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Die Vorweihnachtszeit in der Schule ist, genau wie in den meisten anderen Berufen auch, mitunter herausfordernd. Von den Kindern verlangen wir bis kurz vor den Ferien vollen Arbeitseinsatz; Schularbeiten und Tests werden auch noch in dieser letzten Schulwoche geschrieben. Das Schuljahr ist bereits 16 Wochen alt, die letzte mehrtägige Pause liegt schon wieder einige Wochen zurück, die Sonne zeigt sich kaum, es ist meist düster und kalt. “Noch vor Weihnachten” wird zu einer fast magischen und unumstößlichen Zeitangabe. Wir alle wollen so viel wie möglich noch in diesem Jahr schaffen, fertig machen, ablegen um dann befreit und ohne schlechtes Gewissen in die Ferien starten zu können. Selbst wenn man sich als Lehrkraft Mühe gibt, es gelingt wohl niemandem diesen Druck nicht zum Teil auch an die Schüler*innen weiterzugeben.

In einer so herausfordernden Zeit ist es umso wichtiger im Schulalltag kleine Rituale und Inseln zu schaffen, die die Wartezeit verkürzen und neben all dem Stress, das Besinnliche und das Miteinander ins Zentrum stellen.

Wir haben uns an der NMS umgehört und ein paar vorweihnachtliche Traditionen gefunden, die die Kinder interkultureller Klassenzimmer zusammenwachsen lassen:

Interkulturelle Jause

“Schon seit ungefähr drei Jahren veranstalten wir zu verschiedenen Anlässen wie Fasching, Jahresabschluss oder eben auch Weihnachten, mit unserer Klasse eine interkulturelle Jause.

Das Ziel, dass wir damit verfolgen, ist es, die kulturelle Diversität als Gaumenfreude erlebbar zu machen. Denn die Kinder bringen eine für ihr Heimatland typische Speise mit in die Schule, die häufig auch ihre Lieblingsspeise ist und gemeinsam mit bzw. von den Eltern zubereitet wurde.

Am Tag der Jause richten wir dann eine Tafel in der Klasse her, die je nach Ereignis gedeckt wird. Anschließend werden die Speisen in der Muttersprache, Deutsch und Englisch beschriftet und den anderen vorgestellt.  Alle genießen das sehr! Wir wurden auch schon von anderen Klassen nachgeahmt.”

Adventskalender – der Klassiker neu interpretiert

Ob man ihn nun Adventkalender oder Ferien-Countdown-Kalender nennt ist im Prinzip ganz egal: Die herkömmliche Klassengröße bietet sich wunderbar für diesen Klassiker an. Jeden Tag darf ein anderes Kind ein Türchen, Päckchen oder Geschenk öffnen. Wir haben verschiedene Versionen des Adventskalenders entdeckt:

“In einer Klasse haben wir einen gewöhnlichen Adventskalender, der mit „Mini-Süßigkeiten“ gefüllt ist. Das Kind, welches ein Türchen öffnet, darf auch unsere Kerze anzünden. Währenddessen lauschen alle einer Weihnachtsgeschichte, die immer eine andere Botschaft vermittelt, welche die Schülter*innen am Ende der Geschichte in eigenen Worten wiedergeben.”

“Die Klasse spielt Rücken stärken: Jede*r schreibt mind. 5 anderen Schüler*innen ein Kompliment oder eine nette Botschaft auf einen Zettel, der am Rücken klebt. Zur Abwechslung darf der Zettel nicht gleich gelesen werden, sondern wird in ein winterlich gestaltetes Kuvert gepackt. Jeden Tag im Dezember darf ein Kind, das ausgelost wird, sein Kuvert öffnen.”

“Im Dezember trifft viele Schüler*innen und Lehrer*innen ein Energie-Tief: das Immunsystem schwächelt und man sehnt sich nach den wohlverdienten Winterferien. Um noch mal Vorfreude und Aufregung in unsere 4B zu bringen, haben wir die Schüler*innen mit einem Adventskalender überrascht. Jeden Tag ist ein anderes Kind dran und darf eine Schachtel öffnen. Drinnen ist Schokolade und eine ganz wichtige Aufgabe, z.B. Bedanke dich beim Schulwart für seine Arbeit; Sage deiner besten Freundin, was du besonders an ihr schätzt; Übernimm heute eine Aufgabe im Haushalt die du sonst nicht gerne machst; Tausche mit der Person hinter dir den Platz …”

“Letztes Jahr haben wir im Dezember gewichtelt. Jede*r Schüler*in hat den Namen einer anderen Person aus einem Beutel gezogen und ein kleines Geschenk besorgt. Am letzten Schultag haben wir diese Geschenke dann (anonym) ausgetauscht. Weil die ganze Klasse so große Freude am Wichteln hatte, haben wir beschlossen, auch dieses Jahr etwas ähnliches zu veranstalten. Wir haben uns für einen Wichtel-Kalender entschieden: Jeden Tag darf ein anderes Kind ein kleines Geschenk öffnen, das von jemandem in der Klasse besorgt wurde. Da sind dann Süßigkeiten, Schulsachen, Parfüms, Gutscheine oder ähnliches drin.”

Komplimente sammeln 

“Jede Woche im Dezember verfassen wir eine nette Nachricht, adressiert an die Person, die man am Anfang der Woche zufällig gezogen hat, und gibt sie in die selbstgebastelte Papiereulen-Tasche. Wir nennen das Ritual “Eulenpost”.”

Nikolaus 2.0

“Am 6.12. habe ich folgendes Gedicht vorgelesen und die Schüler*innen haben den Auftrag bekommen, den Nikolaus zu zeichnen. Das war sehr interessant, weil durch das Gedicht quasi ganz viele unterschiedliche, interkulturelle Nikoläuse entstanden sind .”

Nikolaus kommt heute an
Der Nikolaus kommt heute an,
das wissen alle Kinder.
Sie träumen schon vom alten Mann
mit Bart und rotem Zylinder.
Horch, wie er ruft: Hallo ihr lieben Kinder
heireinspaziert, hereinspaziert!
Sein Arm ist ziemlich tätowiert,
sein Bart zum Zöpfchen schmal frisiert.
Der Nikolaus kommt heute an,
es scheint, es ist ein junger Mann.

Ein Fest feiern

“Neben den üblichen Adventkalender-Ritualen machen wir mit unserer Klasse jedes Jahr eine kleine Weihnachtsfeier. Dabei essen wir die Kekse, die wir immer Anfang Dezember in einer komplett chaotischen und lustigen Schulküchenaktion selber backen. Da sich unsere Klasse aber selbst liebevoll “Balkangang” nennt, darf natürlich selbstgemachtes Burek nicht fehlen. Zur Feier laden wir dann auch alle Eltern der Klasse ein, essen Kekse und Burek und hören von Mariah Carey bis serbische Volkstänze jede Musik, die man in der Vorweihnachtszeit halt so hört.”

Wir sind begeistert. Ein Hoch auf all die engagierten Lehrkräfte, die sich unermüdlich Neues einfallen lassen, um “ihren” Kindern auch diese fordernde Zeit im Jahr zu versüßen.

Die Autor*innen sind Lehrer*innen an NMS in Wien und Niederösterreich.

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