-Lehrer in Wien

Sommerschule. Eine interessante Erscheinung der Coronapolitik. Angedacht, um Schüler*innen eine zusätzliche Lernmöglichkeit angesichts des Corona Lockdowns im Frühjahr zu bieten. Letztes Jahr wurde sie an unserer Schule (HAK) von Studierenden durchgeführt. Dafür bekamen sie ECTS Punkte. Sie konnten es als EC (Wahlfach) anrechnen lassen. Ich glaube, es war grundsätzlich ein smarter move vonseiten des Bundesministeriums. Günstigere Arbeitskräfte gibt es wohl kaum.

Heuer wurde sie von schuleigenen Lehrer*innen organisiert und gehalten, entgeltlich. Die Bereitschaft im Kollegium hielt sich in überschaubaren Grenzen. Einige wenige meldeten sich nach persönlicher Anfrage. Für die 1. und 2. Jahrgänge der HAS und der HAK wurden Kurse gestaltet. Deutsch, betriebswirtschaftliche Fächer und Mathe bildeten die Schwerpunkte. Schüler*innen erhielten je nach Jahreszeugnisnote und persönlichem Anraten der entsprechenden Fachlehrer*innen eine Einladung. Freiwilligkeit war das Stichwort. Mit Druck wurde sie erreicht. Einige nahmen es dankend an, andere sträubten sich stärker. Unmut gab es vonseiten der Schüler*innen vor allem hinsichtlich des Aufbaus. So mussten Schüler*innen die ganze Woche mehrere Fächer besuchen, obwohl sie nur in Rechnungswesen verstärkten Lernbedarf bzw. eine Einladung bekommen hatten.

Die Durchführung selbst verlief aus meiner Sicht gut. Das Angebot wurde von jenen, die kamen – und das waren doch 2/3 – wohlwollend und gut gelaunt angenommen. Auch meine Kolleg*innen berichteten von einem positiven Lernklima und einer sichtbaren Lernbereitschaft. Ob jedoch eine Woche mit je 4 Stunden Übungszeit entsprechende Wissenslücken schließen, stelle ich stark in Zweifel. Vielmehr ist es, wie so oft in der Bildungspolitik, ein Tropfen auf den heißen Stein. Eine Symptombekämpfung statt einer Systemänderung.

*Alle Namen wurden von der Redaktion geändert.

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Als Lehrerin einer berufsbildenden Schule war ich davon überzeugt, dass ein Bildungsabschluss allen Schüler*innen ermöglicht, einen guten Start in ein selbstbestimmtes Leben zu haben. Ich täuschte mich. 

Der Zufall sorgte dafür, dass sich im Herbst 2016 eine ganz besondere Gruppe in einer ersten Klasse zusammengefunden hatte. Die meisten waren erst wenige Monate in Österreich und hatten lange Wege hinter sich gebracht, die sie in unsere ländliche Kleinstadt führten. Die wenigsten konnten ein paar Worte Deutsch. Nach und nach durften wir sie kennenlernen, unsere „Flüchtlingsklasse“. 

Der Unterrichtsalltag war fordernd, laut, chaotisch und so manche*r Lehrer*in brauchte einen Geduldsfaden so dick wie eine Trosse. 

In dieser Klasse befand sich auch Hassan*. Mir fiel der dünne junge Bursche vor allem wegen seines Humors auf. Innerhalb der Klasse war er sehr beliebt, war er doch immer für ein Späßchen zu haben. 

In der gesamten Schulgemeinschaft kannte man Hassan, weil er ein ausgezeichneter Fußballer war. Er hatte durchaus etwas an sich, das ihn für viele unvergesslich macht. 

Seine Erklärungen, warum er die eine oder andere Hausübung nicht machen konnte, waren durchwegs charmant und lange grantig konnte man da nicht bleiben. Ein Strizzi halt, aber blitzgescheit. 

Wenn er auch wie viele Teenager nicht immer der konsequenteste Lerner war, konnte er seine Faulheit durch sein großartiges Sprachentalent ausgleichen. Es war bemerkenswert, wie er in kurzer Zeit seine Englisch- und Deutschkenntnisse verbessern konnte. Eine Freude war das, ihn beim Lernen und Reifen zu beobachten. 

Blickte man in die Gesichter der Jugendlichen, konnte man hinter den Clownsnasen oft eine tiefe Traurigkeit erkennen. Unbegleitet und alleine das Erwachsenwerden zu meistern, war Herausforderung genug. Doch dann waren da ja auch noch Behördengänge und die ständige Sorge um den Aufenthalt. Unverarbeitete Traumata, Unaussprechliches erlebt zu haben, Anfeindungen als Alltagserfahrung und das Gefühl, nicht dazuzugehören. Ich dachte mir oft, dass vor dem Hintergrund derartiger Lebens- und Fluchtgeschichten die richtige Adjektivdeklination auf der Prioritätenliste ganz weit nach unten rutschen musste. Und doch stimmte das nicht. 

Die Schule gab den Jugendlichen eine Struktur, einen normalen Alltag. Wenig Normalität hatten sie sonst in ihrem Leben. Ohne Eltern oder nähere Bezugspersonen wurden sie von einer Unterbringung in die andere geschoben. Hin und her, neue Menschen, Fremde, wenig Privatsphäre, kaum Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Und dann die ständige Sorge. Das war ihr Alltag. Ich hatte mich oft gewundert und bewundert, dass sie ihre Prüfungsvorbereitung und zusätzliches Engagement in der Schulgemeinschaft so gut meisterten. 

Ob die Hausübung nun da war oder nicht, mir war es wichtig, dass Hassan jeden Tag im Unterricht war. Ich versuchte, ihm zu zeigen, dass er für mich als Person wichtig war, nicht nur seine Leistung. Er war willkommen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Das hier war seine Schule, das hier war seine Klasse, hier war sein Platz. 

Das Recht, in Österreich leben zu dürfen, weil in Hassans Herkunftsland Sicherheit nicht garantiert war, durfte für mich nicht an eine Gegenleistung gekoppelt sein. Schutz, Hilfe und Unterstützung steht jedem Menschen zu, egal wo er geboren worden ist. Trotzdem hatte Hassan so viel für diese Gesellschaft zu geben. 

Schulische und private Hochs und Tiefs vergingen schnell. Guter Zuspruch hatte ihn meist wieder konzentriert arbeiten lassen, um seinem Ziel, dem Schulabschluss, näherzukommen. 

Durchbeißen, denn ein Abschluss, so versicherte ich ihm, würde ihm einen guten Job ermöglichen. 

Eine Berufsperspektive bedeutete auch gleichzeitig eine Perspektive, sich in Österreich ein gutes Leben aufzubauen. Ich hatte gelogen. 

Als afghanischer Flüchtling bekam er einen negativen Asylbescheid. 

Engagiere dich, hilf anderen in deinem Umfeld! Verhalte dich respektvoll! Dann bist du ein wichtiger Teil einer Gemeinschaft, in der du dich aufgehoben fühlen darfst, predigte ich. Ich hatte gelogen. 

Als afghanischer Flüchtling bekam er seinen zweiten negativen Asylbescheid. 

Österreich war in der Zwischenzeit zu seinem Zuhause geworden. Und das, obwohl Österreich nicht immer sehr gut zu ihm war. 

Ein Österreich, das junge Menschen, die ihre Zukunft vor sich und so viel zu geben haben, in ein Land abschieben möchte, das nicht sicher ist, ist nicht mein Zuhause. 

Mein Österreich ist bunt, großzügig, solidarisch, bietet Chancen, ermöglicht Bildung, steht zu seinen Leuten. 

Der Gedanke, dass man ihn nun wegschicken möchte, ist unerträglich. 

Hassan gehört zu uns. Hassan muss die Chance gegeben werden, sich hier in unserer Mitte ein gutes Leben in Sicherheit aufbauen zu können. 

*Name von der Redaktion geändert.

Die Autorin ist Lehrerin an einer HAK/HAS in Oberösterreich.

Lesezeit: 5 Minuten

Die Schüler*innensicht

„2020“ war ein heftiges Jahr für uns alle. Wenn ich an alle Vorfälle zurückdenke, die wir in diesem Jahr erlebt haben, denke ich mir: „Wow, was wir nur alles überwunden haben?

Wir haben viele Schmerzen und Rückschläge in jedem Bereich unseres Lebens erlitten – am meisten unsere Psyche. Manchmal hat es Situationen gegeben, wo man einfach gedacht hat: „Es reicht! Wirklich! Es reicht. Was soll das alles?

Aber die Geschehnisse achten leider nicht auf unsere Gedanken und unsere Psyche; sie passieren einfach. Das Jahr 2020 hat vielen Menschen auf unserer Erde Schmerzen abverlangt. Wegen der Corona-Pandemie haben viele Menschen Familienmitglieder, Freund*innen und Bekannte verloren. Am Jahresanfang war alles noch normal. Mitte Februar hat der Fluch des Jahres 2020 seine Wirkungen gezeigt. Begonnen hat es mit den Waldbränden in Australien, wo viele Tiere gestorben sind. Danach folgte eins nach dem anderen. Anfang März ist Corona in Österreich aufgetaucht. Es wirkte zuerst wie ein Scherz. Ich erinnere mich noch an den Tag, wo meine Freund*innen gesagt haben, in Tirol gebe es die erste infizierte Person. Damals hätte ich mir nicht erträumen können, dass es so weit kommen würde. Das Schuljahr 2020 hat meine Mentalität ruiniert; das mit dem Distance Learning, dem Lockdwon, den eingeschränkten Sozialkontakten usw. – das war oftmals einfach alles viel zu viel. Stress, Sorgen und Ängste. Das alles folgte aufeinander und überkreuzte sich. Und wir als Menschen wussten nicht, was wir machen sollten. Was können wir als winzige kleine Wesen auf dieser riesigen Erde in so einer Situation denn auch schon machen? Es kam mir manchmal auch vor, als hätten sich all die schlechten Sachen abgesprochen und ausgemacht, dass sie alle gemeinsam im Jahr 2020 auftauchen.

Während des Lockdowns im April bin ich eines Tages auf ein Gedicht auf Instagram gestoßen:

Und die leute blieben zuhause
und sie lasen bücher und hörten zu
und sie ruhten sich aus und übten
und sie schufen kunst und spielten
und sie lernten neue formen des seins
und sie lauschten tiefer
jemand meditierte
jemand betete
jemand tanzte
jemand begegnete seinem schatten
und die menschen begannen unterschiedlich zu denken
und die menschen heilten
und in abwesenheit der menschen die unwissend lebten
gefährlich meinungslos und herzlos
begann sogar die erde zu heilen
und als die gefahr endete
und die menschen sich einander fanden
trauernd für die toten
und sie trafen neue entscheidungen
und träumten von neuen visionen
und sie schufen neue lebensweisen
und sie heilten die erde
ganz genau so wie sie selbst geheilt wurden

Als ich dieses Gedicht gelesen hatte, dachte ich mir: „Wow, schon vor ca. 140 Jahren konnte die Schriftstellerin Kathleen O’Meara vorhersehen, was in den kommenden Zeiten passieren würde.“ Das Gedicht beschreibt für mich genau das, was viele von uns im Lockdown gemacht haben: lesen, zuhören, meditieren, Zeit mit sich selbst und der Familie verbringen und alles weitere. Ein zum Denken anregendes Gedicht.

Ein Satz meiner Großmutter kommt mir dabei ins Gedächtnis. Sie sagte zu mir, dass es immer noch das Schlimmste vom Schlimmsten gebe. Deshalb hoffe ich mir nur, dass wir nicht schlimmere Vorfälle in den kommenden Jahren erleben werden. Ich drücke mir und uns die Daumen für das Jahr 2021. Hoffentlich werden wir ein erholsames, schönes 2021 haben!

Zeynep Kocak, Schülerin an einer BHAK in Wien

Die Lehrer*innensicht

Jänner und Februar 2020

In China gibt es ein Virus, Corona heißt es. Wahnsinn, in kürzester Zeit werden Krankenhäuser errichtet. Lockdown. Keiner darf vor die Tür, außer in Notfällen. Viele Menschen sterben.

Während der Gangaufsicht stellt sich Nenad zu mir. „Corona wird noch ein richtiges Problem für die ganze Welt werden,“ sagt er. „Wieso? China, ist ja richtig weit weg. Kann ich mir nicht vorstellen,“ antworte ich. „Glauben Sie mir, Sie werden noch an mich denken.“ Er geht zurück in die Klasse.

März bis Mitte Mai 2020

Ich denke oft an Nenad und seine Worte. Wir arbeiten von zuhause aus, versuchen die Schüler*innen so gut wie möglich zu erreichen. Kein Mensch hat damit gerechnet. Viele unserer Schüler*innen haben keine Laptops.  Wir alle haben wenig Ahnung, wie Distance Learning funktionieren soll. Wir sind nicht digitalisiert, lernen mit den Schüler*innen gleichzeitig.  Draußen scheint die Welt still zu stehen.  Aber es gibt Lichtblicke. 30 Laptops werden gespendet, 60 werden von der Gemeinde Wien zur Verfügung gestellt, dazu Handy- und Internetguthaben.  Und der Lockdown zeigt Wirkung, die Zahlen gehen nach unten. Wir dürfen wieder in die Schule.

Mitte Mai bis Ende Juni 2020

Wir unterrichten wieder, wenn auch in kleinen Gruppen, aber wir sind wieder da. Vielen Schüler*innen ist die Freude anzusehen. Sie kommen gerne, sie wollen lernen.  Zeugnis und Noten spielen für sie nicht so eine große Rolle, und wir dürfen Milde walten lassen, sieht man von den Deutschförderklassen ab.  Da muss beinhart geprüft werden. Sieht so aus, als würde diesen Schüler*innen ihr nicht vorhandenes Sprachverständnis zum Verhängnis.  Also trocknen wir Tränen und machen Mut. Irgendwann werden sie die Sprache so weit beherrschen, dass sie sich auch wie andere Schüler*innen fühlen dürfen.

September bis Mitte November 2020

Wir spielen ganz normal Schule. Große Klassen, Tests, Schularbeiten und normaler Unterricht. Die Infektionszahlen gehen in die Höhe. Unruhe macht sich breit. Alle sind nervös. Alle dachten, Corona ist vorbei.  Ab und zu ist eine Klasse in Quarantäne, immer wieder gibt es Verdachtsfälle und die scheinbare Normalität beginnt zu zerbrechen.  Alle ahnen wir, der nächste Lockdown steht vor der Türe.

Mitte November bis Dezember 2020

Das prägendste Bild dieser Wochen? Schüler*innen, die schwere Schultaschen und Einkaufstaschen schleppen. Besser ist es immer alle Sachen zuhause zu haben.  „Scheiß Corona!“, ruft ein Schüler laut und muss prompt vor die Klassentüre. Warum? Das entzieht sich meiner Kenntnis.

Maria Lodjn, Lehrerin an einer Mittelschule in Wien

Die Elternsicht

Ich bin kein Mensch für Neujahrsvorsätze, doch kurz dachte ich Anfang Januar 2020 darüber nach, was ich an meinem Leben verbessern könnte. Das einzige was mir einfiel, war, dass ich gerne einen richtig guten Thailänder in Wien finden möchte. Eine Original Tom Yan Gung, so glaubte ich, würde mein Dasein deutlich bereichern. Das wurde mein Vorsatz. Wenig wusste ich.

Dann kam der März und der erste Lockdown. So saß ich plötzlich da, mit drei Kindern an drei verschiedenen Schulen. Mit drei Laptops und drei iPads, mit zwei Smartphones, einem Laserdrucker, zwei WLAN Netzwerken ohne Datenlimit, die dennoch an ihre Grenzen stießen, und einem Mann, der seine Zeit statt mir bei den Kindern zu helfen, lieber mit seiner 25 jährigen Geliebten und Angestellten auf irgendeinem Hof verbrachte, während ich mir mit der Machete einen Weg durch den Arbeitsplandschungel der Kinder schlug. Dass auch ich Vollzeit arbeite und dies parallel zu meinem Mutteralltag, brauche ich nicht extra zu erwähnen, das ist ja „das neue Normal“.

Kürzlich sagte der Diakon eines kleinen Ortes auf die Aussage eines gestressten Elternteils, dass er für so etwas wirklich keine Zeit habe: „Nun ja, Zeit – haben wir alle gleich viel…!

Und das stimmt. Ich stehe also um 5:00 Uhr auf, beantworte die nächtlichen Anfragen meines Brotjobs, mache mich ab 5:30 Uhr mit meiner 8jährigen Tochter an ihren Arbeitsplan, erst analog, dann auch über Padlet, nähe mit drei Kindern MNS Masken mit Kaffeefiltern, bastle Fledermäuse, lerne, wie die österreichischen Gebirge auf Englisch heißen, da mein Sohn sich ein fancy-bilinguales Gymnasium ausgesucht hat, befasse mich mit Genetik und creative Common Lizenzen, da Sohn Nummer zwei eher naturwissenschaftlich orientiert ist und wir parallel ein Referat zu Ionenverbindungen schreiben müssen. Dann analysieren wir die Welle, fassen Borchert zusammen und schreiben Dialoge auf Spanisch. Ich lerne MS Teams, One Note, Webuntis, Moodle, alles so nebenbei. Abends um 22:35 Uhr beantworte ich die letzte Frage aus meinem Arbeitsumfeld.

Der Sommer brachte eine kurze Verschnaufpause. Ich fuhr in mein Heimatland und tankte neue Energie und dringend benötige Vertrautheit. Ja, auch ich gehörte zu den hochansteckenden Reiserückkehrern. Ich konnte nicht anders.

Zusammengefasst? Es war ein lehrreiches Jahr. Neben allen neuen technischen Kompetenzen, Plattformen, Softwaresystemen und Improvisationskünsten lernte ich vor allem, dass wir uns durch die Corona-Krise wieder im Jahr 1950 befinden, dass die unsichtbaren Dienstleistungen von Frauen tatsächlich ungesehen bleiben. Dass die Welt vermutlich zusammenbrechen würde, wenn es diese im Hintergrund nicht gäbe. Aber ich lernte auch, dass scheinbar aussichtslose Situationen einen Ausweg haben, dass auch der dunkelste Lockdown sein Ende findet und es schlussendlich nach dem Lockdown eigentlich auch doch nur wieder vor dem Lockdown ist.

Die Autorin lebt mit ihrer Familie in der Steiermark.

Lesezeit: 8 Minuten

In den folgenden Beiträgen teilen Schüler*innen aus der 2AS der BHAK Wien 10 ihre Erfahrungen und Eindrücke zum Distance-Learning, den Unterschieden zum ersten Lockdown und ihre Wünsche an die Regierung.

Eins

Für uns war der zweite Lockdown irgendwie zu erwarten. Hier möchten wir euch einen Einblick in unsere derzeitige Situation geben.

Anders als im ersten Lockdown ist es diesmal viel stressiger und belastender. Es ist anstrengend, jeden Tag von 08:00 – 15:50 Uhr vor dem Laptop zu sitzen und Videokonferenzen zu führen. Nach den Videokonferenzen sitzt man öfters noch mehrere Stunden an den Aufgaben, die wir innerhalb eines Zeitfensters erledigen müssen. Meistens sind es so viele, dass man bis zum Abend dasitzt und sich nicht auskennt. Viele Schüler*innen haben auch Geschwister, was das Ganze noch viel aufwändiger macht, weil es dann schwerer ist, sich zu konzentrieren. Wegen all dem Stress haben wir auch keine Freizeit mehr und keine Zeit für unsere Familie. Unserer Meinung nach war der erste Lockdown viel angenehmer.

Derzeit ist es schwerer geworden, mit dem Stoff voran zu kommen, weil die meisten es nicht so gut über die Videokonferenzen verstehen und schwerer mitkommen. Man kennt sich jetzt zwar besser mit Teams aus, jedoch verlieren manche über all die zu erledigenden Aufgaben die Übersicht.

Die Stimmung in der Klasse ist sehr gereizt und die meisten wirken auf uns nervös und unmotiviert. Viele haben keinen Plan, was gerade Stoff ist, und sind gestresst. Unsere Mitschüler*innen wirken auf uns müde und verloren.

Wenn es zu einem dritten Lockdown kommen würde, würden wir es besser finden, wenn es weniger Videokonferenzen gäbe. Außerdem sollten es nicht so schwierige Aufgaben sein und die Lehrer*innen sollten mehr Verständnis haben. Wir würden uns über mehr Freizeit freuen. Auch wenn wir Wochenende haben, müssen wir uns darüber Sorgen machen, dass wir bis Montag 5 Aufgaben zu erledigen haben. Deswegen können wir uns nicht wirklich ausruhen. Wir hoffen aber, dass es nicht zu einem dritten Lockdown kommt.

Haris, Ayten, Rumeysa und Laura

Zwei

Der zweite Lockdown kam für uns wenig überraschend. Was nun in der Schule anders läuft, möchten wir in dem Text kurz erklären.

Einerseits hatten wir im ersten Lockdown viel Stress, weil für uns die neue Situation fremd war und wir nicht wussten, was auf uns zukommen wird. Anderseits hatten wir mehr Freizeit, weil der Schulunterricht nicht nach Stundenplan abgehalten wurde. Der Lockdown I war für viele Familien eine sehr große Herausforderung, weil alle Familienmitglieder plötzlich zu Hause bleiben mussten. Da wir im Lockdown I nicht so viel zu tun hatten, waren wir schneller fertig und konnten den restlichen Tag frei gestalten. Der Unterschied zu Lockdown I ist, dass wir jetzt keine Zeit mehr für die Familie haben, weil wir den ganzen Tag vor dem Laptop sitzen müssen. Diesmal ist es nicht möglich, gemeinsam mit der Familie zu essen.

Zu Beginn des ersten Lockdowns fiel es schwerer, sich zu organisieren. Doch mit der Zeit wurde es besser. Diesmal kennt sich jede*r besser mit Teams aus, weil man ständig mit der App arbeiten musste. Nun läuft der Unterricht nach Stundeplan ab, was stressiger ist. Da wir Schüler*innen auch noch Aufgaben nach den Stunden bekommen, die wir erfüllen müssen, sitzen wir länger vor dem Laptop als im Präsenzunterricht. Die Meinung der Schüler*innen mit jüngeren Geschwistern ist, dass es im zweiten Lockdown leichter geworden ist, weil die Kindergärten und die Betreuungen offen haben. Dadurch fällt das Aufpassen auf jüngere Geschwister oftmals weg.

Die Motivation der Mitschüler*innen ist unserer Meinung nach gesunken, weil es nun stressiger und aufwändiger geworden ist, weil jetzt jeder*jede Schüler*in vor acht Uhr aufstehen muss, um für den Unterricht vorbereitet zu sein. In dieser Phase werden auch Tests im Online-Unterricht geschrieben. Lehrer*innen vermitteln hier die identen Inhalte, die sie auch im Präsenzunterricht vermitteln würden.

Wir wünschen uns alle von der Regierung, dass wir unsere Arbeitsaufträge während der Videokonferenz im Unterricht erledigen können, um nicht länger vor dem Laptop zu sitzen. Wir denken auch, dass es besser ist, weniger Online-Konferenzen abzuhalten. Die Regierung sollte auch mitteilen, ob es zu einem dritten Lockdown kommen wird, damit wir uns früher vorbereiten können.

Amina, Danyel, Nancy und Selen

Drei

In diesem Bericht schreiben wir darüber, wie es uns im ersten und im zweiten Lockdown ergangen ist. An unserem Alltag hat sich nicht vieles geändert. Wir gehen selten raus und passen auf, dass wir die Maßnahmen einhalten. Der erste Lockdown war viel schlimmer, weil es strengere Regeln gab. Im Gegensatz zum ersten Lockdown gibt es zwar auch Regeln, aber die Menschen halten sich nicht daran. Wir hatten beim ersten Lockdown viel mehr Stress als im zweiten. Wir wussten nicht, in welcher Lage wir uns befinden. Es war schwer raus zu gehen und unsere Freunde zu treffen. Wegen des Lockdowns sind wir viel mehr zu Hause und haben mehr Kontakt zu den Eltern und Geschwistern.

Im ersten Lockdown kamen wir nicht gut im Unterricht mit, weil uns vieles unklar war. Außerdem war es das erste Mal, dass wir unseren Unterricht von zuhause aus mitverfolgten. Im zweiten Lockdown fällt es uns schon leichter, weil wir schon Erfahrungen sammeln konnten und auch lernten, wie alles in Microsoft Teams geht. Im zweiten Lockdown ist es ebenso strenger als im ersten. Das heißt, wenn wir mal nicht auftauchen, wird die Mitarbeit natürlich schlechter. Der Lockdown I war zum Teil besser, aber auch schlechter. Man konnte sich damals genau einteilen, wann und wie man seine Aufgaben verrichten will, dafür gab es keinen Präsenzunterricht. Im Lockdown II ist es umgekehrt, man hat in fast jedem Fach Präsenzunterricht und kann sich nicht immer alle Aufgaben selbst einteilen.

Unserer Meinung nach ist die Motivation der Lehrer*innen diesmal viel höher. Die Lehrer*innen kennen sich viel besser aus und haben Spaß daran, uns gut online zu unterrichten. Unsere Motivation hat sich seit dem ersten Lockdown positiv verändert. Wir haben gemerkt, dass es ernst wird und dass das Homeschooling unsere Noten beeinflusst. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, stärker mitzuarbeiten, weil wir nicht wollen, dass unsere Noten schlechter werden.

Unsere Wünsche für einen zukünftigen Lockdown sind, dass bei einigen Fächern weniger Aufgaben kommen sollten, weil es manchmal zu viel wird. Die Regierung sollte schlau entscheiden und uns so früh wie möglich mitteilen, ob es einen dritten Lockdown geben wird. Es müssten sich auch die Unterrichtszeiten ändern, weil sie viel zu lange sind und unsere Augen dadurch geschädigt werden, dass wir dauerhaft vor unseren Computer sitzen müssen. Man könnte auch versuchen, eine Art „hybriden Unterricht“ einzuführen. Das würde heißen, dass es z.B. drei Tage Unterricht online gibt und die anderen zwei in der Schule.

Cäcilia, Antonio, Ermal und Zehra

Vier

Der Lockdown I unterscheidet sich nicht sonderlich vom zweiten Lockdown, vor allem was die Schule betrifft, weil die Regelungen aus unserer Sicht gleichgeblieben sind. Unsere Eindrücke haben wir in diesem Bericht diskutiert. 

Im Lockdown fällt es uns leichter aufzustehen, weil wir länger schlafen können. Außerdem können wir uns den Arbeitsplatz aussuchen. Beim Distance-Learning fühlt sich der Tag ab 16:00 Uhr nicht mehr so kurz an. Außerdem ist der Kontakt mit der Familie sehr begrenzt. Das liegt daran, dass wir den ganzen Tag im Zimmer verbringen und diesen Ort so gut wie nie verlassen.

Hier haben wir die Vor- und Nachteile aufgelistet, die sich aus unserer Sicht während der Home-Learning-Phase ergeben haben: 

Vorteile sind, dass wir weniger Hausübungen bekommen, dass wir uns den Weg zur Schule sparen und dass wir dem Unterricht gemütlich aus unserem eigenen Zimmer folgen können.

Nachteile sind, dass wir den ganzen Tag vor unseren Bildschirm sitzen müssen und wir ständig unter Kopfschmerzen, Augenschmerzen oder Nackenschmerzen leiden. Außerdem verlieren wir leichter die Übersicht über die Aufgaben. 

In den ersten Stunden sind die Schüler*innen meistens noch sehr verschlafen und unkonzentriert – das ist aber auch in der Schule der Fall. Viele Schüler*innen sind sich einig, dass man neue Skills erlernt hat und sich gut mit neuen Apps auskennt.  Den Lehrer*innen scheint es im zweiten Lockdown etwas besser zu gehen.

Viele Schüler*innen wünschen sich, dass die etwas unnötigeren Stunden beim Home-Learning weggelassen werden sollten und die Schule generell später beginnen sollte. Außerdem sollte die Regierung die ganze COVID-19 Situation nicht auf die leichte Schulter nehmen, weil doch am Ende des Tages Menschenleben gefährdet werden, wenn die Maßnahmen so locker bleiben.

Sara C., Hanin, Murat und Aldin

Fünf

Der erste Lockdown begann am 16. März 2020. Die meisten Menschen stiegen auf Home-Office um und es wurden strenge Maßnahmen gesetzt. Am 2. November begann der zweite Lockdown mit ähnlichen Maßnahmen. 

Der erste Lockdown kam für jeden sehr überraschend und wir wussten nicht, was alles auf uns zukommen wird. Wir hatten Panik und wussten nicht, wie wir zu agieren haben. Es gab eine Ausgangssperre. Menschen durften ihren Haushalt nur aus bestimmten Gründen verlassen. Die Bevölkerung war mit der Lage überfordert und man wusste nicht, wie es weiter gehen würde. Die Schulen wurden geschlossen und Home-Schooling wurde eingeführt. Im ersten Lockdown gab es keine Besprechungen bzw. keinen Live-Unterricht, außer die Lehrkraft bestand darauf. Es wurden viele Arbeitsaufträge ausgegeben, die wir individuell zu erfüllen hatten. Im November kam es zu einem zweiten Lockdown. Im zweiten Lockdown wusste die Bevölkerung bereits, was auf sie zukommen wird. Man hatte bereits Erfahrungen gesammelt und konnte sich gut organisieren.

Die Vorteile des zweiten Lockdowns sind, dass wir uns jetzt besser auskennen. Wir waren auf den zweiten Lockdown vorbereitet und wussten, was auf uns zukommen wird. Im zweiten Lockdown findet der Unterricht laut Stundenplan statt und wir bekommen trotz der Online-Besprechungen viele Aufträge, die wir erfüllen müssen. Nach dem Schultag sitzen wir noch lange an unseren Aufgaben und sind dann sehr erschöpft, weil wir uns kaum ausruhen können.

Ein Unterschied zum ersten Lockdown ist, dass wir keine Motivation mehr haben, weil wir kaum Freizeitaktivitäten ausüben können.

Die Maßnahmen werden ab dem 7. Dezember gelockert. Die Home-Learning-Phase bleibt für die Oberstufe aufrecht. Laut unserem Direktor werden wir nur zwei Schularbeiten in diesem Semester schreiben. Das stellt eine Erleichterung dar.

Unsere Vorschläge für einen dritten Lockdown wären, dass der Unterricht nicht laut Stundenplan stattfinden sollte, damit wir nicht den ganzen Tag vor dem Computer sitzen. Falls es nicht geht, möchten wir nicht so viele Arbeitsaufträge/Hausübungen bekommen.

Berdan, Fatma, Sara S. und Tamara

Sechs

Jetzt haben wir schon den zweiten Lockdown und es lassen sich viele Unterschiede zeigen.

Den ersten Lockdown haben wir als viel schlimmer in Erinnerung. Erstens dauerte er länger und für alle war die Situation neu und ungewiss. Alle Schüler*innen haben sich mit der Online-Phase sehr schwergetan, weil die Erfahrung mit Teams noch nicht vorhanden war. Doch im jetzigen Lockdown sind alle gut darauf vorbereitet, können besser mitmachen und nehmen die Home-Learning-Phase sowie die Maßnahmen ernster.

Die schulischen Veränderungen sind, dass der Online-Unterricht nach Stundenplan abläuft und dass meistens eine Video-Konferenz stattfindet. Das war im ersten Lockdown nicht der Fall. Ein Vorteil davon ist, dass wir jetzt nicht so viele Arbeitsaufträge bekommen und dadurch nach dem Online-Unterricht Zeit haben, mit unserer Familie zu Hause etwas zu unternehmen.

Das große Problem im März-Lockdown war die fehlende Motivation der Schüler*innen. Das lag vor allem daran, dass keine Fehlstunden gezählt wurden. Außerdem rückte das Schulende näher und viele freuten sich, endlich wieder einen „normalen“ Alltag zu haben.

Außerdem waren die Lehrer*innen im März wegen der vielen zu erstellenden Aufgaben genauso überfordert wie wir. Auch sie waren häufig unwissend im Umgang mit Teams. Diese Unwissenheit teilten wir.

Im Gegensatz dazu ist diesmal die Motivation höher, weil sich alle besser mit den Online-Tools auskennen und sie wissen, wie sie in schweren Zeiten zu handeln haben. Diesmal können wir mit dem Lockdown-Stress und Druck besser umgehen.

Im Falle eines 3. Lockdowns wünschen wir uns, dass im Online-Unterricht mehr selbstständiges Arbeiten erlaubt ist und die Konferenzen wegfallen.

Aylin, Melisa, Kimberley und Michelle

Sieben

Der erste Lockdown begann am 16. März 2020. Er kam unerwartet. Wir wussten nicht wirklich, wie es weiter gehen wird. Wegen einer Ausgangssperre durften Menschen nur aus bestimmten Gründen den Haushalt verlassen. Es gab sehr viele Veränderungen in der Familie, aber auch in den Schulen. Das soziale Leben veränderte sich sehr stark, weil man nicht mehr so viele Freiheiten hatte.

Im ersten Lockdown war man nicht an den Online-Unterricht gewöhnt. Er kam plötzlich und für alle überraschend. Wir mussten alle Bücher nach Hause mitnehmen und uns auf vielen Online-Plattformen registrieren. Wir sollten über Internet verfügen, um am Online-Unterricht teilnehmen zu können. Einen Laptop oder Computer sollten wir auch zur Verfügung haben, um dem Unterricht zu folgen und die Arbeitsaufträge zu erledigen…

Beim zweiten Lockdown waren wir besser vorbereitet.

Im zweiten Lockdown hat sich der Tagesplan nicht stark verändert. Wir müssen laut Stundenplan anwesend sein und haben diesmal daher weniger Arbeitsaufträge. Da wir schon in der Früh wach sein müssen, können wir unsere Arbeitsaufträge früher erledigen und haben dadurch mehr Zeit für unser familiäres Leben.

Ein weiterer Vorteil ist, dass wir uns zuhause nicht so schnell ablenken lassen, wie in der Schule. Ein Nachteil ist aber, dass wir den ganzen Tag vor dem Laptop sitzen müssen.

Im zweiten Lockdown sind wir viel selbstsicherer und selbstbewusster. Wir wissen, wie man in Teams arbeitet. Auch die Stimmung war im ersten Lockdown angespannter. Die Motivation der Lehrer*innen ist jetzt viel besser. Wir denken, dass es daran liegt, dass sie viel organisierter sind. Die Motivation der Schüler*innen ist gleichgeblieben und genauso die Atmosphäre in der Klasse.

Wir sind der Meinung, dass es besser wäre, wenn man weniger Online-Konferenzen hat und man die Aufgaben in den Stunden erledigen kann, damit wir nicht so viele Stunden vor dem Computer sitzen müssen.

Im Falle eines dritten Lockdowns sollte die Regierung alles früher mitteilen, sodass sich die Schüler*innen, aber auch die Lehrer*innen besser darauf vorbereiten können. In den ersten zwei Stunden sind die Schüler*innen noch sehr verschlafen und können sich somit nicht so gut konzentrieren. Unserer Ansicht nach sollte daher der Unterricht erst um 10 Uhr beginnen.

Leonora, Din, Gabriel und Hatidza